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Franz-Josef Jelich

Arbeit und Leben

Das Begriffspaar A.u.L. wählten → Volkshochschulen und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nach 1945 als Bezeichnung ihrer institutionalisierten Zusammenarbeit im Bereich der politischen Jugendbildung und EB. Mit ca. 400 regionalen und örtlichen Arbeitsgemeinschaften, Landesarbeitsgemeinschaften in den einzelnen Bundesländern (außer in Baden-Württemberg) sowie dem Bundesarbeitskreis als gemeinsamem Dach ist A.u.L. eine bundesweit flächendeckende Organisation.

Ausgehend von Niedersachsen, wo es 1948 zur Gründung der ersten Landesarbeitsgemeinschaft kam, war es aufgrund der Erfahrungen des Scheiterns der Weimarer Demokratie und der menschenverachtenden Willkür der nationalsozialistischen Diktatur das erklärte Ziel von A.u.L., mit → politischer Bildung den Demokratiegründungsprozess in der Bundesrepublik abzustützen. Nach den niedersächsischen „Grundsätzen zur Zusammenarbeit“ von 1948 bedeutete dies, dem Schüler seine Verbundenheit mit den Kräften des öffentlichen Lebens aufzuzeigen und in ihm das Gefühl mitbürgerlicher (sozialer) Verantwortlichkeit zu wecken (Pächer 1999). Die „bildungsbürgerliche“ Volkshochschule den Arbeiter/inne/n zu öffnen und die politisch-kulturellen Lagermentalitäten in der deutschen Nachkriegsgesellschaft zu überwinden, machte den überzeugenden Kern der Zusammenarbeit aus, dessen politische Bildungsangebote gegenwärtig einen Beitrag leisten wollen, „dass sich die Arbeit und das Leben der Menschen nach den Prämissen von sozialer Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Solidarität mit dem Ziel einer demokratischen Kultur der Partizipation entwickeln“ (Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben 1999). Charakteristisch für diesen Bildungsansatz ist, dass A.u.L. als erster Weiterbildungsträger den → Bildungsurlaub seit 1960 in die bildungspolitische Diskussion eingebracht hat und bis heute entschieden für die rechtlichen Voraussetzungen und ihre Realisierung in der Bildungswirklichkeit eintritt. Im deutsch-deutschen Vereinigungsprozess wurden seit 1990 auch in allen neuen Bundesländern Landesarbeitsgemeinschaften eingerichtet.

Die institutionelle Zusammenarbeit zwischen Volkshochschulen und DGB wird auf allen Ebenen paritätisch wahrgenommen, indem Volkshochschul- und Gewerkschaftsvertreter/innen gleichermaßen in den Vorständen vertreten sind. Die Kreis- und die örtlichen Arbeitsgemeinschaften sind in der Gestaltung ihrer Bildungsangebote autonom. Die Landesarbeitsgemeinschaften und der Bundesarbeitskreis (seit 1956) haben die gemeinsamen weiterbildungs- und förderungspolitischen Interessen ihrer Mitglieder auf den unterschiedlichen Ebenen (Land, Bund, EU) zu vertreten, internationale Bildungs- und Austauschprogramme anzubieten, den Austausch über pädagogische Fragen mit Arbeitsgruppen, Fachtagungen und Fortbildungen zu organisieren sowie Modellprojekte zu initiieren und durchzuführen. Über die bildungspolitischen Ziele, die pädagogischen Angebote und organisatorischen Strukturen beraten und entscheiden Mitgliederversammlungen, die auf der Landesebene von den regionalen und örtlichen Arbeitsgemeinschaften und auf der Bundesebene von den Landesarbeitsgemeinschaften beschickt werden.

Die Profilierung der inhaltlichen Arbeit wird gegenwärtig auf der Bundesebene durch die Arbeitsgruppen „Frauen“, „Internationale Arbeit“ sowie „Gender Mainstreaming“ geleistet. Insbesondere der Prozess politischer und wirtschaftlicher Integration in Europa mit seinen Problemen für Partizipation und Arbeitnehmer-Interessenvertretung in politisch-kulturell unterschiedlichst geprägten nationalen Strukturen stellt den traditionellen Schwerpunkt „Internationale Arbeit“ vor neue Herausforderungen, da über die Verknüpfung von sprachlichem und interkulturellem Lernen ( → interkulturelle Bildung) grenzüberschreitendes europäisches Politikbewusstsein angestrebt werden soll.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Gestaltung der politischen → Jugendbildung entsprechend den Zielsetzungen, wie sie in den Kinder- und Jugendplänen des Bundes entwickelt werden. In vier vom Bundesarbeitskreis koordinierten Fachgruppen zu den Gegenstandsbereichen Arbeit und Bildung; interkulturelle Bildung, Migration und Europa; Globalisierung, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit; Zivilcourage und Persönlichkeitsentwicklung für eine demokratische Gesellschaft werden didaktische Konzeptionen entwickelt, die, ausgehend von den alltags- und lebensweltlichen Erfahrungen Jugendlicher, Anstöße für ein gesellschaftliches Engagement geben sollen.

Da seit den 1970er Jahren politische WB weniger in ihren Strukturen gefördert wird, vielmehr auf der Bundes- und Landesebene gesellschaftliche Problemlagen als Ausgangspunkt für thematisch und zeitlich begrenzte Förderzusammenhänge dienen, hat A.u.L. zahlreiche Modellprojekte entwickelt. Vornehmlich, doch darin nicht aufgehend, zeichnen sich insb. drei Adressatengruppen in der Bildungsarbeit ab: bildungsbenachteiligte Jugendliche; Aussiedler/innen und Migrant/inn/en und ältere Arbeitnehmer/innen. Die Bildungsangebote wollen Wissen vermitteln, kritische Urteilsbildung fördern und so zur gesellschaftlichen Teilhabe und Mitwirkung anregen.

Literatur

  • Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben (Hrsg.): Berliner Papier. Bericht über die Tätigkeit des Bundesarbeitskreises Arbeit und Leben für die Geschäftsjahre 1997-1998. Düsseldorf 1999

  • Jelich, F.-J. u.a. (Hrsg.): Kritisches Bewusstsein und engagiertes Handeln. Zur Geschichte und Aktualität der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit und Leben Hessen. Essen 1995

  • Länge, T.W./Jelich, F.-J. (Hrsg.): Politische Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. 50 Jahre Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben. Recklinghausen 2006

  • Pächer, S.: Geschichte von Arbeit und Leben Nordrhein-Westfalen 1949-1999. In: Jelich, F.-J./Schneider, G. (Hrsg.): Orientieren und Gestalten in einer Welt der Umbrüche. Beiträge zur politischen und sozialen Bildung von Arbeit und Leben in Nordrhein-Westfalen. Essen 1999

  • URL: www.arbeitundleben.de

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt