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Albert Raasch

Sprachenzertifikate

S. sind Bescheinigungen für erbrachte sprachliche Leistungen. Sie unterscheiden sich von Noten oder Zeugnissen dadurch, dass sie nicht an einen schulischen Kontext gebunden sind. Sie beziehen sich nicht auf die Leistungen der Gruppe/Klasse, dienen nicht der Selektion, sind unabhängig von subjektivem Lehrerurteil und haben ihre Grundlage in objektivierter Leistungsmessung. In Deutschland wurde dieser innovative Ansatz für Fremdsprachen insb. in den Volkshochschulen entwickelt; nacheinander wurden diese Arbeiten seit 1966/67 im Bayerischen Volkshochschulverband, in der Pädagogischen Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschulverbandes (PAS), in der Prüfungszentrale der PAS, in der International Certificate Conference (ICC), in der Weiterbildungs-Testsysteme GmbH und jetzt in TELC (The European Language Certificates) durchgeführt.

Goethe-Institut, Cambridge University, Alliance Française, Instituto Cervantes usw. haben ihrerseits Sprachprüfungen entwickelt und vergeben Sprachenzertifikate. Die Einführung der S., und damit der Zertifikatsprüfungen, prägt den Sprachunterricht in der EB in mehrfacher Hinsicht:

  • Die der Zertifizierung von Sprachleistungen zugrunde liegende Leistungsmessung ist unabhängig von (subjektiven) Lehrerbeurteilungen, unabhängig auch von nationalen Notentraditionen und daher besonders erwachsenengemäß und auch „europaorientiert“.

  • Das durchgängige Zertifizierungsangebot fördert die Gliederung des Lehr-Lernprozesses und damit dessen Transparenz, unterstützt also die Lernberatung.

  • Leistungskontrollen und die darauf aufbauende Erstellung von Leistungsprofilen fördern das selbstständige Lernen.

  • Die S. bescheinigen Leistungen in international „lesbarer“ (d.h. definierter) Form und eignen sich daher besonders zur Förderung der beruflichen Mobilität.

  • Die Einführung des Zertifikatssystems hat entscheidend beigetragen zu Lerner- und Lernzielorientierung der Sprachkursangebote, zur Modularisierung der Sprachkursangebote, zu einer Verknüpfung mit der europäischen Entwicklung (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen, Europäisches Sprachenportfolio) sowie zur Internationalisierung der Sprachenzertifikate.

Für die Volkshochschulen waren Zertifikate von Anfang an (seit 1967) ein Instrument der Qualitätssicherung. Anpassungen an sich ändernde Qualitätsbegriffe waren vor allem in drei Richtungen notwendig. Erstens: Die Beschreibung von Sprache führte von einer Schwerpunktsetzung im Bereich der sprachlichen Formen (in den 1960er Jahren) über die Berücksichtigung der situativen Einbettung sprachlicher Äußerungen (in den 1970er und 1980er Jahren) hin zu der Auffassung von Sprache als partnerschaftlich zu schaffendem Produkt (Diskurs) und verantwortungsvollem Handeln. Zweitens: Konzeptionen von Prüfungsverfahren ändern sich: Prüfungen haben sich befreit von der früheren Nähe zu Übungen; sie haben sich in den 1960er und 1970er Jahren stark identifiziert mit den Ansprüchen an Objektivität der Leistungsmessung, während sie heute versuchen, die Kreativität und die soziale Komponente des Sprachgebrauchs möglichst nicht einzuengen. Mit den Änderungen der Gütekriterien zeigt sich eine deutliche Entwicklung von der Erhebung isolierter und oft kontextloser zur Umsetzung ganzheitlicher Auffassungen von Sprache auch im Test (und nicht nur im Unterricht). Drittens: Erwartungen und Bedürfnisse der Teilnehmenden haben sich geändert: VHS-Sprachkurse, die bis ca. 1970 größtenteils entweder sozialen Bedürfnissen (Kontakt mit anderen Menschen) oder Bildungsinteressen entsprochen hatten, öffneten sich der beruflichen Verwendung von Sprachkenntnissen sowie der gezielten Förderung instrumenteller Kenntnisse z.B. für touristische Zwecke. Diese vier Orientierungen der Lernbedürfnisse bestimmen in unterschiedlicher Gewichtung derzeitig auch das VHS-Sprachenangebot.

Gegenwärtig wird intensiv die bislang noch offene Frage diskutiert, ob, wie und wieweit interkulturelle Kompetenzen beschreibbar, prüfbar und zertifizierbar sind. Die S. waren und sind für die Volkshochschulen ferner ein Weg in eine vielfältige internationale Kooperation.

Die Entwicklung und Fortschreibung der Zertifikate hat über die Innovationen im engeren Bereich der Sprachprüfungen hinaus erhebliche Auswirkungen auf die Definition von Lernzielen, die Methodik der Sprachvermittlung, die Bestimmung der Qualifikationsprofile für Lehrende, die Sensibilisierung für zielgruppenorientiertes Lernen u.a. gehabt. Qualitätskontrollen werden auch in Zukunft die angemessene Fortschreibung der Zertifikatsqualität zu prüfen haben.

Literatur

  • Bolton, S.: Leistungsmessung. Theoretische Grundlagen und Gütekriterien. In: Burwitz-Melzer, E./Solmecke, G. (Hrsg.): Niemals zu früh und selten zu spät: Fremdsprachenunterricht in Schule und Erwachsenenbildung. Festschrift für Jürgen Quetz. Berlin 2005

  • Grotjahn, R.: Prüfen – Testen – Bewerten. In: Jung, U.O.H. (Hrsg.): Praktische Handreichung für Fremdsprachenlehrer. Frankfurt a.M. u.a. 2006

  • Lazar, I. u.a.: Developing and Assessing Intercultural Communicative Competence – A guide for language teachers and teacher educators. Straßburg 2008

  • Raasch, A.: Sprachenzertifikate. In: Hallet, W./Königs, F.: Handbuch Fremdsprachendidaktik. Hannover 2009

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt