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Ulrike-Marie Krause & Robin Stark

Lernverhalten

Das L. bezeichnet das individuelle Herangehen an Lernaufgaben. Der Begriff kann sich auf einen habituellen → Lernstil oder auf das Verhalten in einer bestimmten Lernsituation beziehen. Das L. einer Person ist durch ihren Umgang mit dem Lernstoff und durch ihre Art der Selbstregulation gekennzeichnet.

Der Umgang mit dem Lernstoff kann oberflächen- oder tiefenorientiert erfolgen, sich also z.B. auf spezielle Formulierungen oder auf die Struktur und die Bedeutung von Lerninhalten konzentrieren. Die Tiefe der Verarbeitung ist u.a. abhängig von den gewählten Informationsverarbeitungsstrategien. In der pädagogischen Psychologie werden zumeist Wiederholungs-, Organisations- und Elaborationsstrategien unterschieden (Wild 2006). Wiederholung kann in reinem Auswendiglernen oder in verständnisorientiertem Üben bestehen. Organisationsstrategien dienen der Strukturierung des Lerninhalts anhand von Oberbegriffen, Graphiken o.ä. Elaboration ist eine bedeutungsbezogene Anreicherung des Lernstoffs, insb. die Verbindung mit Elementen des Vorwissens (z.B. durch die Suche nach Analogien oder Beispielen). Verstehen und Behalten werden v.a. durch ein L. gefördert, das eine tiefenorientierte Verarbeitung mit Wiederholung verbindet.

Auch hinsichtlich der Selbstregulation können verschiedene Strategien zum Einsatz kommen: Ressourcenstrategien, metakognitive, motivationale und emotionale Strategien. Ressourcenstrategien umfassen die Nutzung interner Ressourcen (Wissen, Anstrengung etc.) und externer Quellen (andere Personen, Bücher etc.) sowie das Zeitmanagement. Metakognitive Strategien beziehen sich auf die Planung, Überwachung und Regulation des eigenen Lernens: Im Idealfall planen Lernende ihr Vorgehen, überwachen ihr L. und modifizieren es wenn nötig. Motivationale und emotionale Strategien dienen der Regulation der eigenen Handlungsbereitschaft und des Gefühlshaushalts. Einfache Motivationsstrategien bestehen z.B. darin, Belohnungen in Aussicht zu stellen oder die Lernumgebung angenehm zu gestalten. Mithilfe emotionaler Strategien können (bis zu einem gewissen Grade) die eigenen Gefühle reguliert werden. Diesbezüglich wurde insb. untersucht, inwieweit Prüfungsangst reduziert werden kann. Hilfreich sind oftmals Entspannungstechniken, mentales Training oder kognitive Umstrukturierung (Neuinterpretation der Situation, eine Technik aus der kognitiven Verhaltenstherapie). Strategien der Selbstregulation sind besonders relevant für selbstgesteuertes Lernen. Hier liegt die Gestaltung des Lernens in der Verantwortung der Lernenden; häufig ist auch die Zielsetzung selbst gewählt. Hinsichtlich des L. ergeben sich beim selbstgesteuerten Lernen besondere Möglichkeiten und Probleme, u.a. die Möglichkeit der eigenständigen Zeiteinteilung und das gelegentlich damit einhergehende Problem des Aufschiebens (Prokrastination). Ein effektives L., bei dem solche Probleme vermieden werden, lässt sich trainieren, z.B. durch das Führen eines Lerntagebuchs (systematische Selbstbeobachtung und -kontrolle) und das Lernen in Gruppen (Austausch, Modelllernen, soziale Kontrolle). Entscheidend ist hierbei ein längerfristiges Üben; einmaliges Training hat im Allgemeinen wenig Erfolg (Mandl/Friedrich 2006). Die Forschung zum L. konzentrierte sich lange Zeit auf die Informationsverarbeitung beim Lesen von Texten. Zukünftige Studien sollten sich verstärkt mit emotionalen Strategien befassen, da diese in der Lehr-Lernforschung bisher eher zu kurz kamen. Verstärkte Aufmerksamkeit sollte angesichts der beruflichen Relevanz eigenständigen Denkens außerdem kreativen Aspekten des L. zuteil werden, z.B. der Entwicklung neuer Problemlösungen.

Literatur

  • Mandl, H./Friedrich, H.F. (Hrsg.): Handbuch Lernstrategien. Göttingen 2006

  • Wild, K.-P.: Lernstrategien und Lernstile. In: Rost, D.H. (Hrsg.): Handwörterbuch Pädagogische Psychologie. Weinheim 2006

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt