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Peter Faulstich

Supportstrukturen

Angesichts der durch Umfangswachstum und Aufgabenvielfalt gestiegenen Intransparenz der → Programme und → Institutionen hat sich eine vorgelagerte Ebene von Dienstleistungen für die EB herausgebildet. Information, Qualitätssicherung ( → Qualitätsmanagement), Personalqualifizierung ( → Professionalität), Statistik und Forschung werden als unterstützende Funktionen wichtiger und als S. institutionalisiert. Seit Ende der 1980er Jahre sind so in der Bundesrepublik Deutschland vermehrt infrastrukturelle Leistungen im Vorfeld der Bildungsmaßnahmen entstanden.

Dahinter steht ein verändertes Konzept bezogen auf die Regulationsmechanismen des Systems von WB. Die Einschätzung, dass den Bedeutungen von WB in einer vielfältigen Institutionen- und Programmlandschaft dadurch Rechnung getragen wird, indem sich Bemühungen verstärkt auf den Ausbau und die Stabilisierung unterstützender Aufgaben richten, wurde – bezogen auf das Spannungsverhältnis von WB und → öffentlicher Verantwortung – mit dem Vorschlag, solche Vorleistungen unter dem Begriff S. zusammenzufassen (Faulstich u.a. 1991), aufgenommen. Damit wurde eine Dimension in die weiterbildungspolitische Diskussion eingebracht, welche verschiedene Aspekte kombiniert: die Notwendigkeit solcher den unmittelbaren Aktivitäten vorgelagerten Leistungen; die funktionelle Trennung und Verzahnung unterstützender Leistungen; deren institutionelle Organisation; die Finanzierung solcher unterstützenden Leistungen.

Ab einem gewissen Grad der Häufigkeit und der Komplexität von S. setzen Arbeitsteilung und möglicherweise institutionelle Differenzierungen ein. Das → Weiterbildungssystem wird reflexiv und erzeugt Leistungen für seine eigene Stabilität. Dabei werden vor allem folgende Funktionen als sinnvoll angesehen:

  • Information über Weiterbildungsangebote (z.B. Erstellung und Verwaltung von Datenbanken, Verbreitung von Broschüren, Auskunft über Veranstaltungen u.a.),

  • Beratung der Adressaten und Teilnehmenden, der Abnehmer/innen und der Weiterbildungsträger,

  • Qualitätssicherung und Evaluationsansätze von Weiterbildungsangeboten,

  • weitere Aufgaben der Curriculum- und Materialentwicklung, der Personalqualifizierung, der Statistik, der empirischen Analyse, Management von Institutionen und Infrastrukturen.

Die Diskussion um S. hat vor allem dadurch Aktualität erhalten, dass sich veränderte Sichtweisen des Verhältnisses von politischem System und WB durchsetzen. Dabei wird auch die Rolle des Staates in einer neuen Perspektive gesehen. Im Konzept „mittlerer Systematisierung“ (Faulstich u.a. 1991) ist die Besonderheit des Weiterbildungsbereichs unterstrichen worden, die gegenüber anderen Teilen des Bildungswesens auch darin besteht, dass staatliche Trägerschaft nur partiell greift. Von daher werden trägerübergreifende Aufgaben nicht mehr selbstverständlich staatlichen Funktionen zugeordnet. Gleichzeitig ist aber deutlich geworden, dass eine marktmäßige Organisation der Weiterbildungslandschaft zu spezifischen Problemen führt. Gemessen an den Interessen der Adressaten sind deshalb Vorleistungen notwendig, um WB zugänglich und erreichbar zu machen.

Diese Diskussion ist bundesweit aufgegriffen worden und hat zu verschiedenen Aktivitäten geführt. Dabei sind die konkreten Institutionalisierungsformen sehr unterschiedlich erfolgt. Es gibt zum einen Aktivitäten in einzelnen Bundesländern, wie z.B. in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und verschiedene Ansätze in Bremen, Baden-Württemberg, Hessen. Zum anderen gibt es Ansätze bei einzelnen Weiterbildungsträgern selbst, welche bezogen auf ihre Angebote gleichzeitig auch Vorleistungen einbringen. Darüber hinaus sind verschiedene Initiativen entstanden, entsprechende Funktionen zu bündeln, entweder regional, wie z.B. in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder in Hamburg. Branchenmäßig werden in gemeinsamer Trägerschaft verschiedener Institutionen die notwendigen Aufgaben erfüllt, wie z.B. im Zusammenhang der MBA-Aktivitäten (Master of Business Administration) oder des Konzepts OTA (Open Training Association). Diese Ansätze haben unterschiedliche Reichweiten. Hoher Konsens besteht hinsichtlich → Beratung und Information sowie bezogen auf Qualitätssicherung.

Die wichtigsten Supportbereiche sind Beratung, Informationssysteme und Qualitätssicherung.

Beratung: Die Diskussion um Weiterbildungsberatung wurde bereits seit den 1970er Jahren intensiviert. Sie betont die Notwendigkeit, Adressaten gezielt anzusprechen, zu informieren und zu motivieren. Es ist unter Experten unbestritten, dass auch in Verbindung mit Datenbanken Beratungstätigkeit notwendig ist, um die „Endabnehmer“ tatsächlich mit Informationen zu versorgen. Die Information über WB kann nicht auf einen unmittelbaren Kontakt mit ihren Klient/inn/en verzichten, da es sich bei Weiterbildungsangeboten um ein erklärungsintensives „Produkt“ handelt. Weiterbildungsberatung kann darüber hinaus dazu beitragen, Schwellenängste gegenüber den Angeboten zu verringern. Neben der Information ist deshalb auch die Heranführung und Motivation zur Teilnahme an WB eine wichtige Aufgabe.

Informationssysteme: Der Infratest-Umfrage zum Berichtssystem Weiterbildung ist zu entnehmen, dass im Jahr 2003 ca. 53 % der Bürger/innen in den neuen und 34 % in den alten Bundesländern mehr Informationen zu Weiterbildungsfragen wünschen (Kuwan u.a. 2006). Große Bedeutung gewinnen deshalb Informationssysteme, d.h. vor allem Weiterbildungsdatenbanken; mit ihnen soll eine höhere Transparenz des bestehenden Angebots erreicht werden. Mittlerweile gibt es nach einer Auswertung der Stiftung Warentest ca. 100 Datenbanken zu Weiterbildungsangeboten. Sie sind unterteilt in bundesweite Datenbanken (ca. 40), regionale Datenbanken (ca. 60). Diese Datenbanken sind von Umfang, Konzeption und Zugriff her sehr unterschiedlich. Dabei sind Informationssysteme dominant, die sich schwerpunktmäßig auf die berufliche Bildung beziehen. Bundesweit sind die bedeutendsten Informationssysteme die „WIS-Datenbanken“ des Deutschen Industrie- und Handelstages und der Organisation des Handwerks (mit – nach eigenen Angaben – 19.000 Seminaren und Lehrgängen) und die KURSNET-Datenbank der Bundesanstalt für Arbeit (mit über 300.000 Angeboten der beruflichen Aus- und Weiterbildung). Datenbanken wie etwa die des DVV (170.000 Veranstaltungen; URL: www.meine-vhs.de) zeigen die Angebote bestimmter Träger oder Inhalte wie eine spezielle Datenbank zur IT-Fortbildung (120.000 Veranstaltungen; URL: www.it-fortbildung.com). Nachdem das „WISY“ in der Trägerschaft des Vereins Weiterbildung Hamburg e.V. mit jährlich über 12.000 Kursen von mehr als 600 Bildungseinrichtungen lange Jahre die größte regionale Weiterbildungsdatenbank war, sind mittlerweile im Rahmen des BMBF-Projekts „Lernende Regionen – Förderung von Netzwerken“ eine Vielzahl regionaler Datenbanken entwickelt worden. Die größte mit mehr als 80.000 Einträgen und über 800 Anbietern ist die Datenbank des Landes Nordrhein-Westfalen.

Qualitätssicherung: Wenn es darum geht, Informationsfunktionen zu erfüllen und Beratungsleistungen zu erbringen, müssen auch Mindestanforderungen an Qualitätskriterien und -standards erfüllt sein. Dabei geht es sowohl um eine prognostische Hilfestellung für Weiterbildungssuchende bei Teilnahmeentscheidungen als auch um die nachträgliche evaluative Einschätzung von Veranstaltungen. Die Diskussion über Qualitätskontrolle wird in unterschiedlichen Zusammenhängen geführt:

  • im Zusammenhang der in den Unternehmen um sich greifenden Strategie des „Total Quality Managements“ (TQM),

  • bei der Zertifizierung nach DIN/ISO 9000-9004,

  • bei den Grundsätzen und Erlassen zur Sicherung der Qualität und der Wirtschaftlichkeit der → Fortbildung und → Umschulung durch die Bundesanstalt für Arbeit,

  • bei staatlichen Anerkennungs- und Zulassungsverfahren,

  • bei den Qualitätstests der Stiftung Warentest,

  • bei den regionalen oder sektoralen Ansätzen und Formen der Selbstkontrolle, wie z.B. durch das „Gütesiegel“ in Hamburg.

Das mittlerweile vor allen Dingen bei den Volkshochschulen am weitesten verbreitete Qualitätssicherungssystem ist die „Lernerorientierte Qualitätssicherung in der Weiterbildung“ (LQW). Das Hauptkriterium dieses Systems ist die Frage, auf welche Weise Einrichtungen „gelungenes Lernen“ für die Teilnehmenden sicherstellen.

Der Stellenwert von S. wird besonders auch im Zusammenhang regionaler Strukturpolitik und Weiterbildungsverbünde deutlich. Dabei kommt es zu verschiedenen Aufgabenkombinationen, so dass eine Profilierung des Leistungsspektrums sowie eine Stabilisierung zur Kontinuitätssicherung anstehen.

Literatur

  • Faulstich, P./Gnahs, D.: Weiterbildungsbericht Hessen. Frankfurt a.M. 2005

  • Faulstich, P./Teichler, U./Döring, O.: Bestand und Entwicklungsrichtungen der Weiterbildung in Schleswig-Holstein. Weinheim 1996

  • Faulstich, P. u.a.: Bestand und Perspektiven der Weiterbildung. Das Beispiel Hessen. Weinheim 1991

  • Hartz, S./Meisel, K.: Qualitätsmanagement. Bielefeld 2004

  • Kuwan, H. u.a.: Berichtssystem Weiterbildung IX. Integrierter Gesamtbericht zur Weiterbildungssituation in Deutschland. Durchgeführt im Auftrag des BMBF. Berlin/Bonn 2006

  • Nuissl, E. u.a. (Hrsg.). Regionale Bildungsnetze. Ergebnisse zur Halbzeit des Programms „Lernende Regionen – Förderung von Netzwerken“. Bielefeld 2006

  • Schiersmann, C./Remmele, H.: Beratungsfelder in der Weiterbildung: eine empirische Bestandsaufnahme. Baltmannsweiler 2004

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt