Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Sigrid Nolda

Popularisierung

P. war in der EB als Relikt einer überwundenen, wissenschaftsgläubigen Zeit und einer hierarchischen Vorstellung von Lehre lange Zeit diskreditiert. In ihren Anfängen galt dagegen die popularisierende Vermittlung von nützlichem und geprüftem → Wissen als vornehme Aufgabe der Volksbildung. Die durch die Begeisterung für die Naturwissenschaften beim bürgerlichen Publikum (Daum 1998) gestützte Universitätsausdehnungsbewegung und die entsprechenden Aktivitäten der Arbeiterbildungsbewegung ( → Arbeiterbildung) führten zu einem Höhepunkt der P. in der EB im 19. Jh.

In der Weimarer Zeit kam es im Rahmen der intensiven, gestaltenden EB zu einer Abwendung von extensiven Popularisierungsbemühungen, wie sie vor allem von der „Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung“ verfolgt wurden. Die Gleichschaltung der EB im Nationalsozialismus drängte wissen(schaft)svermittelnde Bestrebungen zurück. Nach dem Krieg sah die ostdeutsche EB in der P. von Wissenschaft eine wichtige Aufgabe, die institutionell in der „Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse“ (später „Urania“) ihren Ausdruck fand. Demgegenüber knüpfte die westdeutsche EB an den popularisierungskritischen Bildungsdiskurs der Weimarer „Neuen Richtung“ an. Einzelne Stimmen, die P. als wesentliche Aufgabe beschrieben (Ruprecht/Sitzmann 1986) oder die Übernahme des amerikanischen Konzepts der „public science“ forderten, haben an der allgemeinen Ablehnung einer pauschal als Verflachung empfundenen P. nichts ändern können. Die Kritik an der P. richtete sich – wenn sie nicht generell Wissenschaftsvermittlung als Aufgabe von EB ablehnte – gegen die Haltung eines naiven Wissenschafts- und Fortschrittsoptimismus, gegen die Vorstellung eines festen Wissenskanons, gegen ein stoff- und dozentenorientiertes Vortragswesen und nicht zuletzt gegen trivialisierende, dekontextualisierende und lediglich an Sensationen orientierte Aufbereitungen von wissenschaftlichem Wissen.

Das Popularisierungsverdikt hat in Verbindung mit der Durchsetzung lebensweltlicher und → erfahrungsorientierter Ansätze dazu geführt, dass die traditionelle Sicht auf P. als eines einstufigen wissenschaftsexternen Vorgangs beibehalten und die Frage der Vermittlung wissenschaftlichen Wissens in der EB unzureichend behandelt wurde. Das ist insofern problematisch, als natur- und sozialwissenschaftliches Wissen einen immer größeren Einfluss auf immer mehr Lebensbereiche ausübt. Insofern ist die EB gehalten, sich mit Wissenschaft, mit Verwissenschaftlichung als gesellschaftlichem Phänomen, mit der Verwendung wissenschaftlichen Wissens in Praxis und → Alltag sowie mit der bildungspolitischen Forderung nach der Förderung von „public understanding of science and humanities“ auseinander zu setzen. Dabei muss sie davon ausgehen, dass Wissenschaft allgegenwärtig und fragwürdig zugleich ist, dass Informationen weniger vorenthalten als vielmehr in einer Überfülle geboten werden und schließlich dass es nicht um eine reine Rezeption, sondern auch um die kritische Beurteilung von Präsentationen der Wissenschaft in der Öffentlichkeit geht. Eine solche reflexive P. ist als Programm formuliert (Taschwer 1996) und in Teilen (z.B. in der → Umwelt- und → Gesundheitsbildung) realisiert worden.

Die Übermittlung wissenschaftlichen Wissens an Erwachsene findet nicht nur an den Universitäten bzw. in der → wissenschaftlichen Weiterbildung, sondern auch in informellen Lernumgebungen (Conein/Schrader/Stadler 2004), in den Massenmedien und über das unredigierte Internet statt. Neben der Unterhaltungsfunktion geht es hier vor allem um die Bearbeitung von Akzeptanz- und Legitimationsdefiziten moderner Wissenschaft. In der EB wird es deshalb zunehmend darauf ankommen, die unterschiedlichen Formen, Bereiche und Funktionen informell vermittelten Wissens – darunter auch des sog. Bildungswissens (Nolda 2004) als Voraussetzung, Stimulus und Nachbereitung organisierter Wissensvermittlung einzubeziehen.

Literatur

  • Conein, S./Schrader, J./Stadler, M.: Erwachsenenbildung und die Popularisierung von Wissenschaft. Probleme und Perspektiven bei der Vermittlung von Mathematik, Naturwissenschaft und Technik. Bielefeld 2004

  • Daum, A.: Wissenschaftspopularisierung im 19. Jahrhundert. Bürgerliche Kultur, naturwissenschaftliche Bildung und die deutsche Öffentlichkeit, 1848-1914. München 1998

  • Nolda, S.: Zerstreute Bildung. Vermittlungen von Bildungswissen in modernen Medien. Bielefeld 2004

  • Ruprecht, H./Sitzmann, G.H. (Hrsg.): Erwachsenenbildung als Wissenschaft, Bd. XIV: Das Prinzip der Popularisierung als grundlagentheoretisches Problem der Erwachsenenbildung. Weltenburg 1986

  • Taschwer, K.: Wissen über Wissenschaft. Chancen und Grenzen der Popularisierung von Wissenschaft in der Erwachsenenbildung. In: Nolda, S. (Hrsg.): Erwachsenenbildung in der Wissensgesellschaft. Bad Heilbrunn 1996

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt