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Barbara Veltjens

Qualitätsentwicklung

QE ist aus der industriell geprägten Qualitätssicherung entstanden. Qualitätssicherung stand hier zunächst für die Durchsetzung von Organisationsstandards und Einhaltung einmal formulierter Qualitätsziele in Form von Normungen. Im Laufe der Qualitätsmanagementdebatte wurde der Sicherungsaspekt jedoch zunehmend durch ein entwicklungsorientiertes Verständnis von Qualität abgelöst. In der Bildungsbranche hat sich der Begriff der QE und im Anschluss daran der Begriff des → Qualitätsmanagement (QM) durchgesetzt. QE und QM werden auch synonym verwendet. Beide Begriffe verweisen auf den gestaltbaren und veränderbaren Aspekt von Qualität. Eine Unterscheidung könnte darin gesehen werden, dass sich QE auf jede Art von geplanten Maßnahmen bezieht, die Veränderungen und Entwicklungen in einer → Organisation bewirken und dafür ein bestimmtes Vorgehen wählen. QM hingegen zielt als Begriff auf ein Vorgehen, das sich an dafür vorgesehene Managementmodelle bindet.

QE wird in der EB/WB als Leitdiskurs verstanden. Qualität steht in diesem Diskurs für semantisch „gut“, ohne dass damit feststehende Anforderungen verbunden sind. Ganz allgemein steht QE im Bildungskontext für das Anliegen, die vielfältigen Arbeiten im Alltag „gut“ zu machen. Das bedeutet, die einzelnen Aspekte der Arbeit aufeinander zu beziehen, sie miteinander zu verknüpfen und auch ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Die Zielperspektiven von QE haben daher in der WB eine große konzeptionelle und theoretische Verknüpfung mit der Intention und den Herangehensweisen von Evaluation.

QE ist im Bildungsalltag ein kontinuierlicher, den Arbeitsalltag begleitender Prozess. Denn QE zielt nicht nur auf die Festlegung, sondern eben auch auf die Entwicklungsfähigkeit von Zielen und Anforderungen. QE versteht sich damit auch als Instrument der → Organisationsentwicklung. QE fordert eine Organisation dazu auf, sich intern und extern darüber zu verständigen, welche konkreten und zukünftigen Ziele angestrebt und welche Standards erreicht werden sollen. Es geht darum, die vereinbarten Ziele zu operationalisieren und sie in konkrete Handlungsschritte umzusetzen und perspektivisch überprüfen zu können.

Auf einer übergeordneten und sehr verallgemeinernden Ebene kann Qualität vor diesem Hintergrund als die Erfüllung von Anforderungen und Erwartungen verstanden werden. QE ist demnach die (Weiter-)Entwicklung dieser Anforderungen und Erwartungen mit dem Anspruch, diese Entwicklungen regelgeleitet und systematisch umzusetzen. Im Bildungskontext verbindet sich damit der Gedanke, dass die damit einhergehenden Entwicklungsprozesse von möglichst vielen Mitarbeiter/innen einer Organisation getragen werden. Wichtig ist daher der Hinweis, dass eine gelungene QE von Kooperation und Kommunikation der Mitarbeitender/innen und der Einhaltung von Vereinbarungen lebt.

Aus einer professionstheoretischen Perspektive betrachtet geht es bei der QE von Bildungsdienstleistungen um die Entwicklung der Lern- und Bildungschancen von Teilnehmenden und Adressaten, also um die Organisation der Organisation von Bildungs- und Lernerfahrungen. Diese Perspektive verweist einmal mehr darauf, dass der Qualitätsbegriff und die damit verbundenen Inhalte, subjekt-, situations- und kontextbezogen sind. Ziele und Maßnahmen der QE sind beispielsweise an Theoriediskussionen und Befunde über das Lehren und Lernen einerseits sowie andererseits an die Rahmenbedingungen von Bildung gebunden. Qualitätsfragen in der EB/WB berühren deshalb immer drei Ebenen zugleich: die mikrodidaktische Ebene des Lernens und Lehrens, die Organisationsebene sowie die Systemebene (ordnungspolitische Steuerungen und Rahmungen).

Für Pädagog/inn/en sind Fragen nach der Qualität pädagogischer Arbeit nicht neu. Vielmehr gehört es zur pädagogischen Tradition, sich mit professionsbezogenem Wissen und Handeln, mit Blick auf deren Qualitätsgehalt, auseinanderzusetzen und eine Verbesserung im Sinne einer Weiterentwicklung anzustreben. Der Qualitätsdiskurs in der WB steht daher in engem Zusammenhang mit der Professionalisierungsdebatte. Neu für pädagogische Arbeitsfelder war im Zuge der Qualitätsentwicklungsdebatte jedoch die Intensivierung der Frage nach der Operationalisier- und Überprüfbarkeit erwachsenpädagogischen Wissens und Handelns.

Abschließend ist festzuhalten, dass sich im Alltag der Bildungseinrichtungen die Maßnahmen zur QE oft untrennbar mit den Verfahren des QM verbinden. QE wird daher, analog zu den Diskussionen im Bereich des QM, als möglicher Teil von Organisationsentwicklungsprozessen diskutiert. Ziel beider Ansätze ist es, Entwicklungsprozesse als Lernprozesse von Organisationen (Organisationslernen) anzustoßen und umzusetzen.

Literatur

  • Arnold, R.: Qualitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung. Opladen 1997

  • Behrmann, D./Schwarz, B. (Hrsg.): Integratives Qualitätsmanagement. Perspektiven der Praxis der Organisations- und Qualitätsentwicklung in der Weiterbildung. Bielefeld 2006

  • Nötzold, W.: Werkbuch Qualitätsentwicklung. Bielefeld 2002

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt