Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Ulrike-Marie Krause & Robin Stark

Motivation

M. ist die Bereitschaft zu handeln, also zielgerichtetes Verhalten zu zeigen. Sie ist abhängig von Zielen, Werten, Motiven und Bedürfnissen der Person und von Handlungsanreizen und -möglichkeiten der Situation. Bereits die frühe Motivationsforschung ging davon aus, dass M. dann entsteht, wenn Motive angeregt werden. Motive sind überdauernde Handlungsantriebe; am meisten erforscht wurden das Anschlussmotiv, das Machtmotiv und das Leistungsmotiv. Die M. einer Person, sich für ein bestimmtes Ziel anzustrengen, hängt von kognitiven und emotionalen Faktoren ab. Hinsichtlich der kognitiven Komponente sind folgende Fragen relevant: Sieht sich die Person in der Lage, das Ziel mithilfe ihrer eigenen Ressourcen und angesichts gegebener Bedingungen zu erreichen (Erwartungsaspekt)? Wie wichtig ist ihr das Ziel (Wertaspekt)?

Für die Einschätzung der eigenen Ressourcen sind insb. Selbstkonzepte und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen zentral. Selbstkonzepte beziehen sich auf das Selbstbild in verschiedenen Bereichen (intellektuelle Fähigkeiten, soziale Kompetenzen etc.), Selbstwirksamkeitsüberzeugungen bezeichnen die Erwartung, durch eigene Handlungen etwas bewirken bzw. erfolgreich sein zu können.

Bezüglich des Wertaspekts der M. betrachtet man in der Lehr-Lernforschung seit den frühen 1970er Jahren besonders die Unterscheidung von intrinsischer und extrinsischer (Lern-)M. Intrinsisch motiviertes Lernen erfolgt aus Interesse am zu lernenden Inhalt oder um der Lernhandlung selbst willen. Hier liegt das Ziel bzw. die Belohnung also im Lernen selbst. Extrinsisch motiviert sind Lernende, wenn sie eine von der Lernhandlung getrennte Konsequenz anstreben. Das Ziel bzw. die Belohnung (die auch eine Vermeidung von Strafe sein kann) liegt hier also außerhalb des Lernvorgangs. Intrinsische Lernmotivation geht oftmals mit tiefenorientiertem, extrinsische mit oberflächenorientiertem → Lernverhalten einher. Besonders günstig für einen nachhaltigen Lernerfolg ist eine intrinsische M., z.B. Neugier oder Interesse.

Neuere Ansätze bezeichnen Interesse als Person-Gegenstands-Beziehung; Interessengegenstände werden wertgeschätzt, und die Beschäftigung mit ihnen ist von positiven Gefühlen begleitet. Ebenfalls dem Wertaspekt der M. zuzuordnen sind (habituelle) Zielorientierungen; unterschieden werden zumeist Lernzielorientierung, Leistungszielorientierung und Anstrengungsvermeidung. Übersichten über verschiedene Motivationskonzepte finden sich z.B. bei Heckhausen und Heckhausen (2006) und bei Rheinberg (2006).

Hinsichtlich der emotionalen Komponente der M. wurde in der pädagogischen Psychologie vor allem die Prüfungsangst betrachtet, die sowohl zu extrinsisch motivierter Anstrengung („Angriff“) als auch zu Vermeidung („Flucht“) motivieren kann und die die intrinsische M. eher untergräbt. Erst in den letzten Jahren wurde auch die motivationale Bedeutung von Langeweile, Stolz, Scham, Wut etc. vermehrt untersucht; hier sind noch viele Fragen offen. Für die Förderung eines motivational günstigen Lernklimas ist die Selbstbestimmungstheorie der M. von Deci und Ryan (1993) hilfreich. Selbstbestimmtes Lernen ist hier vor allem intrinsisch motiviertes Lernen, aber auch ein extrinsisch motiviertes Lernen, das auf selbstgesetzte Ziele ausgerichtet ist. Motivationsförderlich sind nach der Selbstbestimmungstheorie wahrgenommene Autonomie, wahrgenommene Kompetenz und wahrgenommene soziale Eingebundenheit. Lehrende sollten also darauf achten, dass Lernende Wahlmöglichkeiten und Erfolgserlebnisse haben und dass sie sozial integriert sind.

Literatur

  • Deci, E.L./Ryan, R.M.: Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. In: Zeitschrift für Pädagogik, H. 2, 1993

  • Heckhausen, J./Heckhausen, H.: Motivation und Handeln. Heidelberg 2006

  • Rheinberg, F.: Motivation. Stuttgart 2006

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt