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Erhard Schlutz

Systembeobachtung

S. (auch „System Monitoring“) ist die systematische und wiederkehrende Beschreibung und Dokumentation des gesamten Weiterbildungswesens und seiner Entwicklungen ( → Evaluation). Obwohl sie von großem praktischem, politischem und wissenschaftlichem Interesse wäre, gibt es S. in einem umfassenderen Sinne in der Bundesrepublik nicht. Schon die Länderstatistiken erfassen nur einen Teilbereich, nämlich das nach den → Weiterbildungsgesetzen geförderte Angebot; und das höchst uneinheitlich und meist sehr summarisch. Verbände führen Statistiken für ihren Geltungsbereich, das → Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) wertet die besonders differenzierte Jahreserhebung des DVV aus und erprobt auch eine Verbundstatistik, die neben dem DVV vier weitere Verbände ( → Weiterbildungsstatistik) einbezieht. Das Berichtssystem Weiterbildung (Kuwan u.a. 2006) erfragt im Auftrag der Bundesregierung alle drei Jahre die Weiterbildungsbeteiligung der Bevölkerung repräsentativ; und zwar auch die in Eigenarbeit wahrgenommene informelle WB, kann aber die inhaltliche und institutionelle Angebot der WB naturgemäß nicht sehr differenziert erfassen. Sah es eine Zeit lang so aus, als interessiere sich die genuine Weiterbildungsforschung weniger für Fragen von Systembildung, Institutionen und Massendaten (vielleicht auch infolge des nachlassenden Interesses der Bildungspolitik), so scheint sich dies allmählich zu ändern.

Zunächst gab es in den 1990er Jahren ein wachsendes Interesse der Politik an einer Neubewertung der WB – auch vor dem Hintergrund von Haushaltsschwierigkeiten. In mehreren Bundesländern sind Bestandsaufnahmen vorgenommen worden (Nuissl/Schlutz 2001), u.a. mit dem Ziel der Evaluation der Weiterbildungsgesetze und ihrer Wirkungen (z.B. in Hessen, Schleswig-Holstein, Bremen, Nordrhein-Westfalen). Methodisch wurde meist mit Expertenanhörungen bzw. -gutachten gearbeitet, z.B. in Nordrhein-Westfalen wurden in systematischen Gruppengesprächen 100 Experten befragt und 15 typische Weiterbildungseinrichtungen beschrieben. In Bremen wurde u.a. eine Analyse aller etwa 14.000 jährlichen Angebote der gesamten WB vorgenommen (Schlutz/Schrader 1997). Diese Evaluationsberichte haben sicherlich die Kenntnis des → Weiterbildungssystems bereichert und vielfältige Illustrationen dazu geliefert. Im Hinblick auf die Aufgabe umfassender S. muss ihr Wert durch die Art des Auftrags und der damit verbundenen Interessen begrenzt bleiben.

Die Hauptschwierigkeit der Aufgabe S. liegt im Umfang des Untersuchungsgegenstands und seiner zunehmenden Ausdifferenzierung. Schon die erwähnten Untersuchungen unterscheiden sich erheblich danach, wie umfassend sie den Begriff des Weiterbildungssystems auslegen: ob sie darunter nur die öffentlich geförderten bzw. anerkannten → Einrichtungen verstehen (aus förderungspolitischem Interesse), alle genuinen Weiterbildungsanbieter (mit WB als Kernleistung), auch betriebs- und verbandsinterne WB oder sogar „Grenzfälle“ (z.B. Museen, Verlage, Edutainment) und informelles Lernen einbeziehen. Dies variiert mit dem Untersuchungsinteresse, mit den Erhebungsmöglichkeiten, vor allem aber mit dem Verständnis vom Gegenstand und vom „System“ (Lenzen/Luhmann 1998). Zugleich scheint der Gegenstand WB in den letzten Jahren noch stärker in Bewegung zu sein als schon zuvor. Das Seminarangebot in Präsenzform ist längst nicht mehr die einzige Leistungsform, Weiterbildungsangebote werden mit andersartigen Leistungen – auch in Kooperation – kombiniert, „klassische“ Bildungsangebote werden auch im Rahmen anderer gesellschaftlicher Praxen (z.B. medizinische Prävention) durchgeführt. Das macht Beobachtung und Beschreibung eines möglichen Systems nicht einfacher. Forschung deshalb durch Metaphern wie „Entgrenzung“ zu ersetzen, ist dafür keine wissenschaftlich angemessene Lösung, sondern die genauere Beschreibung von „Grenzüberschreitungen“, auch im Rahmen oder zugunsten von S.

Umfassendere S. müsste letztlich von der Politik gewollt und gefördert werden. Sie sollte Rahmungen für Forschungen und für politische und praktische Aufgabenstellungen liefern. Dazu müsste sie nicht in Form jährlicher Totalerfassung stattfinden, sondern könnte in weiteren Abständen und im Wechsel mit gezielten Untersuchungen zu Veränderungen im Konkreten und Typischen erfolgen.

Literatur

  • DIE (Hrsg.): Weiterbildungsstatistik im Verbund. Frankfurt a.M./Bonn 1965-2008 (erscheint jährlich, seit 1997 als Online-Veröffentlichung). URL: www.die-bonn.de/service/statistik (Stand: 12.12.2009)

  • Kuwan, H. u.a.: Berichtssystem Weiterbildung IX. Integrierter Gesamtbericht zur Weiterbildungssituation in Deutschland. Durchgeführt im Auftrag des BMBF. Berlin/Bonn 2006

  • Lenzen, D./Luhmann, N.: Bildung und Weiterbildung im Erziehungssystem. Frankfurt a.M. 1998

  • Nuissl, E./Schlutz, E.: Systemevaluation und Politikberatung. Bielefeld 2001

  • Schlutz, E./Schrader, J.: Systembeobachtung in der Weiterbildung. In: Zeitschrift für Pädagogik, H. 6, 1997

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt