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Christine Zeuner

Arbeitsgemeinschaft

Die A. bezeichnet ein didaktisches Prinzip der Bildungsarbeit, das Ende des 19. Jh. zunächst in der Lehrerbildung und in der Arbeitsschule erprobt wurde. Nachdem in der Weimarer Republik die Volksbildung in den Verfassungsrang erhoben wurde und einen entsprechenden Bedeutungszuwachs und institutionellen Ausbau erfuhr, wurde die A. als eine wichtige Lern- und Arbeitsmethode in der Volksbildung und der politischen → Jugendbildung diskutiert und angewandt (Mann 1932). Gleichzeitig erfuhr der Begriff A. nach den revolutionären Ereignissen 1918/19 eine gesellschaftspolitische Erweiterung. Er bedeutete den Zusammenschluss politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Gruppen mit dem Ziel der Durchsetzung gemeinsamer Interessen (z.B. die „Zentralarbeitsgemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer“ von 1919 bis 1924).

Die A., wie sie von Volksbildnern der Weimarer Zeit, vor allem den Vertretern der „Neuen Richtung“ diskutiert und als → Methode erprobt wurde, folgte didaktischen Grundsätzen, die als Kontrast zu bis dahin vorherrschenden Lern- und vor allem Lehrformen der Volksbildung verstanden wurden. Als Arbeitsform wurde sie vorwiegend in → Volkshochschulen und Heimvolkshochschulen eingesetzt.

Neben den pädagogischen Implikationen galt die A. als ein Instrument, das den Demokratisierungsprozess in Deutschland unterstützen und Elemente einer neuen politischen Kultur entwickeln sollte. Die Übung des demokratischen Umgangs miteinander und die Übernahme von „Selbstverantwortung“ beschränkten sich nicht nur auf den Lernprozess; politische Mündigkeit und Emanzipation des Einzelnen sowie die Überwindung politischer, wirtschaftlicher und sozialer Gegensätze waren weitere inhaltliche Zielsetzungen der A.

Als Prinzipien der A. können nach heutiger Terminologie auf der Seite der Teilnehmenden → Teilnehmerorientierung, Persönlichkeitsbildung und die aktive Teilnahme aller gelten; zudem entspricht sie der Idee des langfristigen Lernens. Auf der Seite der Lehrenden ist von einem veränderten Rollenverständnis auszugehen. Als „Gleiche unter Gleichen“ sollen Lehrende und Lernende in einen Austausch treten, der zum Miteinander-Lernen führt. Bevorzugte Unterrichtsform ist das Gespräch, das durch Referate, Thesen oder einen „vordenkenden Vortrag“ eingeleitet wird. In Ablehnung der von der verbreitenden Volksbildung bevorzugten Methode der Vorlesungen soll die A. Zusammenhänge herstellen, den Teilnehmenden nicht „Wissen“ vermitteln, sondern „Erkenntnisse“. Unabhängiges Denken, Urteils- und Kritikfähigkeit sollen entwickelt und die Bildung der Persönlichkeit unterstützt werden. Die verwandten Methoden regen die Lernenden an, ihren Lernprozess nicht nur in Bezug auf Lernstrategien und -methoden, sondern auch in Bezug auf die Inhalte eigenverantwortlich zu gestalten.

Hauptzielgruppe der A. war die Arbeiterschaft. Sie sollte Bildungs- und Wissensdefizite überwinden und demokratische Verhaltensformen einüben, die eine Beteiligung an gesellschaftlicher Verantwortung erleichtern würden. Diese von den Vertretern der „Neuen Richtung“ gesetzten Ziele entsprachen nicht den Ansätzen der sozialistischen → Arbeiterbildung. Ihre Vertreter kritisierten das von der „Neuen Richtung“ geforderte Prinzip der politischen „Neutralität“ ebenso wie die Vorstellung der Integration der Arbeiterschaft in die bestehende Gesellschaft. Sie setzten sich für die Schaffung einer neuen, sozialistischen Gesellschaft ein, deren Träger die Arbeiterschaft sein sollte.

Wie weit die A. ihre impliziten politischen Zielsetzungen tatsächlich verwirklichen konnte, ist nicht unmittelbar belegt. Relevant ist jedoch, dass mit der A. eine Methode entwickelt und erprobt wurde, die Ansätze emanzipatorischer EB in sich trägt, deren Ideen erst in den 1960er und 1970er Jahren wieder diskutiert wurden.

Literatur

  • Mann, A.: Arbeitsgemeinschaft. In: Becker, H. (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Volksbildungswesens. Breslau 1932

  • Wunsch, A.: Die Idee der „Arbeitsgemeinschaft“. Eine Untersuchung zur Erwachsenenbildung in der Weimarer Republik. Frankfurt a.M. 1986

  • Zeuner, C.: Die Arbeitsgemeinschaft als historischer Vorläufer einer „Erwachsenendidaktik der Selbstorganisation“. In: Beiheft zum Report: Selbstorganisiertes Lernen als Problem der Erwachsenenbildung. Frankfurt a.M. 1998

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt