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Sigrid Nolda

Interaktion – Kommunikation

Unter I. wird die wechselseitige Beeinflussung des Handelns von mindestens zwei Personen bzw. die elementare soziale Einheit verstanden, in der Menschen ihr Verhalten aneinander orientieren. I. und K. werden häufig synonym verwendet, es empfiehlt sich aber, I. – in Abhebung von K. – als eine Situation zu verstehen, bei der die Beteiligten gleichzeitig anwesend sind. Im Sinne des → symbolischen Interaktionismus versuchen diese auf der Grundlage eines Sockels von geteilten Bedeutungen und Verhaltensmustern jeweils die Reaktionen des anderen vorausgreifend zu berücksichtigen und sich mit ihm über die Bedeutung der Situation zu verständigen. Während der symbolische Interaktionismus Deutung und Verständigung hervorhebt, betont die systemtheoretisch-konstruktivistische Sicht die „doppelte Kontingenz“ von I. und schenkt dem Phänomen der Beobachtung und des Wahrgenommenwerdens Aufmerksamkeit.

Das Interesse der EB am interaktionellen Geschehen in Lerngruppen ( → Gruppe) war zunächst eher von der Gruppendynamik und von der Kommunikationstheorie von Watzlawick u.a. mit Axiomen und Begrifflichkeiten wie „digitale“ bzw. „analoge“ Kommunikationsformen oder „komplementäre“ bzw. „symmetrische“ I. und Metak. geprägt. Auf dieser Basis sind Verhaltensempfehlungen für Unterrichtende, aber auch konkrete Vorgaben für die Beobachtung und Analyse von unterrichtlichen I. entwickelt worden. Das Interesse an Fragen der I. wird in der EB gewöhnlich normativ oder kritisch gegenüber gesellschaftlichen Machtverhältnissen diskutiert. Angestrebt wird die Etablierung einer für Bildungs- bzw. Lernzwecke optimalen I., die beispielsweise die Ziele der → Teilnehmerorientierung oder der diskursiven Verständigung ( → Diskurs) im Sinne des Modells der idealen Sprechsituation von Habermas erfüllen soll.

Ein wesentliches Motiv für die Durchführung von Interaktionsanalysen in der EB war es deshalb zunächst, die diffus wahrgenommenen Lern- und Verständnisbarrieren bildungsungewohnter Teilnehmender auf den Begriff zu bringen und auf dieser Grundlage didaktische Verfahren oder Verhaltensempfehlungen zu entwickeln. Neuere Untersuchungen zur I. im Bereich der EB streben eher eine Beschreibung des komplexen und deutungsabhängigen Ist-Zustandes an. Sie richten ihre Aufmerksamkeit auch weniger auf schichtspezifische Unterschiede und eher auf geschlechts- bzw. genderspezifische Differenzen des Interaktionsverhaltens. Die Basis solcher Untersuchungen bilden verschriftlichte Protokolle von Unterrichts- oder auch Beratungsgesprächen als eines besonderen Typus von institutioneller Interaktion.

Interaktionsforschung kann für die Praxis neben der Rezeption ihrer Ergebnisse durch Formen der gemeinsamen Interpretation solcher Protokolle fruchtbar gemacht werden, wo unter handlungsentlasteten Bedingungen die entsprechende Deutungskompetenz von Praktiker/inne/n zu entwickeln bzw. zu steigern versucht wird (Arnold, R. u.a. 1998).

Das Vordringen webbasierter Lehr-Lernformen auch in der EB ( → E-Learning) hat die Aufmerksamkeit auf die zeitversetzte oder synchrone schriftliche Kommunikation in Chats und Foren sowie auf Formen der K. unter den Teilnehmenden selbst (Arnold, P. 2003) bzw. auf I. und K. verbindende Mischformen (Blended Learning) gelenkt. Auf der anderen Seite ist durch moderne Aufnahmetechniken eine Erweiterung des Untersuchungsobjekts „Kurs“ als I. unter Anwesenden möglich geworden, die die Gesamtgruppe der Teilnehmenden und ihre nonverbale Interaktion im Raum überprüfbar dokumentiert und analysierbar macht (Nolda 2007).

Literatur

  • Arnold, R. u.a. (Hrsg.): Lehren und Lernen im Modus der Auslegung. Erwachsenenbildung zwischen Wissensvermittlung, Deutungslernen und Aneignung. Baltmannsweiler 1998

  • Arnold, P.: Kooperatives telematisches Lernen aus der Perspektive der Lernenden. Qualitative Analyse einer Community of Practice im Fernstudium. Münster 2003

  • Nolda, S.: Videobasierte Kursforschung. Mögliche Erträge von interpretativen Videoanalysen für die Erforschung des organisierten Lernens Erwachsener. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, H. 4, 2007

  • Nolda, S.: Interaktionsanalysen in der Erwachsenenbildung. In: Friebertshäuser, B./Prengel, A. (Hrsg.): Handbuch Qualitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft. Studienausgabe. 2. Aufl. Weinheim/München (ersch. 2010)

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt