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Helmut Kuwan

Weiterbildungsbeteiligung

Das heute weitgehend akzeptierte Konzept des → Lebenslangen Lernens beinhaltet auch ein erweitertes Verständnis von WB, wobei neben der herkömmlichen, formal-organisierten WB zunehmend die Bedeutung vielfältiger „informeller“ Lernprozesse am Arbeitsplatz oder in der Freizeit erkannt wird. Um aussagekräftige Ergebnisse über die Weiterbildungsbeteiligung Erwachsener zu erhalten, ist es deshalb erforderlich, einen möglichst großen Ausschnitt des gesamten Spektrums der verschiedenen Lernformen in den Blick zu nehmen.

In einer quantitativen Betrachtung lassen sich dabei drei Indikatoren unterscheiden: die Reichweite von WB (gemessen in Teilnahmequoten oder Teilnehmerzahlen), die Teilnahmefälle (Belegungen) und der Zeitaufwand für WB (Weiterbildungsvolumen). Der am häufigsten verwendete Indikator „Teilnahmequote“ gibt den Prozentanteil der Teilnehmenden an allen Personen einer Gruppe wieder und lässt damit auf einen Blick erkennen, welche Gruppen bei der Weiterbildungsbeteiligung über- bzw. unterrepräsentiert sind.

Da sich angebotsbezogene Datenquellen derzeit und auf absehbare Zeit nicht zu einem Gesamtbild des Weiterbildungsgeschehens aggregieren lassen, stützen sich Aussagen zur Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland auf Bevölkerungsbefragungen. Diese wurden von 1979 bis 2006 im Auftrag des BMBF von Infratest Sozialforschung im Dreijahresturnus im Rahmen des „Berichtssystems Weiterbildung“ (BSW) durchgeführt. Danach wurde die nationale BSW-Erhebung in das Konzept des europäischen „Adult Education Survey“ (AES) überführt. Um eine Fortführung der Zeitreihen seit 1979 zu ermöglichen, erfolgten zwei Erhebungen parallel: eine nach dem BSW-Konzept und eine nach dem AES-Konzept. Die Darstellung des Weiterbildungsbereichs im „Nationalen Bildungsbericht“ basiert zu einem erheblichen Teil auf Ergebnissen dieser beiden Erhebungen (vgl. Autorengruppe Bd. 2008).

Trotz der unterschiedlichen Messkonzepte stimmen die Teilnahmequoten an WB insgesamt wie auch die gruppenspezifischen Unterschiede der Weiterbildungsbeteiligung im BSW und im AES weitgehend überein. Die Gesamtteilnahmequote an WB lag 2007 im BSW bei 43 % und im AES bei 44 % (v. Rosenbladt/Bilger 2008). Allerdings lassen sich auch Unterschiede erkennen. So weist z.B. der AES einen höheren Anteil des betrieblichen Segments ( → betriebliche Weiterbildung) am gesamten Weiterbildungsgeschehen aus als das BSW, während die Beteiligungsquote an informellem beruflichem Lernen im BSW höher liegt als im AES. Die Frage, inwieweit sich begriffliche und methodische Abgrenzungen auf die empirisch ermittelte Weiterbildungsbeteiligung auswirken, ist deshalb von entscheidender Bedeutung (Gnahs/Kuwan/Seidel 2008).

Die BSW-Daten ermöglichen Trendanalysen zur Weiterbildungsbeteiligung seit 1979. Dabei zeigt sich, dass die Weiterbildungsteilnahme nicht durchgängig zugenommen hat. Nach einer Phase des nahezu kontinuierlichen Anstiegs zwischen 1979 und 1997, in der die Teilnahmequote an WB von 23 % auf 48 % anstieg, erfolgte in den Jahren 2000 und 2003 ein Rückgang bis auf 41 %. Der Wert von 2007 verbleibt trotz des leichten Anstiegs auf 43 % noch um fünf Prozentpunkte unter dem des Bezugsjahrs 1997.

Die Ergebnisse der BSW- und der AES-Erhebung belegen, dass das informelle berufliche Lernen und das informelle Lernen außerhalb der Arbeitszeit quantitativ bedeutsame Bereiche sind. Den Ergebnissen des BSW 2007 zufolge haben sich 39 % der 19- bis 64-Jährigen außerhalb der Arbeitszeit selbst etwas beigebracht. Dieser Anteilswert liegt etwas höher als in der vorigen Erhebung. Fasst man alle im BSW erhobenen informellen beruflichen Lernformen zusammen, so ergibt sich für Erwerbstätige eine Beteiligungsquote von 68 %. Im Vergleich zu 2003 entspricht dies einem Anstieg um sieben Prozentpunkte. Diese Zahlen verdeutlichen die große quantitative Bedeutung des informellen Lernens. Die Teilnahmequote an informellem beruflichen Lernen liegt wesentlich höher als die an formalisierter beruflicher WB.

Die bereits früher beobachteten großen Unterschiede der Weiterbildungsbeteiligung mit Blick auf soziodemographische und beschäftigungsbezogene Merkmale bestehen fort. Wichtige Einflussfaktoren sind z.B. Erwerbstätigkeit, Schul- und Berufsbildung, Alter, Migrationshintergrund, berufliche Stellung, Wirtschaftsbereich, Branche und Betriebsgröße. Auch den betrieblichen und arbeitsplatzbezogenen Rahmenbedingungen kommt große Bedeutung zu. Die Beteiligung an formalem und informellem beruflichen Lernen wird von soziodemographischen und bildungsbezogenen Einflussfaktoren sowie von Gelegenheitsstrukturen, also einem fördernden oder hemmenden privaten oder betrieblichen Lernumfeld, beeinflusst.

Literatur

  • Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.): Bildung in Deutschland 2008. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Übergängen im Anschluss an den Sekundarbereich I. Im Auftrag der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und des BMBF. Bielefeld 2008

  • Gnahs, D./Kuwan, H./Seidel, S. (Hrsg.): Weiterbildungsverhalten in Deutschland, Bd. 2: Berichtskonzepte auf dem Prüfstand. Bielefeld 2008

  • Rosenbladt, B. v./Bilger, F.: Weiterbildungsverhalten in Deutschland, Bd. 1: Berichtssystem Weiterbildung und Adult Education Survey 2007. Bielefeld 2008

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt