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Jochen Kade

Pädagogik der Medien

Außerhalb der bekannten Bildungs- und Erziehungsinstitutionen ( → Institutionen) ist im Kontext der Universalisierung pädagogischer Weltbilder und pädagogischen → Wissens eine Pluralität von „Aneignungsverhältnissen“ entstanden, über deren vielfältige Bildungs- und Lernangebote man immer noch sehr wenig weiß. Dies gilt insb. für den Bereich der Massenmedien, wie Film, Fernsehen, Rundfunk, Zeitung, Internet. Die Beschäftigung mit diesem Feld findet meist entweder unter medienpädagogischen Aspekten ( → Medien in Lehr-Lernprozessen) oder aus der Sicht der Massenkommunikationsforschung mit globalisierenden Urteilen statt, wie – immer noch symptomatisch für den Bereich insgesamt – für das Fernsehen. Es ist ein „Freizeitmedium, keine Volksbildungsanstalt“. Dass etwa das Fernsehen über die typischen Bildungssendungen hinaus, die im Programm ohnehin nur eine Randexistenz führen und auf die „toten Zeiten“ verbannt sind, „unreine“ pädagogische Sendungen anbietet, erwartet man daher eher nicht. Aber gerade im Unterhaltungsbereich stößt man auf eine Vielfalt von pädagogischen Themen, Motiven und Strukturen, und dies nicht nur in den im Schulmilieu spielenden Serien. Was von → Teilnehmenden heute vielfach von der EB erwartet wird, dass in ihr Unterhaltung mit etwas geschichtlichem Hintergrund und zur Erweiterung des Allgemeinwissens geboten werden soll, dies lösen die Fernsehsender, wenn auch nicht insgesamt mit ihrem Programm, so doch in einzelnen Sendungen auf ihre je spezifische Weise mit den Mitteln und nach den Produktionsregeln eines Massenmediums ein. K. Holzamers Frage: „Hat das Fernsehen pädagogische Möglichkeiten?“ (1957) muss heute als beantwortet gelten (Paukens 1993). Interessant ist allerdings, in welcher Form pädagogische Ansprüche in das Fernsehen, und zwar nicht nur in die Programme des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, sondern auch in die Programme der privaten Fernsehsender, und überhaupt die anderen Massenmedien eingegangen sind.

Für die Medienpädagogik aber sind die verschiedenen Massenmedien und insb. die Neuen (Massen-) Medien entweder Anlass zur Sorge oder aber ein für didaktische Neuentwicklungen, durchaus mit kritischen Untertönen, aussichtsreiches Betätigungsfeld. Dies gilt inzwischen insb. für die Neuen Medien unter dem Stichwort → „E-Learning“ (Grotlüschen 2003). Die Massen- und Neuen Medien kommen dabei entweder in didaktisch-gestaltender Absicht oder als pädagogisch zu verbessernde soziale Realitäten in den Blick. Pädagog/inn/en können sich als medienkritische Instanz profilieren und pädagogisches Handeln als „Retter“ aus den Gefahren, die das Kino, das Fernsehen und heute das Internet für den kognitiven und moralischen Zustand der Menschen mit sich bringt, offerieren. Je stärker die Kritik an den (Massen-)Medien, desto mehr erscheinen sie als aussichtsreiches Handlungsfeld für Pädagogen. Dieser normativ oder didaktisch akzentuierte professionszentrierte Blick ist indes einseitig und führt zum Teil sogar in die Irre. Die Massen- und Neuen Medien sind inzwischen hochgradig pädagogisiert, wenn auch anders, als Pädagog/inn/en dies gerne hätten, und ohne dass damit für sie neue Arbeitsfelder verbunden wären. Obwohl Zeitungsartikel etwa seit einigen Jahren immer wieder aktuelle Fernsehsendungen als pädagogische Veranstaltungen thematisieren, wird die P.d.M. und insb. die des Kinos, des Fernsehens, der Presse und des Internet als erziehungswissenschaftliches Forschungsfeld erst langsam entdeckt (z.B. Nolda 2002, Kade/Lüders 1996, Dinkelaker 2007). Während die Medienpädagogik von der normativen Differenz „Pädagogik“ vs. „Nicht-Pädagogik“ geleitet wird, wird aus der Perspektive des Konzepts einer P.d.M. analysiert, welche unterschiedlichen Formen das Pädagogische in den verschiedenen (Massen-)Medien angenommen hat.

Literatur

  • Dinkelaker, J.: Aktivierung, Aufklärung, Selbstverbesserung: Umgang mit Wissen in der Straßenzeitung. In: Kade, J./Seitter, W. (Hrsg.): Umgang mit Wissen. Recherchen zur Empirie des Pädagogischen, Bd. 1: Pädagogische Kommunikation. Opladen/Farmington Hills 2007

  • Grotlüschen, A.: Widerständiges Lernen im Web – virtuell selbstbestimmt? Münster 2003

  • Holzamer, K.: Hat das Fernsehen pädagogische Möglichkeiten? In: Donnepp, B. (Hrsg.): Rückblicke nach vorn. Bad Heilbrunn/Obb. 1988 (erstmals ersch. 1957)

  • Kade, J./Lüders, C.: Lokale Vermittlung. Pädagogische Professionalität unter den Bedingungen massenmedialer Wissensvermittlung. In: Combe, A./Helsper, W. (Hrsg.): Pädagogische Professionalität. Untersuchungen zum Typus pädagogischen Handelns. Frankfurt a.M. 1996

  • Nolda, S.: Pädagogik und Medien. Stuttgart 2002

  • Paukens, H.: An anderen Orten genauso gut. Hat Bildung im Fernsehen eine Zukunft? In: agenda, H. 7, 1993

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt