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Sibylle Peters

Lernstatt und Wissensgemeinschaften

Die L. ist ein aus „Lernen“ und „Werkstatt“ gebildetes Kunstwort, sie steht im Zusammenhang von Gruppenarbeit in der aktuellen industriesoziologischen, arbeits-wissenschaftlichen und betriebspädagogischen Diskussion, der Umgestaltung und Verbesserung der Arbeitsorganisation sowie der Gestaltung eines „lernenden Unternehmens“. Formen der L. sind im Allgemeinen Gruppenarbeitskonzepten zuzuordnen und beschäftigen sich prinzipiell mit der Gestaltung von Lernprozessen in dezentralen betrieblichen Organisationseinheiten im Kontext von Mitarbeiter- und Unternehmens-entwicklungen. L.konzepte setzen die betrieblichen Erfahrungen ihrer Teilnehmenden als Ausgangs- und Zielpunkt von Qualifizierungsinhalten fest. Die L. lässt sich als Plattform für den innerbetrieblichen informellen Erfahrungs- und Wissensaustausch auffassen.

Da traditionelle Formen von Gruppenarbeitskonzepten an ihre Grenzen zu stoßen scheinen, werden Räume und Plattformen für den Wissensaustausch entwickelt und erprobt, bei denen Hierarchiegrenzen und formale Organisationsstrukturen überwunden werden sollen. Die Idee des L.konzepts stellt somit den Beginn einer Entwicklung dar, welche soziale bzw. situative Lernprozesse und den Partizipationsgedanken zur Wissensteilung von Gruppen, Organisationseinheiten und innerhalb von Projekten in den Vordergrund rückt, jedoch gegenwärtig eher unter dem Begriff der W. bzw. sog. „communities of practice“ diskutiert wird.

Soziale Lernformen basieren auf dem Gedanken, dass Lernen als ein selbstorganisierter und selbststeuernder Prozess von → Gruppen aufgefasst werden kann, welcher zwar nicht von außen direkt gesteuert, jedoch durch Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen gefördert werden kann.

Der Einfluss von W. als Inspirations-, Austausch- und Lernort greift innerhalb der praktischen Realität von Organisationen immer mehr. So stellt der informative Austausch hinsichtlich fachspezifischer Themen eine Alternative zu traditionellen Lernformen oder etablierten Weiterbildungsangeboten dar. W. sind als freiwillige und selbstorganisierte Personengruppen aufzufassen, die über einen längeren Zeitraum bestehen und das Interesse haben, zu einem spezifischen Themenbereich gemeinsam Wissen zu kommunizieren und aufzubauen. Somit entstehen durch eine gegenseitige Partizipation Erfahrungs-, Kommunikations- und → Lernorte, die handlungs- und anwendungsorientiert Informationen aufnehmen und in Wissen transformieren.

W. zeichnen sich durch drei Dimensionen aus: Es besteht eine gemeinsam geteilte Zielsetzung, die von allen erkannt und kontinuierlich weiterentwickelt wird. Dadurch entsteht ein gegenseitiges Engagement, durch das die Mitglieder einer Gemeinschaft zu einem sozialen Gefüge zusammenwachsen. Gleichzeitig werden gemeinsam geteilte Ressourcen, etwa Vorgehensweise, Sprache, Stil, etc. in der Gemeinschaft entwickelt.

W. unterscheiden sich hinsichtlich der Art der Teilnahme. Diese reicht von der Kerngruppe, die Gemeinschaft durch persönliches Engagement vorantreibt, bis hin zu einer passiven Teilnahme von Personen, die nur Ergebnisse und Resultate einer W. nutzen. Während L.konzept und die später entwickelten Qualitätszirkel primär auf qualitäts- und motivationsfördernde Gruppenstrukturen abzielen, stellen W. eine organisationale Vernetzung der Mitarbeiter/innen untereinander dar, um die Wissensverteilung und Interaktion der Unternehmensakteure zu vergrößern.

Die L.ziele in den 1970er Jahren gingen ursprünglich von einem Bottom-up-Ansatz aus und dienten der Fortbildung zur Bewältigung betrieblicher Anforderungen und des (außer-)betrieblichen Alltags und der Vermittlung von Fach- und Umgangssprache für ausländische Arbeitnehmer/innen. Die Akteure, die in informellen W. anzutreffen sind, entstammen dagegen zunehmend hoch qualifizierten Arbeitstätigkeiten. W. ermöglichen die Entstehung von individuellen und organisationalen Nutzenpotenzialen. Auf individueller Seite können u.a. fachliche Fragen und Probleme in kurzer Zeit kompetent kommuniziert werden. Der Aktualität sich schnell wandelnden Wissens kann Rechnung getragen werden, dadurch wird das Wachstum von Kompetenzen und Expertenwissen, die professionelle Reputation und ein Gemeinschaftsgefühl gefördert.

Innerhalb der W. kann die Parallelität von Kommunikations- und Lernprozessen demzufolge als Schlüsselfunktion zur Zielereichung individueller Lern- und Entwicklungsprozesse und damit organisationaler Wertschöpfungsprozesse angesehen werden. So stellt beispielsweise die Methode des kommunizierenden Lernens eine Möglichkeit dar, durch Verbalisierung und Interaktion Wissen zwischen Mitarbeiter/inne/n mit unterschiedlichen Erfahrungskontexten zu transformieren. Durch Worst-Practice-Beispiele kann aus Fehlern, die vorgestellt und diskutiert werden, gelernt und es anderen ermöglicht werden, diese Fehler zu vermeiden und neue Lösungen durch Verarbeitung und Präsentation zu entwickeln. Die Lernergebnisse der W. tragen dazu bei, das Wissen praxisnah und dezentral in konkrete Handlungen und Entscheidungen umzusetzen und damit in konkrete Produkte und Dienstleistungen einfließen zu lassen.

Literatur

  • Baitsch, C.: Lernen im Prozess der Arbeit – Zum Stand der internationalen Forschung. In: Arbeitsgemeinschaft QUEM: Kompetenzentwicklung '98. Münster 1998

  • Lembke, G.: Wissenskooperation in Wissensgemeinschaften. Wiesbaden 2005

  • North, K./Romhardt, K./Probst, G.: Wissensgemeinschaften: In: ioManagement, H. 7/8, 2000

  • Peters, S. (Hrsg.): Lernen im Arbeitsprozess durch neue Qualifizierungs- und Beteiligungsstrategien. Opladen 1994

  • Peters, S./Dengler, S.: Wissenspromotion in der Hypertext-Organisation. In: Schnauffer, H.-G./Stieler-Lorenz, B./Peters, S. (Hrsg.): Wissen vernetzen. Berlin/Heidelberg/New York 2004

  • Wehner, T./Endres, E.: Zwischenbetriebliche Kooperation. Weinheim 1996

  • Wenger, E.: Communities of Practise. Cambridge 1998

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt