Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

Das Wörterbuch Erwachsenenbildung bündelt das gegenwärtige Wissen über Erwachsenenbildung. Es enthält über 300 Stichworte zu den Themenfeldern Didaktik und Methodik, Forschung und Wissenschaft, Geschichte und Entwicklung, Lernen und Erfahrung, Organisation und Profession, Politik und Recht sowie Theorien und Konzepte. Alle Artikel wurden von ausgewiesenen Fachleuten nach dem neuesten Stand der Diskussion verfasst. Sie sind urheberrechtlich geschützt.

Mehr über das Wörterbuch erfahren

Suchvorschläge:

Aufklapper schließen

Heino Apel

Nachhaltigkeit

In der jüngeren ökologischen Debatte wird der Begriff N. als Eindeutschung des englischen Begriffs „sustainable development“ benutzt. Gleichbedeutend werden auch die Begriffe „Zukunftsfähigkeit“ oder „dauerhaft nachhaltige Entwicklung“ verwendet. Der Begriff „sustainable development“ wurde zuerst im „Brundtland-Report” (World Commission on Environment and Development 1987) international präsentiert. Dort wird eine nachhaltige Entwicklung definiert als eine, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Dahinter verbirgt sich eine Kompromissformel zwischen den (legitimen) Ansprüchen von Ländern der „Dritten Welt“ nach mehr technisch-infrastruktureller Entwicklung und Wohlstand gegenüber den Ansprüchen von zumeist in den industrialisierten Ländern der nördlichen Halbkugel beheimateten Naturschutzgruppen nach mehr Einhalt, nach Umkehr, nach Artenschutz und langfristiger Ressourcenschonung. Als Ausgleich wurde empfohlen, dass die industrialisierte Welt ihren Ressourcenkonsum rapide senken solle und der gering bzw. später industrialisierte Teil seinen Ressourcenanspruch noch steigern dürfe, so dass sich insgesamt eine Mäßigung bzw. ein Rückgang des Ressourcenverbrauchs ergibt. Auf der UN-Konferenz „Umwelt und Entwicklung“ in Rio 1992 wurde dieses Konzept aufgegriffen und hat Eingang in die „Agenda 21“ (Bundesumweltministerium 1992) gefunden, einen Aktionsplan für das 21. Jh., der von 174 Staaten unterzeichnet wurde. Nach der „Agenda 21“ verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, auf kommunaler, regionaler und gesamtstaatlicher Ebene in Konsultationsprozessen Entwicklungspläne aufzustellen und erste Handlungsschritte für eine ressourcenschonende, sozial gerechte und wirtschaftlich vertretbare Zukunft einzuleiten. Über die parlamentarisch gewählten Organe und die staatlichen Einrichtungen hinaus soll dafür eine breite Koalition gesellschaftlicher Akteure gewonnen werden. Die „Agenda 21“ (insb. Kapitel 36) hat Konsequenzen für die → Umweltbildung zugunsten einer inhaltlichen Öffnung gegenüber ökonomischen und sozialen Fragen.

Eine breitere Debatte über die in Rio beschlossenen Richtlinien wird erst mit der 1995 vom Bund und Misereor in Auftrag gegebenen Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ ausgelöst. Die ersten Implementationen von Konsultationsprozessen (meist Runde Tische oder Agenda-Foren genannt) erfolgten auf lokaler Ebene und wurden von Bürgerinitiativen oder Bildungseinrichtungen ( → Einrichtungen) initiiert. Etwa ab 1998 werden die staatlichen Vertreter aktiver. Es entstehen in den Ländern „Agenda-Büros“, es werden bescheidene finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, und es sind die Kommunen selbst, die nun mit lokalen Agenda-Aktivitäten beginnen.

Mit dem Bund-Länder-Programm „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE)“ werden Bildungskonzepte entwickelt und die Einführung in den Schulen vorangetrieben. Grundlegend ist der BLK-Orientierungsrahmen zur BNE von 1998.

Die Bundesregierung richtete 2001 einen Rat für Nachhaltige Entwicklung ein, der die Nachhaltigkeitspolitik der Regierung berät und Stellungnahmen zu entsprechenden Vorhaben verfasst und regelmäßig einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegt.

Einen engen Bezug zur Nachhaltigkeit hat das Konzept „Corporate Social Responsibility (CSR)“, das insb. für börsennotierte Großunternehmen alle Aktivitäten zusammenfasst, die darauf zielen, dass Unternehmen über Selbstverpflichtungen eine nachhaltige Entwicklung anstreben. Es werden jährliche Nachhaltigkeitsberichte für die Öffentlichkeit verfasst, die die soziale, ökologische und wirtschaftliche Verantwortlichkeit des Konzerns im lokalen und globalen Kontext herausstellen.

Literatur

  • BLK: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung – Orientierungsrahmen. Bonn 1998

  • BMU: Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung im Juni 1992 in Rio de Janeiro. Agenda 21. Bonn 1992

  • Habisch, A./Schmidpeter, R./Neureiter, M. (Hrsg.): Handbuch Corporate Citizenship. CSR für Manager. Heidelberg 2007

Zurück zur Startseite

Das Buch zur Site

Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

» Buch online bestellen

Sie erhalten das Buch auch in Ihrer Buchhandlung!

Die Anbieter

Diese Seite ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, des Klinkhardt-Verlags und der UTB GmbH.

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist die zentrale Einrichtung für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung in Deutschland. Aus dem Institut stammen die Herausgeber des Wörterbuchs.

Der Klinkhardt-Verlag ist ein pädagogischer Fachverlag. Er hat die Entwicklung des Wörterbuchs verlegerisch betreut.

UTB ist ein Verlag für Lehr- und Studienbücher. Bei UTB ist die Druckausgabe des Wörterbuchs erschienen.

Zum Weiterlesen


Lade Daten...
Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Mehr im UTB-Shop!
 

utb GmbH

Industriestraße 2
D-70565 Stuttgart, Germany

Fon: +49 711 7 82 95 55-0
Fax: +49 711 7 80 13 76
utb(at)utb-stuttgart.de

Impressum
Datenschutzhinweise
Widerrufsbelehrung

Pfeil nach links Zurück zur Website

utb-Homepage

Zum UTB-Online-Shop

Vom Uni-Taschenbuch bis zur e-Learning-Umgebung: Das komplette utb-Angebot für Studierende, Dozenten, Bibliotheken und Buchhandel.

[Zur utb-Homepage]

utb-Online-Shop

Zum UTB-Online-Shop

Ob gedrucktes Buch oder digitale Ausgabe – im utb-Shop finden Sie alle utb-Titel übersichtlich sortiert.

[Zum utb-Shop]

utb bei Facebook

Zur UTB-Facebook-Seite

Gefällt mir! Die Facebook Seite von utb informiert Sie über unsere Aktivitäten. 

 [zur Facebook-Seite von utb]

utb auf Twitter

UTB-Tweed bei Twitter

Aktuelles für Studierende und Dozenten – hier melden wir, was es in der Hochschulwelt Neues gibt.

[Zum utb-Twitter-Tweed]

Eine Übersicht der Websites zu einzelnen utb-Titeln finden Sie auf der Links-Seite.

 

Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt