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Rainer Brödel

Staatliche Weiterbildungsförderung

Im Grundsatz ist die s.W. unbestritten. Unterschiedliche Auffassungen bestehen jedoch über das Ausmaß und den Modus seiner Praktizierung, wobei die entsprechenden Programmatiken einem zeitlichen Wandel unterliegen. Als Einflussfaktoren gelten unterschiedliche fiskalische Spielräume, Veränderungen in der staatlichen Problemwahrnehmung und die Konjunkturbedingtheit übergreifender Gesellschaftspolitiken. Generell legitimiert sich s.W. als Korrektiv gegenüber den Defiziten einer rein marktförmig strukturierten oder allein auf Privatinitiative beruhenden WB.

Mit der Weimarer Reichsverfassung wurde in Art. 148, Abs. 4 die s.W. erstmals als Aufgabe von Verfassungsrang anerkannt. Heute verweist der Begriff s.W. auf die Weiterbildungsausgaben von Bund, Ländern und EU. Die Kommunen fungieren zwar als ein bedeutsamer Finanzier, vor allem der Volkshochschulen (Kuhlenkamp 2006), werden aber nicht der staatlichen Sphäre zugerechnet. Ähnlich verhält es sich mit der Bundesagentur für Arbeit, deren stark rückläufige Weiterbildungsförderung sich vorwiegend aus Beiträgen der Sozialpartner speist.

Zwischen einem engen und weiten Verständnis s.W. ist zu unterscheiden. Im ersten Fall unterstützen vor allem die Länder die finanzielle Realisierung von Weiterbildungsangeboten und/oder es werden öffentlich anerkannte Weiterbildungseinrichtungen als Infrastruktur → lebenslangen Lernens gefördert. Dies geschieht im Rahmen der Kulturhoheit in den meisten Ländern mittels spezieller Erwachsenenbildungs- oder → Weiterbildungsgesetze, die einen strukturprägenden Einfluss auf das Bildungsgeschehen nehmen (wollen). Die übrigen Länder fördern die allgemeine, politische und kulturelle EB rechtlich per Verordnung und jährlichem Haushaltsgesetz. Darüber hinaus existiert eine zweite – gewichtiger gewordene – Form der s.W., wo der am Bildungsbegriff orientierte Fördergedanke hinsichtlich des organisierten Erwachsenenlernens nicht mehr explizit gegeben ist und der Staat in diversen Politikfeldern mit dem Instrumentarium der WB tätig wird. Hier ließe sich aufgrund der Nachrangigkeit von Bildung als personalem und gesellschaftlichem Eigenwert von einer „sekundären“ s.W. sprechen (Brödel 1997).

Infolge eines seit den 1990er Jahren stark rückgängigen Förderungsvolumens der primären s.W. und eines damit verbundenen Gestaltungsverlusts der Erwachsenenbildungsgesetze gewinnt das Subsidiaritätsprinzip in Form der Beteiligung der → Träger bei der Finanzierung der Bildungsarbeit wieder an Bedeutung. Allerdings ist auch hier dem allgemeinen Kürzungstrend folgend das Engagement der gesellschaftlichen Großorganisationen rückläufig. Zu beobachten ist daneben eine Zunahme der Mischfinanzierung im öffentlichen Weiterbildungsbereich, indem verstärkt EU-Mittel zur Ko-Finanzierung von Weiterbildungsaufgaben eingeworben werden. Eine weitere Entwicklung, die aus der rückläufigen s.W. resultiert, äußert sich in stark angestiegenen individuellen Weiterbildungsaufwendungen für die → Teilnehmenden.

Entgegen der ursprünglichen Programmatik von öffentlicher WB, die nach dem Reformverständnis der 1970er Jahre auf die Bündelung weiterbildungsrelevanter Zuständigkeit und Ressourcen in einem Ressort abzielt, hat sich schrittweise eine Diversifizierung der Weiterbildungsförderung durchgesetzt. Diese betrifft heute sowohl die s.W. selbst als auch die akut gewordene Frage der angemessenen Lastenverteilung bei den Weiterbildungskosten zwischen Staat, Betrieben und Individuen.

Als eine neuartige Aufgabe s.W. zeichnet sich seit dem Jahr 2008 die Einführung eines gesetzlich geförderten Weiterbildungssparens ab. Laut gutachtlicher Empfehlung soll dieses durch Erweiterung des bereits bestehenden und – vom „Prämiensparen“ – bekannten Vermögensbildungsgesetzes institutionalisiert werden können (Rürup/Kohlmeier 2007). In Anbetracht abnehmender staatlicher wie betrieblicher Weiterbildungsausgaben ist das Hauptziel die Stärkung der Beschäftigungsfähigkeit des Einzelnen mittels individuellen monetären Weiterbildungsengagements. Dabei geht es nicht allein um eine erhöhte Elastizität des Ressourcenmanagements bei einer erforderlich werdenden Eigenfinanzierung von Bildungsvorhaben. Darüber hinaus symbolisiert die Innovation regelmäßigen Bildungssparens einen ordnungspolitischen Richtungswechsel zur weiterbildungsspezifischen „Finanzierungsverantwortung“ (ebd.) des Erwerbsarbeitssubjekts.

Auf der gesetzestechnischen Ebene bezieht sich Bildungssparen auf die finanzielle Vorsorge hinsichtlich der Teilnahme am institutionalisierten Erwachsenenlernen. Nach bisheriger Regelung besteht eine Zweck- oder Verwendungsbindung des angesparten Bildungskapitals für die Begleichung der direkten Weiterbildungskosten (hauptsächlich Teilnahmegebühren), wobei der Schwerpunkt beim Besuch von Bildungsmaßnahmen ausschließlich allgemeinen beruflichen Inhalts sein muss. Individuelle s.W. erfolgt hier vor allem in Form der Gewährung einer einkommensabhängigen Weiterbildungsprämie in Höhe von 154 Euro. Davon erhofft sich die Bildungspolitik gerade für finanzschwache und bildungsferne Gruppen einen Mobilisierungseffekt zur Erhöhung der Bildungsbeteiligung. Auch die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Weiterbildungsdarlehen ist vorgesehen.

Literatur

  • Brödel, R.: Strukturwandel staatlicher Weiterbildungsfinanzierung: In: Ders. (Hrsg.): Erwachsenenbildung in der Moderne. Opladen 1997

  • Brödel, R./Yendell, A.: Weiterbildungsverhalten und Eigenressourcen. Bielefeld 2008

  • Kuhlenkamp, D.: Finanzielle Ressourcen zur Teilhabe an Weiterbildung. In: Forneck, H./Wiesner, G./Zeuner, C. (Hrsg.): Teilhabe an der Erwachsenenbildung und gesellschaftliche Modernisierung. Baltmannsweiler 2006

  • Rürup, B./Kohlmeier, A.: Wirtschaftliche und sozialpolitische Bedeutung des Weiterbildungssparens. Gutachten im Auftrag des BMBF. Berlin/Bonn 2007

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt