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Werner Lenz

Österreichische Erwachsenenbildung

Die Begriffe EB und WB werden in Österreich synonym verwendet. Daneben wird der Begriff der „Volksbildung“ eingesetzt, um sich ursprünglicher Aufgabenstellungen zu erinnern. In den letzten Jahren haben mit der Differenzierung und Internationalisierung der EB sowie durch den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union (1995) Begriffe wie „Training“, → „lebenslanges Lernen“ und „lebensbegleitende Bildung“ Fuß gefasst. Im Bereich der Regionalentwicklung wird für Vorhaben mit erwachsenenbildnerischem Schwerpunkt oft der Begriff „Gemeinwesenarbeit“ gebraucht.

Gesetzlich geregelt ist lediglich die Förderung der EB durch ein Bundesgesetz über die Förderung der Erwachsenenbildung und des Volksbüchereiwesens (1973) sowie durch das Arbeitsmarktförderungsgesetz (1968), seit 1994 heißt es „Arbeitsmarktservicegesetz“. Es gibt kein Gesetz für einen Bildungsurlaub, sondern nur eine Regelung für Bildungskarenz. Den Zugang zur Hochschule ohne Abitur ( → zweiter Bildungsweg) legen die Gesetze zur Berufsreifeprüfung (1997/Novelle 2000) und das Studienberechtigungsgesetz (2001) fest. Seit Beginn des Jahres 1998 ermöglicht die „Teilrechtsfähigkeit“ im Rahmen des Schulorganisationsgesetzes den Schulen, als Träger für WB zu agieren.

1972 haben sich die großen, bundesweiten Verbände der EB zur „Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs“ (KEBÖ) zusammengeschlossen. Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Trennung in berufsbildende und allgemeinbildende EB institutionell relativ strikt durchhält. Erst in letzter Zeit bieten berufsorientierte Institutionen vermehrt Kurse im allgemeinbildenden Bereich (z.B. Persönlichkeitsentwicklung oder Gesundheitsbildung) an und konkurrieren mit Institutionen, die sich bisher auf allgemeinbildendes Orientierungswissen spezialisiert hatten. Zu den allgemeinbildenden Institutionen zählen: Arbeitsgemeinschaft der Bildungshäuser Österreichs, Büchereiverband Österreichs, Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich, Volkswirtschaftschaftliche Gesellschaft Österreichs, Ring Österreichischer Volksbildungswerke, Verband Österreichischer Schulungs- und Bildungshäuser, Verband Österreichischer Volkhochschulen. Zu den berufsbildenden Institutionen gehören: Berufsförderungsinstitut Österreichs, Ländliches Fortbildungsinstitut, Wirtschaftsförderungsinstitut der Bundeswirtschaftskammer.

Die Universitäten haben als Träger von WB ihr Angebot in den letzten Jahren intensiviert und etabliert. Universitätskurse und Universitätslehrgänge sind die übliche Form. Aufgrund einer neuen gesetzlichen Regelung können unter bestimmten Voraussetzungen auch außeruniversitäre Angebote für Erwachsene als universitäre Lehrgänge gewertet werden.

Die Teilnahmequote an der EB liegt zwischen 20 und 30 %. In den letzten Jahren ist nach einer Phase stetiger Zunahme eine gewisse Stagnation bei den Teilnahmezahlen zu registrieren. Verberuflichung und Professionalisierung erweisen sich weiterhin als sehr bescheiden. Über 50.000 Personen sind nebenberuflich, etwa 30.000 ehrenamtlich und ungefähr 5.000 hauptberuflich in der EB beschäftigt. Insgesamt können nur 1.500 als hauptberufliche pädagogische Mitarbeiter/innen angesehen werden. Als Dozent/innen, in Österreich werden sie „Kursleiter/innen“ oder „Vortragende“ genannt, agieren rund 50.000 Personen.

Erste Qualifizierung zum Erwachsenenbildner vermittelt die Universität in vier Semestern im Rahmen des Studiums der Pädagogik. An den Pädagogischen Hochschulen, wo die Pflichtschullehrer/innen ausgebildet werden, gibt es Angebote zum Thema EB. Die einzelnen Träger veranstalten spezielle Kurse und Lehrgänge für ihre Mitarbeiter/innen, insb. für Anfänger aber auch zur didaktischen und fachlichen Fortbildung. In Kooperation mit dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur organisiert das einzige staatliche Bildungshaus, das Bundesinstitut für Erwachsenenbildung in Strobl am Wolfgangsee, Lehrgänge: Der Lehrgang „EB-Profi“ bietet institutionenübergreifend Basiswissen; der Lehrgang „Bildungsmanagement“ vermittelt in vier Semestern Qualifikationen, die sich insbesonders auf Kenntnisse und Fähigkeiten für Leitungs- und Managementaufgaben beziehen. Eine seit 2007 aktive „Weiterbildungsakademie“ zertifiziert und diplomiert Erwachsenenbildner/innen.

Nicht zuletzt seit der Zugehörigkeit zur EU (1995) wird WB als unverzichtbarer Sektor der Bildungslandschaft gesehen. Der Stellenwert der EB als Teil eines Systems lebensbegleitender Bildung gewinnt an Bedeutung. Teilnehmerzahlen weisen EB als Wachstumsbranche aus. Zunehmend treten neben den bundesweiten, gemeinnützigen Trägern privatwirtschaftlich organisierte Anbieter auf. Die Entwicklung einer kohärenten Strategie für die Implementierung des Lebenslangen Lernens gilt als wichtige Aufgabe der nächsten Jahre für Bildungspraxis und Bildungspolitik.

Literatur

  • Filla, W.: Wissenschaft für alle – ein Widerspruch? Bevölkerungsnaher Wissenstransfer in der Wiener Moderne. Ein historisches Volkshochschulmodell. Innsbruck 2001

  • Lenz, W.: Porträt Weiterbildung Österreich. 2., aktual. Aufl. Bielefeld 2005

  • Lenz, W. (Hrsg.): Weiterbildung als Beruf. „Wir schaffen unseren Arbeitsplatz selbst!“ Wien 2005

  • OECD: Thematic Review on Adult Learning – Austria, Country Note. Paris 2004

  • URL: www.wba.or.at

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt