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Sigrid Nolda

Sprache

S. und EB sind auf philosophischer Ebene bei der Frage nach dem Wesen der → Erwachsenenbildung, auf didaktischer Ebene bei dem Problem des Zugangs zur S. der Lerngegenstände ( → Didaktik), auf empirischer Ebene bei der Erforschung der S. der → Teilnehmenden miteinander verbunden. Daneben geht es aber auch um S. als Lerngegenstand und nicht zuletzt um die von der EB selbst verwendeten S.

Unter Rückgriff auf die romantische Sprachphilosophie W. von Humboldts kann S. als Individualität und Sozialität zugleich verkörperndes Medium gesehen und die gegenseitige Abhängigkeit von Sprechen und Denken begründet werden. Daneben ist die von J. Habermas vertretene Kommunikations- und Diskurstheorie (Kommunikation, → Diskurs) von großem Einfluss auf die um Verständigung zwischen unterschiedlichen → Gruppen und Positionen bemühte EB gewesen. Angestrebt wird dabei nicht der – letztlich utopische – „herrschaftsfreie Diskurs“, „sondern → Perspektivverschränkung, die in öffentlicher Auseinandersetzung gesucht wird“ (Schlutz 1984). Die moderne pragmatische und auf Texteinheiten ausgerichtete S.wissenschaft ist zur Fundierung der von den → Bezugswissenschaften Soziologie und Psychologie bestimmten Theorie der EB kaum herangezogen worden (Nolda 1989).

Das Problem der Lernschwierigkeiten verursachenden S. der Lerngegenstände wird meist noch als Gegensatz zwischen Wissenschafts- und Alltagss. gefasst. Dabei geht es weniger um vertikale → Popularisierung als um die Gegenüberstellung wissenschaftlicher Sprach- und Denkformen mit solchen des → Alltags, um die Vermittlung des Umgangs mit ungewohnten Abstraktionen, Explizierungen und um Präzision bemühten Terminologien. Die Durchdringung des Alltags mit wissenschaftlichem → Wissen einerseits und die Relativierung dieses Wissens andererseits haben das Problem der Transformation insofern verändert, als eine starre Gegenüberstellung und eine Hierarchisierung hinfällig geworden sind. Wie EB darauf reagiert und reagieren sollte, kann auf der Basis empirischer Untersuchungen geklärt werden, die die verbale → Interaktion in entsprechenden → Veranstaltungen erfassen. Das Interesse lag zunächst im Anschluss an das Sprachbarrierenmodell von B. Bernstein auf der Schichtspezifik sprachlicher Äußerungen und hat sich dann unter dem Einfluss der feministischen Linguistik (Nolda 1995) auf die Geschlechtsspezifik verschoben. In beiden Fällen hat es Versuche gegeben, die S. von Benachteiligten, d.h. den restringierten Code von Angehörigen der Unterschicht, bzw. das weibliche, den Beziehungsaspekt betonende Sprechen entweder zu idealisieren oder zu verändern. Primär dient die Beschäftigung mit der S. der Teilnehmenden, die auf Überlegungen der Weimarer EB zurückgeht, als Grundlage für eine didaktische Bearbeitung von damit zusammenhängenden möglichen Lern- und Verständnisproblemen.

Als Lernobjekt wird S. in der EB mittlerweile vor allem in Form von → Alphabetisierungskursen, sog. Integrationskursen für Migrant/inn/en und Rhetorikkursen für Muttersprachler/innen (Schlutz 1995) angeboten. Hier ist der Versuch erkennbar, über sprachliche Bildung gesellschaftliche → Inklusion zu fördern.

S. ist aber nicht nur als Medium und Objekt von EB zu sehen, ihre Analyse kann auch auf diese selbst bezogen werden. Hier ist zu unterscheiden zwischen der kritischen Betrachtung jeweils aktueller Begriffe (Nolda 1996) und diskursanalytischen Untersuchungen, die in Anlehnung an die Diskurstheorie von Foucault den → Diskurs der Wissenschaft, der Bildungspolitik und der Praxis der EB analysieren (Wrana 2003).

Literatur

  • Nolda, S. (Hrsg.): Sprachwissenschaft als Bezugswissenschaft der Erwachsenenbildung. Bad Heilbrunn/Obb. 1989

  • Nolda, S.: Frauensprache – Männersprache als Problem der Erwachsenenbildung. Anmerkungen zur Rezeption wissenschaftlichen Wissens. In: Hessische Blätter für Volksbildung, H. 3, 1995

  • Nolda, S.: Begriffskarrieren und Rezeptionsbarrieren in der Erwachsenenbildung. In: Zeitschrift für Pädagogik, H. 4, 1996

  • Schlutz, E.: Sprache, Bildung und Verständigung. Bad Heilbrunn/Obb. 1984

  • Schlutz, E.: Sprachbarrieren und Sprachbildung – angesichts der Alltagsorientierung der Erwachsenenbildung kein Thema mehr? In: Hessische Blätter für Volksbildung, H. 3, 1995

  • Wrana, D. (2003): Lernen lebenslänglich. Die Karriere lebenslangen Lernens. Eine gouvernementalitätstheoretische Studie zum Weiterbildungssystem. URL: www.copyriot.com/gouvernementalitaet/pdf/wrana.pdf (Stand: 15.11.2009)

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt