Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Ekkehard Nuissl

Theorie und Praxis

Erziehungswissenschaft ist eine relativ junge Disziplin, die sich aus dem Praxisfeld Schule heraus entwickelt hat. Teilbereiche dieser Disziplin, die sich mit noch jüngeren Tätigkeitsfeldern beschäftigen, wie etwa Sozialpädagogik oder EB, haben demgegenüber eigenständige T.u.P.-Fragen und -Probleme. So spielen in der EB andere Disziplinen wie die Soziologie, die Psychologie und (neuerdings) die Betriebswirtschaft als Bezugswissenschaften eine vergleichsweise starke Rolle. Soziologische, psychologische und institutionelle Aspekte sind in der EB konstitutiv für die Praxis, deren wissenschaftliche Bearbeitung ist damit also auch konstitutiv für die T.bildung. Hinzu kommt, dass die Übergänge der EB zu anderen gesellschaftlichen Bereichen fließend sind und ein „professioneller“ Kern schwer abzugrenzen ist. T.bildung muss daher mit der Unschärfe des P.feldes umgehen. Dies ist – zum dritten – deshalb besonders schwierig, weil sich die erziehungswissenschaftliche Teildisziplin EB mit der Entwicklung ihres P.feldes konstituiert. Nur die Dynamik des Gegenstands ermöglicht in der EB den Umgang und die Adaptation von Methoden und Erkenntnissen aus Bezugsdisziplinen. Die Vermittlung zwischen T. und P. ist daher in der EB und ihrer Wissenschaft von besonderer Bedeutung. Diese Vermittlung lässt sich nach vier Anlässen definieren:

  • Forschung und T.bildung aus P.anlässen, die dazu führen, Handlungsprobleme zu lösen; dieser Typ ist meist eng an die → Träger und → Einrichtungen der EB gebunden,

  • Forschung und T.bildung, die durch übergeordnete Systemvorstellungen initiiert ist, also etwa Bereichsdefizite, Innovationsbedarf und Strukturprobleme (meist staatlich veranlasst),

  • Forschung und T.bildung zur Entwicklung von Lehrplänen, → Methoden, neuen Konzepten, meist zusammen mit Erprobungsphasen (in Weiterbildungseinrichtungen, oft auch in Unternehmen),

  • Forschung zur Entwicklung von T.- und Denkmodellen, die im Forschungsprozess den P.bezug vernachlässigt, aber praktische Wirksamkeit intendiert.

Zunehmend lösen auch europäische und internationale P.fragen T.bildung aus, bzw. Erkenntnisse (trans)nationaler Forschungen werden für andere Länder nutzbar gemacht. Die Vermittlung zwischen T. und P. leistet einen Beitrag dazu, Wissensproduktion und P.entwicklung der EB transparent zu machen, zu steuern, zu innovieren und zu legitimieren. Strukturelemente der Vermittlung (in der Form von Publikationen, Zertifikaten, → Fortbildungen, Kongressen etc.) sind vor allem folgende:

  • die Zweiseitigkeit der Kommunikation, nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse in P., sondern praktische Erkenntnisse und Fragen in Wissenschaft zu vermitteln,

  • die Verständlichkeit, die nicht nur → Sprache und Begriffe umfasst, sondern auch Relevanz der Fragen und des behandelten Inhalts,

  • die Ungleichzeitigkeit von T. und P., in der wissenschaftliche Erkenntnisse meist auf ein bereits weiterentwickeltes P.feld stoßen,

  • die Akzeptanz der Vermittlung, die sowohl von den Interessen und der Legitimation als auch von der Passung zueinander hergestellt werden muss,

  • die Arbeit der Vermittlung, die ähnlich aufwendig und professionell zu leisten ist wie jede pädagogische oder wissenschaftliche Arbeit,

  • die Reflexivität, der Bezug auf das jeweilige Gegenüber und auf sich selbst, ohne den ein interaktiver Vermittlungsprozess nicht gelingen kann.

Das Wichtigste in Vermittlungsprozessen von T. und P. aber ist die Identität der Beteiligten. Wissenschaftliche Arbeit und T.bildung folgen anderen Zielen und Interessen mit anderen Methoden als praktisch-pädagogische Arbeit. Ersterer geht es, grob gesagt, um Erkenntnis, letzterer um Gestaltung. Beide können nur dann miteinander kommunizieren, wenn sie ihre unterschiedlichen Identitäten und Ziele kennen und akzeptieren.

Literatur

  • Nuissl, E: Einführung in die Weiterbildung. Augsburg 2009

  • Siebert, H.: Theorien für die Praxis. Bielefeld 2006

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Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt