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Henning Pätzold

Lernberatung

Der Begriff L. wird in der Erwachsenenpädagogik unterschiedlich verwendet. Idealtypisch lassen sich zwei Verwendungen unterscheiden: In der einen Fassung bezeichnet L. eine bestimmte, gewissermaßen lernkulturelle Grundorientierung ( → Lernkultur), bei der L. als spezifische „erwachsenenpädagogische Konzeption der Weiterbildung“ (Klein/Reutter 2005) bzw. als „Lernprozessbegleitung“ (ebd.) aufgefasst wird. Die andere Fassung betrachtet L. als eine spezifische Art didaktischen Handelns, bei der Beratung mit Bezug auf einen Lernprozess stattfindet (Pätzold 2004). In beiden Sichtweisen geht es jedoch darum, Merkmale, die typisch für Beratungsprozesse ( → Beratung) sind, für das organisierte Lehren und Lernen zu erschließen. Hierzu gehören insb. Freiwilligkeit, eine spezifische Verteilung von Verantwortung, die Orientierung an den Ressourcen der Klient/inn/en und das Ziel der Entscheidung oder der Lösung einer problemhaltigen Situation. Da bei L. häufig die beratende Person gleichzeitig lehrt und mitunter auch sanktioniert, sind die Möglichkeiten der Freiwilligkeit hier beeinträchtigt. Anzustreben ist dennoch eine Form von „Binnenfreiwilligkeit“ (Pätzold 2005), bei der den Klient/inn/en auch in einem verpflichtenden äußeren Kontext die Wahl überlassen bleibt, das eigentliche Beratungsangebot anzunehmen oder nicht. Die Verteilung von Verantwortung in Beratungssituationen (und daran angelehnten Lernsituationen) ist dadurch gekennzeichnet, dass der oder die Berater/in die Verantwortung für den Prozess (und die eigenen Beiträge hierzu) übernehmen, während die Klient/inn/en verantworten, wie sie mit den Ergebnissen dieses Prozesses verfahren. Einen Rat nicht anzunehmen, stellt also keinen Grund für eine Sanktion dar, wenngleich es Anlass sein kann, die Beratungsbeziehung auf ihrer Nützlichkeit hin zu überprüfen und gegebenenfalls zu verändern oder zu beenden. Diese Form der Interaktion setzt geradezu voraus, die Ressourcen der Klient/inn/en in den Mittelpunkt des Prozesses zu stellen, denn die Verantwortung für den Umgang mit den Beratungsresultaten kann nur dort verortet werden, wo auch die Potenziale liegen, Ergebnisse produktiv umzusetzen. Gleichzeitig wahrt die Ressourcenorientierung die Autonomie der Klient/inn/en. Ein weiteres Merkmal von L. ist, dass sie stets auf einen Lernprozess bezogen ist. Zwar können sich im Rahmen der Beratung Problemkontexte ergeben, die nur noch wenig mit dem Vorgang des Lernens im engeren Sinne zu tun haben; es ist dann jedoch zu prüfen, inwieweit sie innerhalb der situativ gegebenen Möglichkeiten noch im Rahmen von L. bearbeitet werden können. Schließlich ist L. – im letzteren der o.g. Begriffsverständnisse – dadurch charakterisiert, dass sie die äußere Form von Beratung, d.h. in der Regel einer zeitlich befristeten Folge von Gesprächen zwischen zwei Personen mit der Rollenverteilung Berater/in – Klient/in aufweist.

Unabhängig vom jeweiligen Begriffsverständnis greift L. im Rahmen der Erwachsenenpädagogik eine Reihe von Merkmalen moderner erwachsenenpädagogischer Konzepte auf. Sie stellt die Lernenden als Akteure in den Mittelpunkt des Prozesses und verlagert das Handeln der Lehrenden in die Richtung einer subsidiären Begleitung. Weiterhin fasst sie Lernprozesse als subjektgebundene Vorgänge auf, die sich einer linearen Übertragung entziehen und ermöglicht, aber nicht erzeugt werden können. Schließlich etabliert sie den Vorgang der Beratung – neben anderen pädagogischen Beratungsformen wie der Weiterbildungsberatung – unmittelbar als Bestandteil des Lernprozesses.

Literatur

  • Klein, R./Reutter, G.: Die handlungsleitenden Prinzipien von Lernberatung – Weiterungen und Konkretisierung. In: Dies. (Hrsg.): Die Lernberatungskonzeption. Baltmannsweiler 2005

  • Knoll, J.: Lern- und Bildungsberatung. Professionell beraten in der Weiterbildung. Bielefeld 2009

  • Pätzold, H.: Lernberatung und Erwachsenenbildung. Baltmannsweiler 2004

  • Pätzold, H.: Lernberatung zwischen Pflicht und Freiwilligkeit. In: Klein, R./Reutter, G. (Hrsg.): Die Lernberatungskonzeption. Baltmannsweiler 2005

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Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt