Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

Das Wörterbuch Erwachsenenbildung bündelt das gegenwärtige Wissen über Erwachsenenbildung. Es enthält über 300 Stichworte zu den Themenfeldern Didaktik und Methodik, Forschung und Wissenschaft, Geschichte und Entwicklung, Lernen und Erfahrung, Organisation und Profession, Politik und Recht sowie Theorien und Konzepte. Alle Artikel wurden von ausgewiesenen Fachleuten nach dem neuesten Stand der Diskussion verfasst. Sie sind urheberrechtlich geschützt.

Mehr über das Wörterbuch erfahren

Suchvorschläge:

Aufklapper schließen

Ekkehard Nuissl

Regionale Erwachsenenbildung

Das Prinzip der Regionen gewinnt im globalen Kontext immer stärker an Bedeutung. Regionen werden immer intensiver als diejenigen Gebilde entdeckt, in denen – nahe an den Menschen – Bildungs-, Arbeits- und Entwicklungsprozesse stattfinden und zielgerichtet beeinflusst und gesteuert werden können. Dies gilt auch für die WB.

Regionen wurden im Kontext von WB in Deutschland seit Anfang der 1990er Jahre zunächst aus zwei Perspektiven diskutiert: mit Blick auf die Schwierigkeiten der Realisierung von Weiterbildung als ländliche WB und mit Blick auf die Qualifizierung im Arbeitsmarkt als berufliche WB. Seit Mitte der 1990er Jahre wird die Regionalorientierung im weiteren Sinne als spezifischer Bezug zur Region und zum Wohnort definiert, aber auch als komplexere und vernetzte Struktur beruflicher Qualifizierung im Kontext von Bildung und Betrieb. Insb. im ersteren Bereich entwickelte sich immer stärker eine bildungsstrategische Orientierung, welche auf Gemeinwesenarbeit und partizipatorische, dezentrale und vernetzte Bildungsaktivitäten fokussierte. In der beruflichen Bildung wird immer stärker WB als Standortfaktor und Bestandteil regionaler Struktur- und Entwicklungspolitik gesehen (Nuissl 1995).

Ende der 1990er Jahre gewinnt die Kategorie der Region für die WB eine noch weitergehende Relevanz. Regionen werden als „Lernende Regionen“ definiert, in denen die einzelnen Akteure (Bildungseinrichtungen, Betriebe, Kultureinrichtungen, Verwaltungen, Verbände) in der Form lernender Systeme und arbeitender Netzwerke eine Regionalentwicklung betreiben. Diese Regionalentwicklung zielt insb. auf eine stärkere Identität der Region, eine stärkere Einbindung der Menschen in die Region, eine höhere Produktivität und ein höheres kulturelles und produktives Niveau der Region. Mit dem Programm „Lernende Regionen“, das, durch die Bundesregierung mit europäischer Unterstützung und in Zusammenarbeit mit den Ländern im Jahr 2001 initiert, eine Laufzeit bis 2008 hatte, konturierten sich immer stärker die Elemente einer r.EB. Es waren hauptsächlich Weiterbildungseinrichtungen, die in diesen modellhaften, regionalen Netzwerken die treibende Kraft übernahmen. Ziele der regionalen Netzwerke waren eine verbesserte Information und Transparenz zu Bildungsangeboten, der Aufbau von Bildungs- und Lernberatung, die intensive Kooperation von Betrieben, Schulen und Weiterbildung zur Verbesserung der Übergänge und des Erstellens gemeinsamer Angebote. Das Konzept der Lernenden Regionen basierte im Wesentlichen auf dem Instrument des Netzwerks, in dem die unterschiedlichsten Akteure der Region mit gemeinsamen Zielen zusammenarbeiten. Regionen wurden dabei offen anhand verschiedener Kriterien definiert, etwa historisch, sozial, ökonomisch oder geographisch. Im Ergebnis zeigte sich der Nutzen solch zielgerichteter Netzwerke, aber auch das Problem, die Arbeit der Netzwerke effektiv zu organisieren und zu steuern (Nuissl u.a. 2006).

Im übergeordneten europäischen Rahmen wird der Aspekt der r.EB noch weiter diskutiert als internationale Zusammenarbeit lernender Regionen, die auch voneinander lernen. In diesen Programmen und Projekten geht es um den Transfer von „best practice“ (etwa der Regelung von Übergängen von Schule zu Beruf) zwischen europäischen Bildungsregionen. Es ist zu beobachten, dass entgegen der zunehmenden Globalisierung immer neuer Lebensbereiche die Regionen wieder an Bedeutung gewinnen.

Literatur

  • Federighi, P. u.a.: Learning among Regional Governments. Bielefeld 2007

  • Klemm, U.: Ländliche Erwachsenenbildung im Umbruch. Ulm 1997

  • Nuissl, E.: Standortfaktor Weiterbildung. Bad Heilbrunn 1995

  • Nuissl, E. u.a. (Hrsg.): Regionale Bildungsnetze. Bielefeld 2006

Zurück zur Startseite

Das Buch zur Site

Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

» Buch online bestellen

Sie erhalten das Buch auch in Ihrer Buchhandlung!

Die Anbieter

Diese Seite ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, des Klinkhardt-Verlags und der UTB GmbH.

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist die zentrale Einrichtung für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung in Deutschland. Aus dem Institut stammen die Herausgeber des Wörterbuchs.

Der Klinkhardt-Verlag ist ein pädagogischer Fachverlag. Er hat die Entwicklung des Wörterbuchs verlegerisch betreut.

UTB ist ein Verlag für Lehr- und Studienbücher. Bei UTB ist die Druckausgabe des Wörterbuchs erschienen.

Zum Weiterlesen


Lade Daten...
Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Mehr im UTB-Shop!
 

utb GmbH

Industriestraße 2
D-70565 Stuttgart, Germany

Fon: +49 711 7 82 95 55-0
Fax: +49 711 7 80 13 76
utb(at)utb-stuttgart.de

Impressum
Datenschutzhinweise
Widerrufsbelehrung

Pfeil nach links Zurück zur Website

utb-Homepage

Zum UTB-Online-Shop

Vom Uni-Taschenbuch bis zur e-Learning-Umgebung: Das komplette utb-Angebot für Studierende, Dozenten, Bibliotheken und Buchhandel.

[Zur utb-Homepage]

utb-Online-Shop

Zum UTB-Online-Shop

Ob gedrucktes Buch oder digitale Ausgabe – im utb-Shop finden Sie alle utb-Titel übersichtlich sortiert.

[Zum utb-Shop]

utb bei Facebook

Zur UTB-Facebook-Seite

Gefällt mir! Die Facebook Seite von utb informiert Sie über unsere Aktivitäten. 

 [zur Facebook-Seite von utb]

utb auf Twitter

UTB-Tweed bei Twitter

Aktuelles für Studierende und Dozenten – hier melden wir, was es in der Hochschulwelt Neues gibt.

[Zum utb-Twitter-Tweed]

Eine Übersicht der Websites zu einzelnen utb-Titeln finden Sie auf der Links-Seite.

 

Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt