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Heiner Barz

Adressatenforschung

Ziel der A. ist es, u.a. für die → Programm- und Angebotsplanung verwertbare Informationen über die Interessen und Einstellungen potenzieller → Teilnehmender der EB zu erhalten. Faktisch finden sich explizit und ausschließlich auf Adressaten statt auf → Teilnehmende gerichtete Forschungsaktivitäten indessen nur vereinzelt. Folglich taucht die A. auch häufig in begrifflicher Koppelung als „Teilnehmer- und Adressatenforschung“ auf. Diese wiederum steht in engem Zusammenhang mit der Zielgruppenentwicklung: In den 1970er und 1980er Jahren kam es zu vielfältigen Bemühungen um emanzipatorische „Zielgruppenarbeit“, die sich besonders den Gruppen der sozial Benachteiligten, den Ausländer/inne/n, Deklassierten, Arbeitslosen, Behinderten, Analphabet/inn/en, den Frauen und den Senior/inn/en zuwandte. Inzwischen hat sich die Teilnehmer- und Adressatenforschung aus der Orientierung auf tatsächliche oder vermeintliche Problemgruppen gelöst und sich insb. unter Bezug auf das Modell der sozialen Milieus für die Beschreibung der Weiterbildungsorientierungen und -barrieren aller Bevölkerungsgruppen geöffnet.

Nach Anfängen als „Hörerforschung“ bereits im späten 19. Jh. gibt es seit den 1950er Jahren intensivierte Bemühungen, Daten zum soziodemographischen und sozioökonomischen Status der Teilnehmenden und Adressaten, aber auch über Lernpräferenzen und Bildungsbarrieren zu generieren. Die „Göttinger Studie“ (Strzelewicz/Raapke/Schulenberg 1966) greift das soziologische Paradigma am konsequentesten auf und interpretiert die Bildungsaspirationen sowie die konkreten Teilnahmebereitschaften und Einstellungen zur EB vor dem Hintergrund sozialstruktureller Differenzierung. Für die noch nicht erreichten Adressaten der Volkshochschule etwa wird pointiert festgehalten: „Mit geringer Wahrscheinlichkeit (ist) aktiver Volkshochschulbesuch zu erwarten bei einer Arbeiterin: Ende fünfzig, verwitwet, Volksschule, katholisch, mit geringem Lohn, in einem Dorf in Rheinland-Pfalz lebend“ (Strzelewicz/Raapke/Schulenberg 1966). Bereits damals wurde auf die Diskrepanz zwischen einem hohen Bekanntheitsgrad der Volkshochschulen und einer oft distanzierten Einstellung hingewiesen. Auch die Entdeckung der sog. Weiterbildungsschere, die besagt, dass zwar ein verbales Bekenntnis zur Notwendigkeit von WB in allen Gesellschaftsschichten anzutreffen ist, die reale Weiterbildungsaktivität jedoch stark von der Schichtzugehörigkeit bestimmt wird, wurde schon in den 1970er Jahren formuliert.

Mit der Fortentwicklung der Sozialstrukturanalyse zur Lebensstilforschung und der Entwicklung empirisch gesättigter Milieubeschreibungen steht ein neues Konzept für die A. zur Verfügung, das seit den 1990er Jahren als → Milieuforschung in der WB fruchtbar wurde. Während die theoretischen Debatten sich am Individualisierungstheorem abarbeiten, sich auf individuelle Aneignungsprozesse fokussieren, die „Biographizität“ jeglicher Bildungskarrieren postulieren oder den „Teilnehmer als Konstrukt“ dekonstruieren, stehen aus der Forschungslinie „Soziale Milieus und Weiterbildung“ (Barz/Tippelt 2004- 2008) inzwischen detaillierte und materialreiche Analysen des Weiterbildungsverhaltens, der Weiterbildungsinteressen, der Weiterbildungsbarrieren und der Herausforderungen an Marketing, Didaktik und Ambiente aus der Sicht der verschiedenen Milieus zur Verfügung. Daneben finden sich in den 2000er Jahren weiterhin Studien zu Frauen ( → Gender und Erwachsenenbildung) oder – in jüngster Zeit vermehrt, induziert durch die „demographische Zeitbombe“ – zu Senior/inn/en ( → Altersbildung), während der Migrant als Adressat von WB von der Forschung noch kaum entdeckt ist.

Literatur

  • Barz, H./Tippelt, R. (Hrsg.): Weiterbildung und soziale Milieus in Deutschland, 3 Bde. Bielefeld 2004-2008

  • Strzelewicz, W./Raapke, H./Schulenberg, W.: Bildung und gesellschaftliches Bewußtsein. Eine mehrstufige soziologische Untersuchung in Westdeutschland. Stuttgart 1966

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt