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Peter Dehnbostel

Lernen am Arbeitsplatz

L.a.A. ist die älteste und verbreitetste Form der beruflichen Qualifizierung. Es ist ein Lernen, das sich auf den jeweiligen Gegenstand der Arbeit bezieht und das in der Arbeit und über Arbeit erfolgt. L.a.A. ist mit einer Vielfalt von Verständnissen verbunden, die in Begriffen wie „arbeitsprozessbezogenes Lernen“, „arbeitsintegriertes Lernen“, „arbeitsplatznahes Lernen“ bzw. „arbeitplatznahe WB“ und „Lernen im Prozess der Arbeit“ zum Ausdruck kommen. L.a.A. ist ein arbeitsplatzgebundenes Lernen, bei dem Lernort und Arbeitsort identisch sind. Es beschreibt mithin den örtlich und aufgabenspezifisch festgelegten Bereich des Lernens, didaktisch-methodisch steht er für die Verbindung von Lernen und Arbeit.

L.a.A. wird historisch durch das Imitatio-Prinzip verkörpert, das zu Zeiten zünftlerischer Berufsbildung am stärksten zur Geltung kam. Gelernt wurde durch Zusehen, Nachmachen, Mitmachen, Helfen, Probieren und Simulieren. Unter erwachsenenpädagogischen und berufsqualifizierenden Gesichtspunkten wird L.a.A. erstmals mit der Entwicklung des Bildungswesens im 18. Jh. und dann systematisch im Verlauf der Industrialisierung betrachtet. Seit dem Aufkommen neuer Arbeits- und Organisationskonzepte in den 1980er Jahren befindet sich das L.a.A. einem grundlegenden Wandel, der Ziele, Inhalte, Formen und Methoden des Lernens gleichermaßen erfasst. L.a.A. wird als ein selbstgesteuertes, prozessorientiertes und → lebenslanges Lernen verstanden, das wesentlich zur Entwicklung der Persönlichkeit und Beruflichkeit beiträgt und Employability sowie Innovationen fördert. Es ist mit einer Aufwertung des Erfahrungslernens verbunden und zielt zunehmend auf die Synthese von formellem und → informellem Lernen.

Entgrenzung und Pluralität von Lerninhalten und Organisationsformen in betrieblichen Arbeitsumgebungen lassen die Bedeutung des L.a.A. wachsen, bei dem es nicht mehr allein um den Erhalt oder die Erweiterung von Fertigkeiten, Kenntnissen und Qualifikationen geht, sondern darüber hinaus um den Erwerb einer umfassenden beruflichen Handlungskompetenz. L.a.A. erweist sich methodisch und konzeptionell zunehmend als Teil einer Kompetenzentwicklung, die gleichermaßen die Fach-, Sozial- und Personalkompetenz stärkt und neue Möglichkeiten für die berufliche WB bietet.

Es bestehen keine theoretisch abgesicherten und anerkannten Lernkonzepte für das L.a.A., auch wenn dazu wichtige Ansätze wie das situative Lernen und das gestaltungsorientierte Lernen vorliegen. In der Praxis der betrieblichen WB ist das L.a.A. wesentlich durch neue Lernformen in der Arbeit, wie → Lernstatt, → Coaching und Arbeits- und Lernaufgaben, weiter entwickelt worden. Im Arbeitsprozess wird ein bewusster Rahmen geschaffen, der das → Lernen fordert und fördert. Kennzeichnend für diese Arbeiten und Lernen verbindenden Lernformen ist eine doppelte Infrastruktur, die als Arbeitsinfrastruktur im Hinblick auf Arbeitsaufgaben, Technik, Arbeitsorganisation und Qualifikationsanforderungen der jeweiligen Arbeitsumgebung entspricht und als Lerninfrastruktur zusätzliche räumliche, zeitliche, sachliche und personelle Ressourcen bereitstellt.

Eine wichtige Aufgabe der Weiterbildungsforschung besteht darin, das Lernen in der Arbeit zu analysieren und in Beziehung zur Kompetenzentwicklung zu setzen. Die Analyse, Bewertung, Anerkennung und Zertifizierung von in Arbeitsprozessen erworbenen Kompetenzen ist eine grundlegende Forschungs- und Entwicklungsaufgabe. Hier geht es sowohl um die Anerkennung und Anrechnung der Kompetenzentwicklung auf berufliche Entwicklungs- und Aufstiegwege als auch um die Anbindung an das Bildungssystem insgesamt. Diese Aufgabe stellt sich umso dringlicher, als eine umfassende berufliche Handlungskompetenz kaum aus betriebswirtschaftlichen Kalkülen oder anderen arbeitsimmanenten Gründen angestrebt wird, sondern allenfalls dann erreichbar ist, wenn das Lernen in der Arbeit gezielt mit der EB und Weiterbildungsabschlüssen verbunden wird. Nach wie vor ist das L.a.A. – selbst bei ganzheitlichen Arbeitsaufgaben – in starkem Maße von einzelbetrieblichen Möglichkeiten, von Zufälligkeit und Beliebigkeit geprägt.

Literatur

  • Dehnbostel, P.: Lernen im Prozess der Arbeit. Münster u.a. 2007

  • Frieling, E./Schäfer, E./Fölsch, T.: Konzepte zur Kompetenzentwicklung und zum Lernen im Prozess der Arbeit. Münster u.a. 2007

  • Sonntag, K./Stegmaier, R. (2007): Arbeitsorientiertes Lernen. Zur Psychologie der Integration von Lernen und Arbeit. Stuttgart 2007

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt