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André Schläfli

Schweizerische Erwachsenenbildung

In der Schweiz hat sich in den letzten Jahren ein integraler Weiterbildungsbegriff etabliert. Bis vor wenigen Jahren dominierte die Unterscheidung zwischen berufsorientierter und → allgemeiner WB. Das Bestreben, die Spaltung zwischen den zwei Bereichen zu überwinden, führte allmählich zu einer Annäherung auch auf begrifflicher Ebene. Heute werden die Begriffe EB und WB synonym verwendet. Inhaltlich entspricht der Begriff dem inzwischen international üblichen breiten Lernbegriff, welcher die drei Facetten formales, non-formales und informelles Lernen umfasst. Seit 2007 hat auch das Schweizerische Bundesamt für Statistik diese Begrifflichkeit übernommen und präsentiert seither die Daten der periodischen Teilnehmerstatistiken in diesen Begriffskategorien.

Ebenso wie im internationalen Kontext hat sich auch in der Schweiz das Paradigma des → Lebenslangen Lernens als wichtigster Orientierungsrahmen durchgesetzt. Auf politischer Ebene hinkt die Entwicklung noch etwas hinterher. Seit 2006 ist aber die Regelungskompetenz des Bundes für den gesamten Weiterbildungsbereich in der Bundesverfassung verankert. Ein entsprechendes Gesetz ist frühestens für 2011 zu erwarten. Bis es soweit ist, bleibt das Berufsbildungsgesetz die wichtigste Rechtsgrundlage für diesen Bildungsbereich. Das Gesetz regelt unter dem Stichwort „berufsorientierte Weiterbildung“ die WB der meisten Berufe; davon ausgenommen sind die universitäre WB und Bildungsangebote im Rahmen arbeitsmarktlicher Maßnahmen, welche separat geregelt sind.

Die Teilnahmequote der Schweizer Wohnbevölkerung beträgt bei der non-formalen WB knapp 40 %, werden nur die Kursbesuche einbezogen, sinkt die Quote auf 34 %. Wenn man formales, non-formales und informelles Lernen berücksichtigt, so sind insgesamt jedoch fast 80 % der Bevölkerung weiterbildungsaktiv. Dabei bestehen relativ große Unterschiede zwischen hoch Qualifizierten und Personen ohne nachobligatorische Ausbildung.

Angeboten wird die non-formale WB in der Schweiz zu rund 80 % von privaten Trägerschaften. An öffentlichen Schulen finden nur rund 20 % der Kursstunden statt. Die übrigen vier Fünftel werden von privaten Schulen (20 %), Arbeitgebern (20 %), Vereinen, Verbänden, Gewerkschaften, gemeinnützigen Institutionen (30 %) oder freien Trainer/inne/n (10 %) durchgeführt. Der Markt ist etwas unübersichtlich, aber vielfältig und deckt insgesamt die Bedürfnisse gut ab. Lücken bestehen in Bereichen, die sich an benachteiligte Zielgruppen richten, so beispielsweise bei Angeboten für Personen mit Defiziten in den Grundkompetenzen. Bestrebungen, dies zu ändern, sind in Gang, haben aber politisch einen schweren Stand.

Größere Entwicklungen fanden in den letzten Jahren u.a. im Bereich Qualitätssicherung statt. Inzwischen hat sich das speziell auf Weiterbildungsanbieter zugeschnittene Qualitätslabel „eduQua“ mit ca. 1000 qualifizierten Anbietern etabliert. Ebenfalls stark entwickelt hat sich die Professionalisierung des Weiterbildungspersonals. Dessen Ausbildung geschieht in der Schweiz vorwiegend auf nicht-akademischem Weg. Im vom Schweizerischen Verband für Weiterbildung entwickelten System haben bereits 20.000 Ausbilder/innen die erste Stufe, das SVEB-Zertifikat, und ca. 5.000 den nationalen Fachausweis (2. Stufe) absolviert. Mit einer Ausnahme (Universität Genf) kann EB an den Hochschulen nicht als eigenständige Fachrichtung studiert werden.

Aktuell macht sich die allgemeine Tendenz zur Internationalisierung der Bildung auch in der Schweiz bemerkbar. Die → Bologna-Reform ist bereits umgesetzt, beim Kopenhagen-Prozess sind die Vorbereitungen ebenfalls in Gang, und es zeigen sich verstärkte Tendenzen zu bilateralen Kooperationen von Bildungsanbietern mit Organisationen der Nachbarländer. Aufgrund der bilateralen Verträge der Schweiz mit der EU sind Schweizer Organisationen auch in Forschungs- und Bildungsprojekte der EU involviert.

Das Thema WB ist in der öffentlichen Diskussion zurzeit relativ präsent, was vor allem auf die anstehende Entwicklung des ersten nationalen Weiterbildungsgesetzes zurückzuführen ist. Dabei steht auch der Weiterbildungsbegriff selbst zur Diskussion, wobei prinzipiell Konsens herrscht, dass der Begriff breit und in Übereinstimmung mit dem Paradigma des Lebenslangen Lernens zu verwenden sei. Zu Diskussionen Anlass gibt aber immer wieder die politische Tendenz, Bereiche der WB, die nicht explizit berufsorientiert sind, von der öffentlichen Förderung auszuklammern. Diese Bereiche entsprechen im Großen und Ganzen dem, was früher als allgemeine EB bezeichnet wurde. Man muss daher von einer Tendenz sprechen, WB auf der Begriffsebene weit zu fassen, auf politischer Ebene aber implizit wieder zu verengen. Einfacher liegen die Verhältnisse bei den Trägern von WB: Diese haben längst auf die veränderte Realität der Wissensgesellschaft reagiert und ihre Angebote inhaltlich wie strukturell am → Lifelong Learning ausgerichtet.

Literatur

  • Bundesamt für Statistik: Indikatoren zur Weiterbildung 2007. Neuchâtel 2007

  • Schläfli, A./Sgier, I.: Porträt Weiterbildung Schweiz. Bielefeld 2007

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt