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Hans-Joachim Müller

Moderation

M. bezeichet eine Methode der Leitung von Kommunikationsprozessen in → Gruppen durch einen Moderator. Als Kombination aus Visualisierungs- und Planungstechniken sowie Gruppendynamik zielt sie auf die Aktivierung und Nutzung des Leistungspotenzials von Gruppen. In Planungs-, Entscheidungs-, → Problemlösungs- und Lernprozessen erfüllt M. die Funktion, die Teilnehmerbeiträge (Themen, Fragen, Wissen, Erfahrungen, Stimmungen, Urteile usw.) zielgerichtet zu verarbeiten, d.h. themenbezogen zu sammeln, visualisiert zu dokumentieren, behutsam und transparent zu strukturieren und präsentationswirksam aufzubereiten. Dies geschieht auf einer konzeptionellen Ebene mit einem steuernden Instrumentarium aus Prinzipien und Regeln sowie auf einer operativen Ebene durch ein funktionelles Instrumentarium aus Materialien und Techniken.

Auf der konzeptionellen Ebene belässt die M. die zu bearbeitenden Probleme in der Zuständigkeit der → Teilnehmenden und bietet ihnen zur Problembearbeitung ein Selbststeuerungsinstrumentarium ( → Selbstorganisation) an. Statt passive Objekte zu sein, übernehmen sie selbst die Verantwortung für die Themenwahl und die Lösungsfindung und werden sich in direkter und offener Kommunikation über ihre vordringlichsten Probleme und bevorzugten Lösungsansätze klar. Vier Prinzipien konkretisieren diese Teilnehmerautonomie:

  • Transparenz: Den Teilnehmenden wird ein Überblick über den Verlauf und die wichtigsten Ergebnisse der Themenbearbeitung geboten. Dazu dienen Strategien der Visualisierung (schrittweiser Aufbau einer chronologischen Dokumentation), Strategien des Zugänglich-Machens der emotionalen Seite des Themas (z.B. Beziehungsebene einbeziehen) sowie Strategien der Strukturierung (z.B. ordnende Funktion des „Rads der M.“).

  • Aktivierung zur Beteiligung: Die Teilnehmenden können ihre eigenen Ideen, Erfahrungen und Erlebnisse einbringen. Sie übernehmen den überwiegenden Anteil der Aktivität sowie der inhaltlichen Verantwortung und bleiben dadurch die eigentlichen Experten ihres Lern- oder Problemlösungsprozesses. Sie werden von Betroffenen zu Beteiligten.

  • Wertschätzung: Teilnehmerautonomie erfordert eine Kultur des Miteinander-Umgehens in sozialer Gleichwertigkeit und gegenseitiger Wertschätzung. So werden innere Zensuren, Unsicherheiten und Versagensängste abgebaut und die Teilnehmenden ermutigt, die angebotenen Beteiligungsmöglichkeiten und Aktivierungsanlässe zu nutzen.

  • Formale Fragehaltung: Diese soll vor allem die Übernahme der Selbstverantwortung beim gemeinsamen Lernen und Arbeiten ermöglichen. Durch die Formulierung formaler Fragen bleibt der Moderator inhaltlich neutral, d.h. er initiiert und steuert die Prozesse eher subtil.

Entstanden ist die Moderationsmethode Anfang der 1970er Jahre beim Quickborner Beratungsteam aus dem Interesse der Wirtschaft an einer universellen und funktionsfähigen Problembearbeitungsstrategie, die allen Prozessbeteiligten fruchtbare und gleichberechtigte Formen der Zusammenarbeit und des Mitentscheidens bietet. Grundlagen waren u.a. wissenschaftliche Studien, die durch Feld- und Laborexperimente die oft verdeckt wirksamen Mechanismen menschlicher Kommunikation schrittweise entschlüsselten und damit Erkenntnisse darüber zur Verfügung stellten, unter welchen Bedingungen sich Menschen in Gruppen wohlfühlen, motiviert sind und ihre individuelle Leistungsfähigkeit zeigen können. Grundlegend in diesem Zusammenhang waren die Hawthorne-Studie (Mayo 1933) sowie die von Homans (1950), einem Mitarbeiter Mayos, daraus abgeleiteten Thesen zur Erklärung von Gruppenprozessen. Weiterhin Levins Feldstudien (1948), Hoffstätters Laborexperimente (1957) sowie das von Watzlawick und seinen Mitarbeitern Beavin und Jackson (1967) in Palo Alto entwickelte Kommunikationsmodell mit seinen Kernsätzen zur Erklärung komplexer dialogischer Kommunikationssituationen. Brocher (1967) leitete dann den Transfer in erwachsenenpädagogische Arrangements ein.

Auf operativer Ebene bedient sich die Moderationsmethode bestimmter Visualisierungsmittel, Regeln und Techniken, die es ermöglichen, themen- bzw. problembezogenes Wissen und die Einschätzungen der Teilnehmenden zu sammeln und zu einem transparenten und aussagefähigen Gesamtbild zusammenzufügen. Wichtige Visualisierungsmittel sind Pinwände, Plakate, Flip-Charts, Filzstifte, Selbstklebepunkte sowie Karten verschiedener Größe, Farben und Formen. Wichtige Regeln sind z.B. folgende Leitsätze: „Alle Aussagen visualisieren!“, „Emotionale und sachliche Aspekte getrennt erfassen!“ oder „Visualisierungen sichtbar machen!“ Zu diesem Zweck werden beispielsweise Visualisierungs-, Präsentations-, Cluster- und Abfragetechniken eingesetzt.

Die immer häufiger beobachtbare Anwendung der Moderationsmethode in der EB bietet das Instrumentarium, um einen Wandel der Lernkultur von der Erzeugungsdidaktik zur → Ermöglichungsdidaktik zu vollziehen und damit die erwachsenenpädagogische → Didaktik zunehmend an den Konzepten der Selbstorganisation und des → Konstruktivismus auszurichten. M. fördert so die → Subjektorientierung in diesem immer bedeutsameren Sektor unseres Bildungswesens.

Literatur

  • Dauscher, U.: Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt. Neuwied 1996

  • Metaplan (Hrsg.): Fibel zur Metaplantechnik. Quickborn 1994

  • Seifert, G.: Visualisieren, Präsentieren, Moderieren. Offenbach 2001

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt