Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Erhard Schlutz

Programmplanung

Als P. wird die Vorbereitung und Auswertung des Veranstaltungs- und Leistungsangebots einer Bildungseinrichtung ( → Einrichtungen), aber auch das Herstellen des entsprechenden Publikationsorgans, des → Programms, bezeichnet. P. ist besonders angewiesen auf vorhandene oder aktivierbare Ressourcen, insb. des Fachwissens und der Vermittlungskompetenz, und muss eingebettet werden in Programmatik und Angebotspolitik. P. umfasst in weiten Teilen Kerntätigkeiten, die wissenschaftlich fundierbar sind (etwa durch Hintergrundwissen zu Bildungsbedarfen, Wissensverwendung, Lernen oder durch didaktische Modellannahmen, methodische Vorgehensweisen usw.); P. ist aber als ganze und zyklisch sich wiederholende Tätigkeit mindestens ebenso abhängig von individuellem Erfahrungswissen und institutionellem Gedächtnis. Nach einer bemerkenswerten wissenschaftlichen Aktivität in den 1970er und 1980er Jahren sind die empirischen und makro-didaktischen Publikationen zur P. allerdings seltener geworden.

Wiltrud Gieseke (2000) hat in empirischen Studien darauf aufmerksam gemacht, dass das tatsächliche Programmplanungshandeln nicht schematisch und linear erfolgt, sondern im Wesentlichen kommunikativ und kooperativ bzw. vernetzt. Trotzdem sei P. nicht nur auf entsprechende Offenheit gegenüber der Umwelt angewiesen, sondern auch auf Instrumente und Entscheidungsstrategien. Als grundsätzliche Planungsstrategien der Programmentwicklung lassen sich Angebots- und Nachfrageorientierung unterscheiden. Idealiter wird bei der angebotsorientierten Planung ein vollständiges Programm mit konkreten Einzelangeboten vorgelegt, das nun den entsprechenden Bedarf wecken muss. Bei der nachfrageorientierten Planung liegt der → Bildungsbedarf schon vor und davon ausgehend wird erst das konkrete Angebot entwickelt. Das lässt diese Planungsstrategie im heutigen Praxisdiskurs effizienter erscheinen. Eine solche Wirksamkeit setzt aber eine relativ aufwändige Bedarfserschließung und wenig standardisierte Angebotsgestaltung voraus und ist wohl nur in Kooperation mit institutionellen oder kollektiven Auftraggebern und Nutzenden zu erreichen. Im Hinblick auf eine breite Ansprache individueller (anonymer) Nutzer können Angebotsvorgaben oder Probeangebote, wenn sie auf erfahrungsgesättigten Bedarfshypothesen beruhen, effizienter sein. Die Wahl einer solchen Strategie muss folglich von der Art der Nutzenden und ihrer „vorherigen“ Erreichbarkeit abhängig gemacht werden.

Von der P. kann man die Angebotsentwicklung unterscheiden, mit den Schritten fachlich-didaktische Konzeptionierung, Realisierung, Evaluierung und Verbesserung einer einzelnen Maßnahme oder Leistung, die sich in das Programm einfügt. Dem Bildungsangebot liegt in der Regel eine schriftlich fixierte Konzeption („service design“) zugrunde, die Strukturentscheidungen und wünschenswerten Realisierungsverlauf enthält. Die Entscheidungen über die Struktur des Angebots können – in Kenntnis der fachlichen Notwendigkeiten – mithilfe eines didaktischen Modells der Angebotsentwicklung getroffen werden (etwa mit den Strukturaspekten: Lebens- und Verwendungssituation; Zielgruppe/Bedarf; Lernziele/-anforderungen; Inhalte; Organisationsform/Methoden; Lernort/Medien). Die Konzeption muss dann auf ihre Tragfähigkeit hin geprüft werden, d.h. auf ihre Qualität (Begründung, innere Stimmigkeit), ihre Realisierbarkeit (Ressourcen- und Gestaltungs-Erfordernisse), den geprüften oder vermuteten Bedarf sowie ihren Beitrag zu Programmpolitik und -profil.

Spätestens hier muss die einzelne Angebotsentwicklung wieder in die übergreifende P. und die damit verbundene Angebotspolitik einmünden. Diese legt fest, ob die Basisstrategie eher auf Expansion oder Konsolidierung angelegt ist, und welche Angebotspalette den Adressaten zur Verfügung gestellt werden soll: um ihnen einen größeren Nutzen zu verschaffen, das eigene Profil zu schärfen oder einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen (z.B. durch Kostensenkung, Nischenpflege oder Angebotsdifferenzierung). Vor dem Hintergrund einer solchen Angebotspolitik beginnt die P. relativ früh mit der quantitativen (Realisierungsquote, Ertrag) und qualitativen Überprüfung bisheriger Programme. Dabei wird auch über die Fortführung der Angebote entschieden mit den Möglichkeiten: Beibehaltung, Eliminierung, Modifikation und Programmerweiterung/-innovation.

Je nach Größe der Einrichtung und je nach der Personenzahl, die an den Entscheidungen beteiligt werden sollen, stellt P. besondere Anforderungen an das Zeit- und Kommunikationsmanagement. Dazu kann die Verabredung bestimmter Phasen bzw. Kommunikationsstationen sinnvoll sein, etwa:

  • Rahmenplanung in größeren Abständen (Voraussetzungen, Bildungs- und Programmziele, mittelfristige Angebotspolitik),

  • Grobplanung des nächsten Programms (Auswertungsergebnisse bisheriger Programme, zukünftiger quantitativer Rahmen, inhaltliche Schwerpunkte)

  • Feinplanung (jedes einzelnen Angebots, gemeinsame Verabschiedung des Gesamtangebots).

Literatur

  • Arnold, R./Wiegerling, H.-J.: Programmplanung in der Weiterbildung. Frankfurt a.M. 1983

  • Gieseke, W. (Hrsg.): Programmplanung als Bildungsmanagement? Qualitative Studie in Perspektivverschränkung. Recklinghausen 2000

  • Schlutz, E.: Bildungsdienstleistungen und Angebotsentwicklung. Münster 2006

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt