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Andreas Wittrahm

Katholische Erwachsenenbildung

K.EB bezeichnet das von der katholischen Kirche legitimierte und getragene sowie öffentlich verantwortete „Lernen von Erwachsenen an eigens dafür bereitgestellten Orten mit entsprechend fachlicher und pädagogischer Begleitung“ (Blasberg-Kuhnke 1992) und versteht sich als Bestandteil der „vierten Säule“ des Bildungswesens in Deutschland. Wichtigste → Träger sind die (Erz-)Bistümer (über Bischöfliche Beauftragte für EB und in diözesanen, regionalen und gemeindlichen Bildungswerken), Verbände sowie Institutionen (etwa katholische Akademien, Familienbildungsstätten u.a.), zusammengeschlossen in der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (KBE). Die berufliche Fort- und Weiterbildung findet ihren Ort insb. in den Caritas-Akademien.

Die k.EB versteht sich als bedeutsamer Teil des Dienstes der Kirche an Kultur und → Gesellschaft („kulturelle Diakonie“). Sie lässt sich von einem Bildungsverständnis leiten, das Menschen in der Subjekt-Werdung durch Selbstreflexion und Selbstbestimmung unterstützt und zugleich die Bedeutung der Persönlichkeitsentwicklung in Bezogenheit und Solidarität betont. Insofern leistet k.EB eine offene, wertgebundene und optionengeleitete Bildungsarbeit, die

  • im Bereich der → Allgemeinbildung das Ziel verfolgt, Menschen zur kritischen Stellungnahme, zur reflektierten Entscheidung und Lebensgestaltung angesichts eines kulturellen → Pluralismus anzuregen bzw. zu befähigen,

  • als Träger von → Fortbildung und WB neben der Vermittlung von Fähigkeiten und Fertigkeiten eine kritische Einordnung des Erlernten in den biographischen und den soziokulturellen Kontext betont,

  • im Bereich der theologischen EB Menschen instand setzt, ihren Glauben vor sich und anderen zu verantworten und so die kirchliche Gesprächsfähigkeit (intern und bezogen auf Kultur und Gesellschaft) institutionell absichert.

Die genannten Zielsetzungen implizieren zusammen mit der theologisch-anthropologischen Grundüberzeugung von der Geistbegabung jedes Menschen eine Bevorzugung intersubjektiver und dialogischer Arbeitsformen.

Aktuell haben die Bildungsinstitutionen vieler Bistümer Leitbildprozesse abgeschlossen und teilweise auch evaluiert (Blasberg-Kuhnke/Ostermann 2004). Neben einer Betonung der Bildungsansprüche marginalisierter gesellschaftlicher Gruppen, für die k.EB stets eintritt, betonen alle diese Leitbilder, dass k.EB angesichts der zunehmenden Individualisierung und Brüchigkeit von Lebensläufen und Lebensformen ihre klassischen Vermittlungsformen durch beratende und begleitende Ansätze ergänzen sollte sowie (räumlich) festgelegte Institutionen verlässt, um über die Mitwirkung in neuen sozialen Bewegungen Kontakte zu gewandelten Formen der Persönlichkeitsentwicklung durch gesellschaftliches Engagement zu gewinnen. Unter dem Aspekt der „Kirchlichkeit“ der k.EB ist zu verhandeln, ob sich über verbindliche Lehr-/Lerngemeinschaften neue Formen christlicher Gemeinden jenseits der herkömmlichen Pfarrei bilden können. Die genannten Intentionen und Diskussionslinien schlagen sich beispielhaft in Projekten nieder, mit denen k.EB künftigen Herausforderungen begegnen will.

Das diakonische und gemeindebildende Interesse nebst der Integration neuer Lehr- und Lernformen prägt insb. die Bildungskonzepte zu „Bildung lebenslang“ (KBE 2003), die neuartige teilnehmerorientierte Ansätze für Bildung im dritten und vierten Lebensalter dokumentieren, konzipieren und begründen. Gleiches gilt von einer Initiative zur Förderung selbstorganisierten Lernens ( → Selbstorganisation) in bildungsungewohnten Gruppen. Dem Auftrag zur gesellschaftlichen Diakonie stellt sich die k.EB in besonderer Weise durch das große Projekt der Einrichtung der Lernplattform „Treffpunkt Ethik“, die die dringend zu führenden gesellschaftlichen Diskurse um Gerechtigkeit und Machbarkeit mit dem neuen Medium einer Lernplattform ( → E-Learning) verknüpft.

Literatur

  • Bergold, R.: Unterbrechende Ethik: ein neues religionspädagogisches Konzept für ethische Bildungsarbeit mit Erwachsenen. Frankfurt a.M. 2005

  • Blasberg-Kuhnke, M.: Erwachsene glauben. Voraussetzungen und Bedingungen des Glaubens und Glaubenlernens Erwachsener im Horizont globaler Krisen. St. Ottilien 1992

  • Englert, R.: Religiöse Erwachsenenbildung. Situation, Probleme, Handlungsorientierung. Stuttgart 1992

  • Blasberg-Kuhnke, M./Ostermann, G.: Zwischen Anspruch und Alltag. Katholische Erwachsenenbildung in Niedersachsen im Spiegel ihres Leitbildes. Münster 2004

  • Erwachsenenbildung: Erwachsenenbildung als kulturelle und gesellschaftliche Diakonie. H. 4, 1997

  • KBE (Hrsg): Bildunglebenslang. Leitlinien einer Bildung im dritten und vierten Alter. Bonn 2003

  • Uphoff, B.: Kirchliche Erwachsenenbildung. Befreiung und Mündigkeit im Spannungsfeld von Kirche und Welt. Stuttgart 1991

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt