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Regina Egetenmeyer

Internationale und vergleichende Erwachsenenbildungsforschung

Die Begriffskombination i. und v.E. zeigt das Bedingungsverhältnis der beiden Forschungsansätze. Während internationale Ansätze sich auf die Situation in anderen Ländern oder auf transnationale Fragestellungen richten, ist bei vergleichenden, d.h. komparativen Ansätzen die Gegenüberstellung von Einzelaspekten notwendig. Eine genaue Trennung der beiden Ansätze in der Forschungspraxis ist aufgrund von komplexen Fragestellungen und unter Beachtung der Forschungskontexte oft nicht möglich. So werden Forschungsansätze, die ausschließlich i. oder v. arbeiten, nicht ausgeschlossen.

Seit Beginn des 20. Jh. entwickelt sich in der Praxis der EB verstärkt Aufmerksamkeit für Modelle aus anderen Ländern. Eine besondere Bedeutung kam der dänischen Heimvolkshochschule und der englischen Universitätsausdehnungsbewegung zu. Neue Impulse erhielt der Vergleich in der EB nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen der → Reeducation. Wissenschaftlich-analytische Vergleiche finden sich weltweit vor allem seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Forschungsabsichten liegen oft in den Problemlagen und Reformabsichten des eigenen Landes begründet („educational borrowing“). Darüberhinaus intendieren Studien die Darstellung präziser Einschätzungen zur Situation und kulturellen Prägung der EB des eigenen Landes. So wird zwischen „problem approach“ und „topic approach“ auf den Untersuchungsgegenstand unterschieden. Durch die Bemühungen um die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Bildungsraums seit Mitte der 1990er Jahre sind verstärkt Best-Practice-Modelle sowie statistisch-vergleichbare Daten im Bildungsbereich gefragt.

Die i. und v.E. unterscheidet sechs Forschungstypen:

  • Länderstudien, die die Situation in einem Staat beschreiben,

  • Programmstudien, die ein Programm, eine Institution oder eine Organisation darstellen,

  • Juxtapositionen, welche Daten verschiedener Länder nebeneinanderstellen,

  • Vergleiche, die Ähnlichkeiten und Unterschiede herausarbeiten,

  • Feld- und Methodenreflexionen,

  • Berichte aus transnationalen Organisationen, wie z.B. der EU, UNESCO, OECD oder Weltbank.

Forschungsmethodisch wird, unter kritischer Überprüfung der Übertragbarkeit, auf die Arbeiten der vergleichenden Erziehungswissenschaft zurückgegriffen. Vergleichende Studien beschäftigen sich idealtypisch mit dem Vergleich von einem oder mehreren Aspekten der EB in mindestens zwei Regionen, Ländern oder Organisationen. Ziel ist es, Ähnlichkeiten und Unterschiede zu analysieren und zu erklären. Der Vergleich wird anhand eines tertium comparationis durchgeführt. Dieses bildet zumeist das Raster, mithilfe dessen Daten erhoben und/oder verglichen werden.

Die Publikation von Erfahrungen und gemeinsamen Problemsichten hat sich die International Society for Adult and Continuing Education zur Aufgabe gemacht. Auf europäischer Ebene findet sich die → European Society for Research on the Education of Adults, die den internationalen und vergleichenden Forschungsaustausch fördert.

Gekennzeichnet ist die i. und v.E. durch vielfältige methodische Schwierigkeiten, z.B. Zugang zu Daten und mangelnde Sprachkenntnisse. Aufgrund des aufwendigen Forschungszugangs werden Studien überwiegend von (internationalen) Organisationen oder Forschungsverbünden durchgeführt. I. und v.E. hat ein starkes Übergewicht an qualitativen Studien. Beispiele stellen die Länderporträts zur EB der → European Research and Development Institutes for Adult Education dar. Durch Initiativen und Mittelbereitstellung internationaler Organisationen werden seit einigen Jahren verschiedene, vergleichend-quantitative Studien entwickelt und durchgeführt, z.B. Adult Education Survey (EU), Programme for the International Assessment of Adult Competencies (OECD).

Literatur

  • Knoll, J.: Stand der Vergleichenden Forschung in der Erwachsenenbildung. Von der systemischen Juxtaposition zum problem-/gegenstandsorientierten Vergleich? In: Bildung und Erziehung, H. 3, 1997

  • Reischmann, J.: Internationale und vergleichende Erwachsenenbildung: Beginn einer Konsolidierung. In: Faulstich, P./Wiesner, G./Wittpoth, J. (Hrsg.): Internationalität der Erwachsenenbildung. Analysen, Erfahrungen und Perspektiven. Bielefeld 2000

  • Waterkamp, D.: Vergleichende Erziehungswissenschaft. Ein Lehrbuch. Münster u.a. 2006

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt