Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Albert Pflüger

Integration

Die didaktische Konzeption des fächerübergreifenden integrativen Lernens wird in der Literatur auch mit Begriffen wie „Verbindung“, „Verklammerung“, „Verzahnung“ oder „Synthese“ belegt. In der intensiven Diskussion der 1970er Jahre galt sie insb. der I. von beruflicher, politischer und allgemeiner Bildung und meinte die didaktische I. von fachlich qualifizierender WB für Arbeit und Beruf mit gesellschaftlich-politischer Aufklärung, so weit sich deren Lernziele und → Inhalte unmittelbar aus den Inhalten und Zielen der fachlichen Qualifizierung, aus der Lebens- und Arbeitssituation der → Teilnehmenden oder aus dem Weiterbildungsarrangement ergeben. I. hat jedoch auch in anderen Kombinationen Bedeutung, z.B. mit → kultureller, fremdsprachlicher, → Umweltbildung oder Verbraucherbildung,

Zeitgeschichtlich geht die Konzeption vor allem auf die Forderungen des Deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen und des Deutschen Bildungsrates nach Befähigung des Menschen zu mündiger Selbstorientierung und gleichberechtigter gesellschaftlich verantwortlicher Partizipation sowie entsprechender Durchlässigkeit des Bildungssystems zurück. Ihre Genese ist historisch eng mit der Entwicklung des Bildungsbegriffs und den philosophischen Grundlagen von → Bildung verbunden, von der Leibniz'schen Monadenlehre als „Begründung menschlicher Verschiedenheit“, den „Kategorien Vernunft und Mündigkeit in der Philosophie Kants“, der „Reflexivität und Intellektualität“ bei Fichte, der „Bildung in der Dialektik von Selbst und Welt bei Humboldt“ bis hin zur eigenständigen Erschließung von Wirklichkeit durch „kategoriale Bildung“ bei Klafki und zum Konzept der → Deutungsmuster und der „Erwachsenenbildung als Suchbewegung“ bei Tietgens (Schulz 1996).

I. will u.a. die Folgen der historischen Fehlinterpretation W. v. Humboldts durch den Neuhumanismus überwinden, die mit der institutionellen Trennung von beruflicher und allgemeiner Bildung ( → Allgemeinbildung) den Prozess der schichtenspezifischen Trennung von Beruf und Politik, beruflicher Ausbildung für ausführende Arbeiten und allgemeiner Bildung als Grundlage für privilegierte berufliche und gesellschaftliche Positionen in der bürgerlich-industriellen → Gesellschaft ausgelöst hat. In jüngster Zeit setzt sich diese Trennung in unterschiedlicher Gesetzgebung und getrennten Förderungsbedingungen für berufliche und allgemeine Bildung fort, während gleichzeitig die Qualifikationsstruktur der Arbeit auch auf den mittleren und unteren Ebenen eher prozess- und produktunabhängige → Schlüsselqualifikationen erfordert, die berufliche, politische und allgemeinbildende Aspekte gleichsam beinhalten.

Im Zusammenhang mit historischen Ableitungen aus kritisch aufklärerischen Intentionen und Traditionen von EB finden sich konkrete Begründungen und Argumentationen:

  • Wirtschaft und Technik als Lerninhalte sind wie die gesellschaftlichen und betrieblichen Verwertungszusammenhänge von beruflicher Qualifizierung nicht wertfrei, sondern enthalten immer auch Elemente politischer Sozialisation, die es gegenüber den Teilnehmenden kritisch zu hinterfragen gilt.

  • Bestimmte fachliche Inhalte und Arbeitsabläufe lassen sich aus erkenntnistheoretischen Gründen nur adäquat begreifen, wenn auch ihre politisch-ökonomischen Zusammenhänge auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen und betrieblichen Interessensstrukturen und Organisationsformen ( → Organisation) transparent werden.

  • Bildungsbereitschaft und Lernmotivation ( → Motivation) sind unter lerntheoretischen Gesichtspunkten abhängig von der Einsicht der Lernenden in Sinn und Erfolgschancen ihrer Bildungsanstrengungen. Die Thematisierung des gesellschafts- und bildungspolitischen Bezugsrahmens von Erwachsenenbildungsangeboten eröffnet solche lernmotivierenden Perspektiven.

Integrative → Angebote gibt es heute explizit vor allem in längerfristigen finanziell und personell gut ausgestatteten Veranstaltungen sowie im → Bildungsurlaub, oft verbunden mit → Methoden, wie → Projektlernen, → biographisches Lernen oder Zukunftswerkstatt, die selbst integrativ angelegt sind. Relativ neu ist der Ansatz der „strukturellen Teilnehmerorientierung“ (Schulz 1996), der sich an ältere didaktische Strukturmodelle des teilnehmerorientierten Lernens anlehnt. Besondere Aktualität gewinnt integratives Lernen angesichts wachsender Perspektivlosigkeit, Individualisierung und Entfremdungsmechanismen wie auch der Situation am Arbeitsmarkt, die eine Einlösung eindimensionaler Qualifikationsversprechen obsolet werden lässt.

Literatur

  • Schulz, M.: Integrative Weiterbildung: Chancen und Grenzen. Konzeptionelle Überlegungen zur Integration allgemeiner, politischer und beruflicher Bildung. Neuwied u.a. 1996

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt