Beschreibung
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Das Wörterbuch Erwachsenenbildung bündelt das gegenwärtige Wissen über Erwachsenenbildung. Es enthält über 300 Stichworte zu den Themenfeldern Didaktik und Methodik, Forschung und Wissenschaft, Geschichte und Entwicklung, Lernen und Erfahrung, Organisation und Profession, Politik und Recht sowie Theorien und Konzepte. Alle Artikel wurden von ausgewiesenen Fachleuten nach dem neuesten Stand der Diskussion verfasst. Sie sind urheberrechtlich geschützt.
Die T. an WB kann im Wesentlichen unter zwei Blickwinkeln betrachtet werden: Zum einen unter dem der → Weiterbildungsstatistik, indem nach den Teilnahmestrukturen oder der → Weiterbildungsbeteiligung gefragt wird („Wer nimmt an WB teil?“), zum anderen unter dem der → Motivation zur WB („Warum nimmt jemand an WB teil?“).
Unter Teilnahmestrukturen bzw. Teilnehmerstrukturen wird die soziodemographische Zusammensetzung der an WB Teilnehmenden verstanden. Ausgegangen wird im Regelfall von Anteilswerten/Prozentwerten, den definierte Gruppen (z.B. Frauen, Personen mit Hochschulabschluss, Behinderte) an der definierten Gesamtheit von Teilnehmenden (z.B. alle Teilnehmenden einer Einrichtung, in einer Region, an Veranstaltungen eines Themenbereichs) haben.
Ins Blickfeld sind Teilnehmerstrukturen verstärkt geraten, als es Mitte der 1960er Jahre darum ging, für alle Teile des Bildungswesens Expansionsakzente zu setzen. Das Schlagwort von der „Bildungskatastrophe“ (Picht 1964) in Verbindung mit ökonomischen Anforderungen setzte bildungspolitische Reformkräfte frei, die vor allem darauf zielten, jene Gruppen der Bevölkerung stärker in Bildungsprozesse einzubeziehen, die sich bis dato als eher „bildungsabstinent“ erwiesen hatten. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang z.B. Arbeiter/innen, Landbevölkerung, Frauen.
Kernpunkt des Interesses sind in diesem Zusammenhang Fragen nach der Unter- oder Überrepräsentanz von Zielgruppen in Weiterbildungsprozessen. Teilnehmerbefragungen und Untersuchungen zum Teilnahmeverhalten gewannen an Bedeutung. Bahnbrechend und Impuls gebend war dabei die erste große bildungssoziologische Studie „Bildung und gesellschaftliches Bewusstsein“ (Strzelewicz/Raapke/Schulenberg 1966), die Anfang der 1970er Jahre im Kern neu aufgelegt wurde. Als dritte große Untersuchung ist in diesem Zusammenhang die sog. Hannover-Studie zum Lehr- und Lernverhalten bei Erwachsenen zu nennen (Siebert/Gerl 1975).
Informationen über das Teilnahmeverhalten liefert das Berichtssystem Weiterbildung, das im dreijährigen Zyklus seit 1979 eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durchführt (v. Rosenbladt/Bilger 2008). Dieses Datenmaterial ist auch die Grundlage für entsprechende Auswertungen im Rahmen der → Bildungsberichterstattung (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2008).
Die Befunde zum Teilnahmeverhalten in der WB reproduzieren das aus anderen weiterführenden Bildungseinrichtungen bekannte Bild: Zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen besteht ein deutliches Bildungsgefälle, es bilden sich vor allem jene weiter, die schon ein relativ hohes Bildungsniveau haben (Bildungskumulationsthese). Im Gefolge einer insgesamt gestiegenen → Weiterbildungsbeteiligung haben sich auch die Teilnehmerstrukturen ein wenig verschoben (z.B. höhere Anteilswerte für Ältere und Frauen), eine Kompensation des Bildungsgefälles konnte indes bisher nicht erreicht werden.
Vor diesem Hintergrund bleibt die Relevanz von Teilnahmedaten erhalten und gewinnt im Zeichen der Konzentration von knappen öffentlichen Mitteln sogar noch an Relevanz: Um den Mittelfluss lenken zu können, sind Informationen über den Zielgruppenerreichungsgrad notwendig. Zudem geht es auch für viele Einrichtungen darum, die in ihrem Leitbild ausgewiesene Präferenz für Bildungsbenachteiligte faktisch auch nachweisen zu können.
Zunehmend wichtiger wird auch der internationale Vergleich von Teilnahmestrukturen. Besonders auf der europäischen Ebene werden Anstrengungen unternommen, um die Datenbasis zu verbessern. So wurde 2007 erstmals europaweit eine Erhebung durchgeführt (Adult Education Survey), die nach einheitlichen Vorgaben arbeitet. Anders als in Deutschland üblich werden dabei alle Bildungsaktivitäten von Personen, die älter als 25 Jahre sind, als „adult learning“ eingestuft. Die so errechneten Beteiligungsquoten dürften nur eingeschränkt mit den oben genannten vergleichbar sein.
DIE: Trends der Weiterbildung. DIE-Trendanalyse 2008. Bielefeld 2008
Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland. Bielefeld 2008
Picht, G. Die deutsche Bildungskatastrophe. Olten 1964
Rosenbladt, B. v./Bilger, F.: Weiterbildungsverhalten in Deutschland, Bd. 1: Berichtssystem Weiterbildung und Adult Education Survey 2007. Bielefeld 2008
Siebert, Horst; Gerl, Herbert: Lehr- und Lernverhalten bei Erwachsenen. Braunschweig 1975
Strzelewicz, W./Raapke, H. D./Schulenberg, W.: Bildung und gesellschaftliches Bewusstsein. Stuttgart 1966
Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt
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