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Arnim Kaiser & Ruth Kaiser

Problemlösung

Von einem Problem wird gesprochen, wenn von einer gegebenen Situation aus ein angestrebtes Ziel wegen vorhandener Barrieren nicht ohne Weiteres erreichbar ist. P. bezeichnet dann den Versuch, die Ausgangssituation trotz dieser Hindernisse in die gewünschte Zielsituation hin zu überführen. Dieser Transformationsprozess ist in seinen einzelnen Schrittabfolgen präziser darstellbar.

Der erste Schritt, die Annerkennung des Problems, verweist eher auf ein emotional-psychisches als auf ein kognitives Moment. Die Anerkennung bzw. Leugnung hängt nämlich in starkem Maß von Ängsten, Erwartungen, Stereotypen und weniger vom Wissen der Beteiligten ab.

In Abhebung dazu sind die darauf folgenden Schritte rationaler geprägt: Identifikation und Definition des Problems erfordern in hohem Maß den Einsatz von Wissen, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Es ist im Blick auf die Situation abzuklären, welche Informationen fehlen und wie sie zu beschaffen sind. Die letztlich zur Verfügung stehenden Informationen müssen in Beziehung zueinander gesetzt und in ihrem logisch-sachlichen Zusammenhang erkannt werden. Es ist zu identifizieren, was gegebenenfalls veränderbar und was kaum oder gar nicht beeinflussbar ist. Diese Leistungen zusammengenommen ergeben für den Analysierenden seine – subjektive – geistige Repräsentation des Problems, den von ihm konstituierten Problemraum.

Die Problemidentifikation und -definition sowie ihre Bündelung in einer geistigen Repräsentation werden fortgeführt zur Planung der Schritte, die eine Lösung des Problems einleiten könnten.

Im Planungsprozess erarbeitete Lösungsvermutungen dienen letztlich dem Ziel, die faktische Lösung des Problems zu erreichen. Die hierbei anzusetzende, zentrale kognitive Leistung ist die der Evaluation, d.h. der Prüfung, ob die Lösung richtig, angemessen, akzeptabel ist. Der Problemlösungsvorgang ist optimierbar durch den Einsatz insb. metakognitiver Strategien. Empirisch gewonnene Ergebnisse belegen den leistungsteigernden Effekt dezidiert angewandter metakognitiver Steuerungs- und Kontrollprozesse (Schmidt/Ford 2003). Sie überprüfen beim Problemlösungsvorgang eingesetzte kognitive Strategien auf ihre Eignung zur Bewältigung der Aufgabe und suchen nach Alternativstrategien, falls sich die bisherigen als nicht erfolgreich erweisen.

Auftretende Schwierigkeiten bei der P. müssen aber nicht allein durch die betreffende Aufgabe bedingt sein. Sie können auch in der Person des Problemlösenden begründet sein, etwa in seiner Einstellung gegenüber Erfolg: Misserfolgsängstliche neigen dazu, schwierige Aufgaben auszuwählen, dabei ihr Scheitern zu antipizieren, es aber zugleich auch mit dem hohen Schwierigkeitsgrad zu entschuldigen. Von Bedeutung sind auch Attribuierungs- und Kontrollmuster. Wer sich mit Blick auf Erfolg extern attribuiert („Mein Erfolg hängt vom Zufall oder Glück ab“) oder glaubt, seine Einflussmöglichkeiten seien gering (externer „locus of control“), wird sicherlich schneller vor Schwierigkeiten während der Problembearbeitung kapitulieren als jemand, der sich internal im Verweis auf seine eigene Anstrengung oder Begabung attribuiert und sich Kontrollmöglichkeiten über sich selbst wie auch über sein soziales Umfeld zuerkennt (Cervone u.a. 2006).

Aus diesen theoretischen Überlegungen wie auch aus den empirischen Ergebnissen lassen sich folgende relevante Gesichtspunkte für die WB ableiten:

  • Weiterbildungsveranstaltungen sollten – etwa in Form von Leitfragen – Techniken zur geistigen Repräsentation eines Problems vermitteln. Dadurch wird der Problemraum, der den Rahmen für alle weiteren Aktivitäten abgibt, leichter und markanter konstruierbar.

  • Den → Teilnehmenden sind die Arbeitsschritte (Phasen) des Problemlösungsprozesses transparent zu machen. Dies ermöglicht ihnen eine sukzessive und damit präzisere metakognitive Steuerung und Kontrolle.

  • Von Bedeutung ist auch die Kenntnis des Problemtyps, also das Wissen darüber, ob es sich um ein gut oder schlecht strukturiertes Problem handelt. Gut strukturierte Probleme haben nach den Kriterien wahr/falsch bewertbare Aufgaben zum Gegenstand, etwa Sprachkurse oder EDV-Seminare. Als schlecht strukturiert kennzeichnet man Probleme, die nicht alle zur Lösung erforderlichen Informationen enthalten, deren Informationsbasis also unvollständig bzw. lückenhaft ist, die in unterschiedlicher Weise geistig repräsentiert werden können, deren Lösung nicht als wahr/falsch beurteilbar ist und bei denen für die Bewertung der Lösung erforderliche Kriterien erst aufgestellt werden müssen. Zu diesem Problemtyp gehören insb. lebensweltlich eingelagerte Fragestellungen.

Die Beachtung dieser Punkte kann nicht nur zur Verbesserung von Fähigkeiten der Teilnehmenden, Probleme zu lösen, sondern auch zur Optimierung ihrer Selbstlernkompetenz führen. Vorraussetzung sind allerdings die explizite Thematisierung metakognitiver Komponenten in Weiterbildungsseminaren und die Anwendung und Einübung entsprechender metakognitiver Strategien.

Literatur

  • Cervone, D./Artistico, D./Berry, J.M.: Self-Efficacy and Adult Development. In: Hoare, C. (Hrsg.): Adult Development and Learning. Oxford 2006

  • Kaiser, R./Kaiser, A.: Denken trainieren – Lernen optimieren. Augsburg 2006

  • Schmidt, A.M./Ford, J.K.: Learning within a Learner Control Training Environment: The interactive effects of goal orientation and metacognitive instruction on learning outcomes. In: Personnel Psychology, H. 2, 2003

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt