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Bernd Weidenmann

Intelligenz

Der Bedeutungskern der zahlreichen Definitionen des Begriffs I. (aus dem Lateinischen intellegere für „zwischen etwas die richtige Wahl treffen“) wird als Anpassungs- und Problemlösefähigkeit beschrieben. Intelligenter sein heißt, Neues rascher zu lernen und neuartige Situationen und Probleme effektiver bewältigen zu können als andere Personen. In der Bildungspraxis wird I. einem Subjekt als überdauernde Eigenschaft („trait“) zugeschrieben. Oft werden Intelligenz und Begabung synonym behandelt.

Für Sternberg (1985) besteht I. aus einem konzeptuellen, einem kreativen und einem kontextuellen Teil. Intelligentes Handeln schließt alle drei Komponenten ein. Zum konzeptuellen Aspekt gehören → Wissen, Planen, → Lernen, Analysieren. Kreativ zu sein bedeutet, Findigkeit zu besitzen, Probleme umstrukturieren zu können, kombinieren zu können. Kontextuelle I. bedeutet das Abstimmen auf die konkrete Situation, also die „praktische I.“

Die I.forschung zeigt, dass man unter dem Dach des Begriffs I. eine Vielfalt von Teilfähigkeiten subsumieren kann. Die klassischen I.tests erfassen mithilfe normierter Aufgaben, z.B. sprachliches und mathematisches Können, logisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen, Merkfähigkeit. Kritische Autoren meinen, die meisten I.tests würden bildungsbenachteiligten Personen nicht gerecht, weil sie zu stark erlernte Kulturtechniken und Schulwissen erfassen. Diese Bedenken sind ernst zu nehmen, weil als Ergebnis eines I.tests eine feste Größe, der sog. „I.quotient (IQ)“ (I.-Alter/Lebensalter mal 100) bestimmt wird, der den Probanden im Vergleich zum Leistungsmittelwert seiner Altersgruppe einordnet. In der Praxis der Schul- und Gerichtsdiagnostik sowie bei der Bewerberauswahl in der Wirtschaft kann der IQ handfeste Konsequenzen haben. Mit nicht-sprachlichen I.tests hat man versucht, dem Einwand der Kulturgebundenheit zu begegnen. Eine weitere Kritik richtet sich darauf, dass der Begriff zu einseitig auf kognitive Fähigkeiten beschränkt sei und eine Reihe von anderen Fähigkeitsunterschieden ausblende. So plädiert z.B. Gardner (1983) dafür, mehrere „Intelligenzen“ zu unterscheiden und systematisch zu erfassen, wie etwa musische I., Körper-I. und interpersonelle (soziale) wie intrapersonale I. (Umgang mit der eigenen Person). Goleman hat in seinem Bestseller zur „emotionalen I.“ gezeigt, dass wirklich intelligentes Handeln nicht allein rationales Denken bedeuten kann.

Bei der gesellschaftlichen Bedeutung, die der I. und dem IQ zugewiesen wird, ist es verständlich, dass die Frage heftig umstritten ist, ob und in welchem Ausmaß I. angeboren oder erlernt ist, d.h. beeinflusst werden kann. Die Forschung stimmt darin überein, dass die genetischen Anlagen einen Bereich von I. nach oben und unten markieren, dass jedoch Umwelteinflüsse entscheidend dazu beitragen, wie sich ein Individuum innerhalb dieser Bandbreite konkret entwickelt. Für die EB bedeutsam sind Forschungsergebnisse, wonach der IQ über die Lebensspanne keineswegs stabil bleiben muss. Monotone Arbeit wirkt sich z.B. bei Erwachsenen hinderlich auf die kognitive Leistungsfähigkeit aus. Umgekehrt lässt sich das Nachlassen der Denkfähigkeit im höheren Alter durch systematisches Training verhindern. Grundsätzlich müsse die Pädagogik, so Gardner, zur Kenntnis nehmen, dass jede Person eine einzigartige Kombination von I. aufweist. Diese individuelle I. sollte differenziert erfasst und → Curriculum wie Lernform sollten darauf abgestimmt werden.

Literatur

  • Gardner, H.: Frames of Mind: The theory of muliple intelligences. New York 1993

  • Goleman, D.: Emotionale Intelligenz. München 1997

  • Stern, E./Guthke, J. (Hrsg.): Perspektiven der Intelligenzforschung. Lengerich 2001

  • Sternberg, R.: Beyond IQ: A triarchic theory of human intelligence. New York 1985

  • Sternberg, R.: (Hrsg.): Handbook of Intelligence. Cambridge 2006

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt