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Ekkehard Nuissl

Innovation

I. ist ein Begriff, der erst seit Beginn der 1990er Jahre im Bereich der EB gebraucht wird. Zu der Zeit hatte der „Club of Rome“ erstmals innovative statt „tradierte“ Lernprozesse mit den Merkmalen Antizipation, Partizipation, → Autonomie und → Integration betont. U.a. taucht I. seit einigen Jahren häufig im bildungspolitischen Zusammenhang auf. Sie steht dann z.B. im Kontext von Forschung, Entwicklung, (insb. beruflicher) Bildung und der Suche nach Strategien zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen. Aktuelle Beispiele für ein Vorkommen des Begriffs I. sind die zahlreichen Innovationspreise im Forschungs-, Entwicklungs- und (Weiter-) Bildungsbereich oder die Einberufung des „Innovationskreises Weiterbildung“ im Jahr 2006 durch die Bundesbildungsministerin zur Stärkung der WB und des → Lebenslangen Lernens. Zudem tragen zunehmend wissenschaftliche und politische Einrichtungen die I. explizit in ihrem Titel (wie z.B. das MIWFT in Nordrhein-Westfalen), womit ihr nicht nur ein zentraler, sondern auch programmatischer Stellenwert im Bereich von gesellschaftlicher Entwicklung, Wissenschaft und Forschung zukommt.

Macht man sich die Bedeutung des Wortes bewusst, verwundert dies nicht weiter: I. wird gewöhnlich mit „Erneuerung“, damit aber missverständlich übersetzt; gemeint ist eher etwas „Neues“, weniger etwas „Erneuertes“. I. bezeichnet begrifflich unterschiedliche Dinge. So gelten etwa Maßnahmen der Gegensteuerung ebenso als innovativ wie solche der Trend-Ergänzung, der Grenzüberschreitung oder der Neuerfindung. Im Allgemeinen wird I. als wertende Kategorie gebraucht, jeweils mit Blick auf ein wünschenswertes Ziel (und erst im Zuge seiner Realisierbarkeit) – etwa mehr Demokratie oder mehr Humanität. Fortschritt, insb. nur technischer Fortschritt, ist daher nicht identisch mit I., genauso wenig, wie die Utopie es (noch) ist. Oft wird allerdings versäumt, den Wertmaßstab, auf den sich das Innovative bezieht, explizit zu nennen.

In der EB sind I. historisch bekannt und systematisch denkbar zu:

  • Inhalten: die Arbeit der neuen, gesellschaftlich und politisch wichtigen Themen (z.B. Umwelt, Globalisierung),

  • Arbeitsformen: die Arbeit mit neuen Mitteln (etwa Neuen Medien),

  • Zielgruppen: die Arbeit mit neuen Personengruppen (etwa im Sinne von sozialer → Inklusion),

  • Programmen: die Arbeit mit neuen Systemen und Bezügen (z.B. → Curricula, → Zertifikate, Management- und Steuerungsinstrumente wie Bildungsmonitoring, Benchmarking),

  • Reichweiten: die Arbeit mit kooperativen und vernetzten Modellen (z.B. Lernende Regionen, → Selbstorganisation des Lernens, Lernzentren).

Oft sind I. nur schwer beobachtbar, vor allem dann, wenn kein Außenstandpunkt bezogen wird; nicht selten wird daher eine I. erst in der historischen Betrachtung erkennbar. Nur selten verfügen I. über benennbare Initiationsakte, meist entwickeln sie sich in längerfristigen Analyse- und Umsetzungsverfahren und sind daher schwer einzugrenzen. Oft ist feststellbar, dass I. nur einmalig auftreten, sich nicht dauerhaft etablieren oder wiederholen.

Viele I. der WB wurden in anderen gesellschaftlichen Bereichen oder in anderen Sprachen oder in anderen Ländern entwickelt, bevor sie auf die EB übertragen wurden. Innovativ ist somit auch die Anwendung bereits bekannter Paradigmen auf neue Situationen, dies gilt dann als ein innovativer Transfer.

Heuristischen Wert hat der Begriff I. dann, wenn mit ihm Flexibilität und Wandlungsfähigkeit bezeichnet werden. Genau das Gegenteil davon kann aber entstehen, wenn I. als Wert an sich gilt. I. definiert etwas Bewegliches und Lebendiges, in diesem Sinne ist der Begriff auch pädagogisch hilfreich und politisch wertvoll. Er schlägt ins Gegenteil, wenn mit seiner Hilfe bestehende funktionierende und bereits bewegliche Strukturen gestört oder gar zerschlagen werden.

Literatur

  • Barz, H. (Hrsg.): Innovation in der Weiterbildung. Was Programmverantwortliche heute wissen müssen. Augsburg 2006

  • BMBF: Bundesbericht Forschung und Innovation 2008. Bonn/Berlin 2008

  • Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg: Bildungsmonitoring, Vergleichsstudien und Innovationen. Berlin 2008

  • Schlutz, E.: (Hrsg.): Innovationen in der Erwachsenenbildung – Bildung in Bewegung. Frankfurt a.M. 2001

  • Streich, D./Wahl, D. (Hrsg.): Innovationsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt. Personalentwicklung – Organisationsentwicklung – Kompetenzentwicklung. Beiträge der Tagung des BMBF. Frankfurt a.M. u.a. 2007

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt