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Edgar Sauter

Berufliche Weiterbildung

Grundlage für bisherige Ansätze, b.WB zu definieren, ist der Weiterbildungsbegriff des Deutschen Bildungsrates von 1970. In Anlehnung an die Bildungsratsformulierung definierte die BLK: „Weiterbildung ist die Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluß einer ersten Bildungsphase und nach Aufnahme einer Berufstätigkeit“ (BLK 1974). Diese Definition orientiert sich an der „klassischen“ WB, die in Form von Lehrgängen, Kursen und Seminaren durchgeführt wird. Sie wurde mit der Intention entwickelt, die WB als einen gleichwertigen Teilbereich, d.h. als die „vierte Säule“ in das Bildungswesen zu integrieren. Während die Weiterbildungsdefinition an der Einheit von beruflicher und nicht-beruflicher (allgemeiner und politischer) Bildung orientiert ist, verzichtet die b.WB auf diesen begrifflichen Integrationsanspruch. Wichtige Definitionselemente sind darin zu sehen, dass informelle Lernprozesse, wie z.B. solche im Rahmen der Arbeit, ausgeschlossen werden, beim Zugang zur WB („Aufnahme der Berufstätigkeit“) aber auf die Bildungswirksamkeit der Arbeit gesetzt wird.

B.WB ist von ihren Aufgaben her nicht auf das Bildungssystem begrenzt, sondern mit zahlreichen Handlungsfeldern verknüpft, wie z.B. mit der Arbeitsmarktpolitik oder der betrieblichen Personal- und Organisationsentwicklung. Von diesen Anwendungsfeldern her ergeben sich weitere definitorische Ansätze: Unter b.WB im betrieblichen Kontext werden z.B. alle betrieblich veranlassten oder finanzierten Maßnahmen verstanden, die dazu dienen, beruflich relevante Kompetenzen der Mitarbeiter/innen oder des Unternehmers zu erhalten, anzupassen, zu erweitern oder zu verbessern. B.WB umfasst damit auch die Formen des arbeitsintegrierten Lernens (z.B. Qualitätszirkel). Von diesem erweiterten Verständnis b.WB gibt es fließende Übergänge zu den Konzepten der Kompetenzentwicklung und des → Lebenslangen Lernens.

Für b.WB im engeren Sinne ist nach wie vor die ordnungspolitisch motivierte Begrifflichkeit nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) relevant. Berufliche Fortbildung bzw. WB und berufliche Umschulung sind, in strikter Abgrenzung vom Bereich beruflicher Erstausbildung, an Abschlüssen und Prüfungen orientiert. Die ursprünglich im (ordnungsrechtlich regelnden) BBiG und dem (förderrechtlich regelnden) ehemaligen Arbeitsförderungsgesetz (AFG) einheitliche Terminologie „berufliche Fortbildung/berufliche Umschulung“ wurde zwar im Förderungsrecht (nach SGB III) zugunsten der b.WB aufgegeben, in der Sache orientiert sich das Förderungsrecht nach wie vor am ordnungspolitischen Konzept des BBiG. B.WB reflektiert so die begrifflichen und institutionellen Traditionen des deutschen Bildungssystems. Niedergeschlagen hat sich das auch in der empirischen Erfassung der b.WB durch das seit 1979 regelmäßig durchgeführte Berichtssystem Weiterbildung (BSW).

Im europäischen Rahmen setzen sich die Vorstellungen eines lebenslangen bzw. lebensbegleitenden Lernens durch, die auch die deutsche Weiterbildungslandschaft zunehmend prägen. Zu den wichtigsten Elementen, in denen diese europäische Dimension in der WB sichtbar wird, gehören z.B. fließende Übergänge zwischen Erstausbildung und WB, die Modularisierung des Bildungsangebots und die wachsende Bedeutung des selbstgesteuerten und selbstorganisierten Lernens.

Vor diesem Hintergrund unterscheidet das europäische Berichtssystem Adult Education Survey (AES), das einen statistischen Gesamtrahmen für vergleichende Ergebnisse auf EU-Ebene liefert, drei Hauptformen des Lernens im Erwachsenenalter: „formal education“ (reguläre Ausbildungsgänge), „non-formal education“ (organisierte Weiterbildungsmaßnahmen) und „informal education“ (informelle WB/Selbstlernen). Dem deutschen Begriff der WB entspricht am ehesten die Kategorie „non-formal education“.

Literatur

  • BLK (Hrsg.): Bildungsgesamtplan, Bd. 1. Stuttgart 1974

  • Kuwan, H. u.a.: Berichtssystem Weiterbildung IX. Integrierter Gesamtbericht zur Weiterbildungssituation in Deutschland. Durchgeführt im Auftrag des BMBF. Berlin/Bonn 2006

  • Sauter, E.: Berufliche Weiterbildung. In: Cramer, G./Schmidt, H./Wittwer, W. (Hrsg.): Ausbilder-Handbuch. Loseblattwerk. Neuwied 2008

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt