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Richard Stang

Kulturelle Bildung

K.B. ist integratives Element von → Allgemeinbildung und hat unter anderem die Aufgabe, Menschen in ihrer Persönlichkeitsbildung zu unterstützen sowie deren soziale, kommunikative und kreative Fähigkeiten zu stärken. Die Grundlage von k.B. bildet die allgemeine Kulturpädagogik, zu deren Wurzeln u.a. Schillers ästhetisch-politisch-pädagogische Reflexionen in seinen „Briefen zur ästhetischen Erziehung“ gehören (Fuchs 1994). Neben der Pädagogik sind vor allem Kunst und Ästhetik die Bezugsdisziplinen. Die Förderung kultureller und ästhetischer Bildungsprozesse steht im Mittelpunkt der k.B., wobei dem kommunikativen Aspekt eine wichtige Rolle zukommt. Zentrale Aufgaben sind:

  • die Förderung gestalterischer, kreativer Fähigkeiten,

  • die Sensibilisierung für die verschiedenen Formen künstlerischen Ausdrucks,

  • die Erweiterung von kulturellen und kommunikativen Kompetenzen, u.a. der Medienkompetenz,

  • die Sensibilisierung für soziokulturelle und interkulturelle Lebenszusammenhänge ( → interkulturelle Bildung).

Vielfalt ist eines der prägendsten Kennzeichen der k.B. Sie hat unterschiedliche Methoden und Zugänge: zum einen spezifische künstlerisch-ästhetische Arbeitsformen in unterschiedlichen kulturellen Bereichen wie Bildende Kunst, Musik, Theater, Literatur, Medien usw., zum anderen die reflektierende Auseinandersetzung mit Arbeiten von Künstler/inne/n und kulturellen Angeboten. Diese werden sowohl im Rahmen von Kursen als auch von Projekten, Werkstätten, offenen Ateliers usw. realisiert.

In diesen Kontexten ermöglicht k.B. offene Lernprozesse, d.h. dass diese nicht immer auf ein genau definiertes Ziel hin verlaufen, sondern auf Selbstbildungsprozesse in der Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur oder dem eigenen kreativen Gestalten bauen. Experiment, Improvisation und Assoziation sind hier wichtige Dimensionen. Den Kursleitenden, bzw. Dozent/inn/en kommt eine besondere Rolle bei der Initiierung und Begleitung solcher Prozesse zu. Eine wichtige Grundlage ist dabei, die Vielfalt von individuellen Wahrnehmungs- und Ausdrucksformen der Teilnehmenden zu akzeptieren und diese als kreatives Potenzial zu fördern.

K.B. wird von einer Vielzahl von Institutionen angeboten (u.a. Weiterbildungseinrichtungen, Kunst- und Musikschulen, Museen, konfessionelle Anbieter). Die Vielfalt der Angebote der k.B. zeigen u.a. die „Konzeption Kulturelle Bildung III“ (Deutscher Kulturrat 2005), sowie Untersuchungen zur Struktur der k.B. (Gieseke u.a. 2005).

In der Praxis der k.B. gab es bei vielen Weiterbildungseinrichtungen lange eine Trennung bei den Angeboten zwischen der theoretisch-reflektierenden Auseinandersetzung mit Kunst und dem künstlerisch-kreativen Gestalten. Inzwischen sind die Angebote z.B. bei den Volkshochschulen, einem der größten Anbieter in der k.B., wieder unter dem Begriffspaar „Kultur – Gestalten“ zusammengefasst.

In einer integrativ verstandenen, ganzheitlichen, ästhetisch-kulturellen Bildung ist die Dimension der → Kreativität zentral. Als wichtige Schlüsselkompetenz wird sie vor allem in den Angeboten der k.B. gefördert. Doch auch in die berufliche Bildung und politische Bildung haben Methoden der k.B. Einzug gehalten. Deutlich wird das wechselseitige Verhältnis zur politischen Bildung auch in der soziokulturellen Bildungsarbeit (z.B. als stadtteilorientierte Kulturarbeit), die sich auch als → politische Bildung versteht.

Vor dem Hintergrund der sich verschlechternden finanziellen Rahmenbedingungen für die WB gerät die k.B. immer wieder unter Legitimationsdruck. Es erweist sich in diesem Zusammenhang als Problem, dass ihre Ergebnisse nicht eindeutig messbar sind und ihre Angebote oft als reine Freizeitangebote (Freizeitpädagogik) abqualifiziert werden. Doch ästhetische und kulturelle Qualitäten lassen sich eben nicht messen. Es lassen sich höchstens für die Rahmenbedingungen von k.B. Qualitätskriterien festhalten (Einrichtungs-, Programm- u. Durchführungsqualität). Wie in kaum einem anderen Bildungsbereich, bestimmen die Teilnehmenden letztendlich selbst den Gebrauchswert und damit die Qualität von k.B.

In Anbetracht der gesellschaftlichen Veränderungsprozesse und der zunehmenden Komplexität der Lebenswelten ist die Förderung kreativer Selbstbildungsprozesse, wie sie die k.B. initiiert, eine der zentralen Aufgaben von EB insgesamt. In diesem Sinne stellen die Methoden und Zugänge der k.B. ein Modell für die anderen Bildungsbereiche dar.

Literatur

  • Deutscher Kulturrat (Hrsg.): Kulturelle Bildung in der Bildungsreform. Konzeption Kulturelle Bildung III. Berlin 2005

  • Fuchs, M.: Kultur Lernen. Eine Einführung in die Allgemeine Kulturpädagogik. Remscheid 1994

  • Gieseke, W. u.a.: Kulturelle Erwachsenenbildung in Deutschland. Münster 2005

  • Stang, R. u.a.: Kulturelle Bildung. Bielefeld 2003

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt