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Rolf Arnold

Personalentwicklung

P. ist ein aus der neueren Betriebswirtschaft kommender Begriff, der alle Aktivitäten zusammenfasst, mit deren Hilfe die Kompetenzen des Personals bzw. des Mitarbeiterstamms einer Organisation systematisch gefördert und entwickelt werden können. Der Begriff P. löst die älteren Begriffe „Personalverwaltung“ oder „Personalwirtschaft“ ab. Neu ist am Ansatz der P. die aktive Perspektive, die → Human Resources für den Unternehmenserfolg systematisch zu analysieren, zu evaluieren und Angebote sowie Lösungen für ihre Weiterentwicklung zu „organisieren“. Nimmt man die neueren Personalentwicklungskonzepte in den Blick, so zeigt sich dreierlei:

  • P. wird als eine „systematische“, d.h. „zielgerichtete“ unternehmerische Aktivität definiert, wobei in den früheren Definitionen noch sehr stark die Ziele einer unmittelbaren Positions- und Laufbahnorientierung im Vordergrund zu stehen scheinen, während sich neuerdings – insb. im Konzept der „strategieumsetzenden P.“ – eine Dominanz der mittelbaren Ziele abzeichnet. Gleichzeitig geht aber das Bewusstsein von der strukturellen Spannung zwischen unternehmerischen Zielen und Mitarbeiterzielen verloren.

  • P. ist in starkem Maße verhaltensbezogen. Dieser Verhaltensbezug wird mit unterschiedlicher Perspektive verfolgt: Qualifikationen sollen verbessert werden (allgemeine Förderperspektive), Mitarbeiter/inne/n soll geholfen werden, mit veränderten Anforderungen zurecht zu kommen (reflexive Selbsthilfeperspektive), man möchte gegenwarts- und zukunftsrelevante Qualifikationen vermitteln (traditionelle Schulungsperspektive), es sollen Verhaltenspotenziale aufgebaut, gefördert und genutzt werden (prospektive Potenzialorientierung), es sollen Voraussetzungen für selbstorganisiertes, strategieumsetzendes und organisationales Lernen geschaffen werden (Strukturorientierung).

  • P. wird in engem Bezug zur Organisationsentwicklung ( → Organisation) bzw. – neuerdings – zum organisationalen Lernen des Unternehmens definiert. Neben die traditionellen laufbahn-, positions- und qualifikationsbezogenen Maßnahmen treten deshalb in immer stärkerem Maße organisations- und strukturbezogene Aktivitäten.

Indem die P. dabei auf kontinuierliche Kompetenzentwicklung ( → Kompetenz) setzt, wachsen ihr Aufgaben zu, für die ursprünglich die betriebliche WB zuständig war. Doch diese hat sich selbst grundlegend gewandelt und längst vom Seminarwesen gelöst. Heute entwickelt die betriebliche WB maßgeschneiderte Angebote für die individuelle und organisationale Entwicklung, und ihr Erfolg ist dann gegeben, wenn sie von den Abteilungen und Mitarbeiter/inne/n des Unternehmens als professionelle Unterstützung erlebt wird, die man – freiwillig – immer wieder gerne zu Rate zieht.

Die Idee der lebenslangen Kompetenzentwicklung wurde in den letzten Jahren durch das Konzept der notwendigen „Erweiterung“ von Kompetenzen ergänzt, wodurch P. eine „weichere“ Ausrichtung erhielt: Mitarbeiter/innen sollen sich zwar weiterhin um die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen bemühen, doch ist dieses fachliche – und heute möglichst selbstgesteuerte – Lernen nur ein Teil der P. Notwendig wird darüber hinaus nämlich auch die Entwicklung von außerfachlichen und fachübergreifenden Kompetenzen, sog. → Schlüsselqualifikationen.

Eine weitere Neubestimmung von P. berührt die Frage der Zuständigkeit. Indem die Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter/innen sich zunehmend am Arbeitsplatz vollzieht, das Konzept des Entsende-Lernens (Entsendung zu externen Seminaren) zunehmend durch organisationales Lernen ergänzt und abgelöst wird, verlagert sich auch die Zuständigkeit für P. zunehmend auf die operative Ebene (Vorgesetzte, Fachabteilung). Es sind dabei zunehmend die Führungskräfte selbst, die hier eine wichtige Rolle bei der Personalberatung, der Planung organisationaler Lernprozesse sowie der Gewährleistung von Transferchancen erhalten. P. als lebenslange Kompetenzentwicklung setzt somit ein Führungsverhalten voraus, welches in vielen Betrieben erst noch entwickelt und gefördert werden muss.

Literatur

  • Arnold, R./Bloh, E. (Hrsg.): Personalentwicklung im lernenden Unternehmen. 3., unveränd. Aufl. Baltmannsweiler 2006

  • Münch, J.: Berufsbildung und Personalentwicklung. Rückblicke, Einblicke, Ausblicke. Baltmannsweiler 2007

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Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt