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Peter Faulstich

Länderstudien zur Weiterbildung in den Bundesländern

In den 1980er Jahren hat die gewachsene Diskrepanz zwischen Postulat und Realität in der WB eine Legitimationslücke für die politischen Akteure erzeugt. In diesem Zusammenhang entstand zunächst auf der Ebene der Bundesländer der Wunsch nach wissenschaftlicher Beratung. Entsprechende L. zur WB wurden erstellt für Baden-Württemberg (1984), Hessen (1991, 2005), Schleswig-Holstein (1995), Bremen (1995) und Nordrhein-Westfalen (1997). Zusätzlich wurden von den Landesbehörden in Rheinland-Pfalz (1995) und Hamburg (1995) Bestandsaufnahmen vorgelegt und für Niedersachsen die Diskussion um die Novellierung des Erwachsenenbildungsgesetzes dokumentiert (1995).

Der Hintergrund der verschiedenen Gutachten spiegelt einen Wechsel des Politikmodells. Während in den 1960er und 1970er Jahren die Vorstellung herrschte, dass der Staat den Weiterbildungsbereich durch indirekte Gestaltung zum einen mittels Einrichtung von Kooperationsgremien und zum anderen mittels Festlegung einer „kommunalen Pflichtaufgabe“ zur Sicherstellung einer „Grundversorgung“ an Weiterbildungsangeboten strukturiert, findet sich eine deutlich andere Umgangsform mit Weiterbildungsentwicklung und mit Wissenschaft im Bericht der Kommission Weiterbildung, erstellt im Auftrag der Landesregierung von Baden-Württemberg 1984. Akzente des Berichts sind die Funktionalität und das Innovationspotenzial von WB, bezogen auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Perspektiven.

In weiteren Gutachten für Hessen, Schleswig-Holstein und Bremen (Faulstich/Gnahs 2005, Faulstich/Teichler 1996; Strukturkommission 1995) wurde versucht, die Expertenrolle in eine Moderatorenfunktion umzuwandeln. Durch die Einrichtung von Strukturkommissionen, die sich auch aus Vertretern von → Trägern der EB zusammensetzten, war eine Abstimmung von Berichterstellung und Stellungnahmen beabsichtigt. Es wurde ein Prozess der Konsensfindung durch die Einrichtung von Beiratsgremien angestrengt. Damit wurde weit über die offiziellen Positionsbestimmungen hinaus eine breite Diskussion über die Perspektiven der WB angeregt. Allerdings wurde auch ein „Revierverhalten“ in der Weiterbildungslandschaft deutlich, das zu Abwehrbewegungen gegenüber Reformvorschlägen führt. Dies ist der Kontext für das Gutachten zur „Evaluation der Weiterbildung“ in Nordrhein-Westfalen, für das eine Gruppe von fünf Sachverständigen (Professoren) aus externer Sicht eine Evaluation der Weiterbildungslandschaft auf dem Wege eines Peer-Review-Verfahrens durchführte (Gieseke u.a. 1997).

In den verschiedenen Gutachten und Studien werden ähnliche Zugänge zu den Problemen in der EB beschritten:

  • Untersucht wird, wie das zerklüftete Institutionenspektrum durch Koordination und Kooperation einen höheren Grad an Systematik, Stabilität und Transparenz erhalten kann.

  • Überlegt wird, wie bestehende Angebotslücken in Bezug auf Adressaten und Inhalte geschlossen werden können.

  • Gefragt wird, wie eine Integration der durch überholte juristische, finanzielle und curriculare Spaltung gekennzeichneten Bereiche der „allgemeinen“ und „beruflichen“ WB erfolgen kann.

  • Entwickelt werden Ansätze, um durch Zertifikate die Anerkennung und Verwertung von WB zu verbessern.

  • Problematisiert wird, welche Finanzierungsinstrumente angesichts der Ressourcendefizite angezogen werden können.

  • Gesucht wird nach institutionellen Strukturen, um die weitgehend akzeptierten Funktionen von Information, → Beratung und Qualitätssicherung (Supportstrukturen) zu realisieren.

Lösungsvorschläge sind gekennzeichnet durch eine „mittlere Reichweite“. Sie beziehen sich auf wenige zentrale Instrumente, welche defizitäre Konsequenzen der gemischtwirtschaftlichen Regulation, also Marktversagen und Staatsversagen, kompensieren sollen.

Literatur

  • Faulstich, P./Gnahs, D.: Weiterbildungsbericht Hessen. Frankfurt a.M. 2005

  • Faulstich, P./Teichler, U./Döring, O.: Bestand und Entwicklungsrichtungen der Weiterbildung in Schleswig-Holstein. Weinheim 1996

  • Gieseke, W. u.a.: Evaluation der Weiterbildung. Soest 1997

  • Kommission Weiterbildung (im Auftrag der Landesregierung Baden-Württemberg): Weiterbildung – Herausforderung und Chance. Stuttgart 1984

  • Nuissl, E./Schlutz, E. (Hrsg.): Systemevaluation und Politikberatung. Gutachten und Analysen zum Weiterbildungssystem. Bielefeld 2001

  • Strukturkommission Weiterbildung des Senats der Freien und Hansestadt Bremen: Bremer Bericht zur Weiterbildung. Bremen 1995

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt