Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

Das Wörterbuch Erwachsenenbildung bündelt das gegenwärtige Wissen über Erwachsenenbildung. Es enthält über 300 Stichworte zu den Themenfeldern Didaktik und Methodik, Forschung und Wissenschaft, Geschichte und Entwicklung, Lernen und Erfahrung, Organisation und Profession, Politik und Recht sowie Theorien und Konzepte. Alle Artikel wurden von ausgewiesenen Fachleuten nach dem neuesten Stand der Diskussion verfasst. Sie sind urheberrechtlich geschützt.

Mehr über das Wörterbuch erfahren

Suchvorschläge:

Aufklapper schließen

Andreas Meese

Intergenerationelle Bildung

Der Begriff Generation umschreibt eine Gruppe von Personen ähnlichen Alters, die aus einer vergleichbaren Lebensphase heraus denselben sozialhistorischen Kontext erlebt, was dazu führt, dass Generationen eigene „Grundintentionen“ (Mannheim 1928) und Kulturtechniken entwickeln, die sich in kollektiven Symbolen (z.B. der Fall der Berliner Mauer), Kompetenzen (z.B. zeitgemäße Arbeitstechniken) und Themen (z.B. Ökologie) in das Gedächtnis dieser Generationen einverleibt haben. Bildung als Teil von Lebensläufen ist somit auch generations- und zeitspezifischen Ausprägungen unterworfen, insofern mit der Generationenkultur auch die Gesellschafts- und Lernkultur einem Wandel unterliegt (Gregarek 2007). Allerdings wird aufgrund demographischer Veränderungen die Generation als Ankerplatz für fest definierbare Anschauungs- und Verhaltensweisen schwächer. Kollektives Alter ist aufgrund der Auflösung des traditionellen Lebenslaufregimes nur noch ein sekundäres Merkmal zur Beschreibung von Generationen und wird durch das Zugehörigkeitsgefühl der Akteure zu nicht „altersgemäßem“ Handeln überdeckt. Alter, Status und Funktion in Arbeit und Gesellschaft stellen sich als zunehmend entkoppelt dar, was im Begriff der „flüssigen Generation“ zum Ausdruck kommt.

Die i.B. ist somit auf einen Gegenstand gerichtet, dessen Konturen sich tendenziell auflösen, der gleichzeitig jedoch genau hierdurch seine Bedeutung manifestiert. Ließen sich unter „Seniorenbildung“ abgrenzbare Angebote für Menschen im dritten oder vierten Lebensalter verstehen, die sich um Themen der Identitätsarbeit, Biographie und Kreativität drehten, so würde sich intergenerationelles Lernen, auch aufgrund der bewussten Ansprache von mehr als einer Generation, methodisch wie inhaltlich flexibler präsentieren. I.B. in beruflicher Hinsicht befasst sich in der Praxis hauptsächlich mit der Weitergabe von im Berufsleben informell oder formell etabliertem Wissen an nachwachsende Generationen in „alternden Institutionen“. In gesellschaftlicher Hinsicht dominieren Projekte der Revitalisierung von Generationskontakten, die in den horizontal wie vertikal verschlankten und lokal verstreuten Familienstrukturen verloren gegangen sind. Im Fokus steht die Kontaktaufnahme zwischen Kindern und Senior/inn/en, derweil die mittlere Generation nur selten einbezogen wird. Während im Feld der beruflichen Bildung die Prozesse auf eine umsetzungsversierte Wissensvermittlung durch eine „Mentorengeneration“ hinauslaufen, steht im gesellschaftlichen und familiären Dialog der Generationen der Austausch von Erfahrungen und generationseigenem Deutungswissen im Vordergrund. In beiden Feldern wird das Generationenverständnis selbst zum didaktischen Gestaltungsprinzip wissens- und gruppenvermittelnder Bildungsangebote, was eine Besonderheit der i.B. ist – im Gegensatz zu vielen anderen Formen des Lernens.

Die Praxis der i.B. ist ungeachtet der wenig genutzten Potenziale innerbetrieblicher Ansätze stark durch gesellschaftsbezogene Projekte geprägt (Eisentraut 2007). Eine Systematik der Projekte kann anhand des Ursprungs des Wissens erfolgen. In Projekten des „Voneinander-Lernens“ liegt das Expertenwissen in mindestens einer der Generationen und wird der anderen Generation nähergebracht. „Übereinander-Lernen“ bezeichnet Prozesse der Öffnung für die Perspektiven und Kulturtechniken der anderen Generation. Beim „Miteinander-Lernen“ erarbeiten die anwesenden Generationen mit den ihnen spezifisch zur Verfügung stehenden Mitteln gemeinsam ein Thema. Am Beispiel von Lesepatenschaften und Mentorenprogrammen für Kinder und Jugendliche wird deutlich, dass auch das „Füreinander“ der Generationen die i.B. prägt, deren Formen häufig ehrenamtlich geprägt sind (Franz 2006).

Literatur

  • Eisentraut, R.: Intergenerationelle Projekte: Motivationen und Wirkungen. Baden-Baden 2007

  • Franz, J.: Die ältere Generation als Mentorengeneration – Intergenerationelles Lernen und intergenerationelles Engagement. In: Bildungsforschung, H. 2., 2006

  • Gregarek, S.: Chancen und Möglichkeiten intergenerationeller Bildungsarbeit unter den historisch-gesellschaftlichen Bedingungen der Bundesrepublik Deutschland. Dissertation, Dortmund 2007

  • Mannheim, K.: Das Problem der Generationen. In: Wissenssoziologie. Auswahl aus dem Werk. Berlin/Neuwied 1964 (erstmals ersch. 1928)

  • Neidhardt, H.: Wenn jüngere und ältere Erwachsene gemeinsam lernen… Altersintegrative Erwachsenenbildung. Bonn 2008. URL: www.die-bonn.de/doks/neidhardt0801.pdf (Stand: 20.11.2009)

Zurück zur Startseite

Das Buch zur Site

Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

» Buch online bestellen

Sie erhalten das Buch auch in Ihrer Buchhandlung!

Die Anbieter

Diese Seite ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, des Klinkhardt-Verlags und der UTB GmbH.

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist die zentrale Einrichtung für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung in Deutschland. Aus dem Institut stammen die Herausgeber des Wörterbuchs.

Der Klinkhardt-Verlag ist ein pädagogischer Fachverlag. Er hat die Entwicklung des Wörterbuchs verlegerisch betreut.

UTB ist ein Verlag für Lehr- und Studienbücher. Bei UTB ist die Druckausgabe des Wörterbuchs erschienen.

Zum Weiterlesen


Lade Daten...
Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Mehr im UTB-Shop!
 

utb GmbH

Industriestraße 2
D-70565 Stuttgart, Germany

Fon: +49 711 7 82 95 55-0
Fax: +49 711 7 80 13 76
utb(at)utb-stuttgart.de

Impressum
Datenschutzhinweise
Widerrufsbelehrung

Pfeil nach links Zurück zur Website

utb-Homepage

Zum UTB-Online-Shop

Vom Uni-Taschenbuch bis zur e-Learning-Umgebung: Das komplette utb-Angebot für Studierende, Dozenten, Bibliotheken und Buchhandel.

[Zur utb-Homepage]

utb-Online-Shop

Zum UTB-Online-Shop

Ob gedrucktes Buch oder digitale Ausgabe – im utb-Shop finden Sie alle utb-Titel übersichtlich sortiert.

[Zum utb-Shop]

utb bei Facebook

Zur UTB-Facebook-Seite

Gefällt mir! Die Facebook Seite von utb informiert Sie über unsere Aktivitäten. 

 [zur Facebook-Seite von utb]

utb auf Twitter

UTB-Tweed bei Twitter

Aktuelles für Studierende und Dozenten – hier melden wir, was es in der Hochschulwelt Neues gibt.

[Zum utb-Twitter-Tweed]

Eine Übersicht der Websites zu einzelnen utb-Titeln finden Sie auf der Links-Seite.

 

Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt