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Dieter Gnahs

Träger der Erwachsenenbildung

Die Organisationsebenen der WB werden durch die Begriffstrias „Träger“, „Einrichtung“ und „Veranstaltung“ treffend beschrieben. Die T. schaffen die formalrechtlichen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen in Form von Einrichtungen, die dann Veranstaltungen durchführen. Ergänzt wird dieses Gefüge durch Zusammenschlüsse von Einrichtungen in Form von Verbänden, Arbeitsgemeinschaften oder Arbeitskreisen.

Als T. lässt sich mithin die Institution oder Gruppe von Institutionen definieren, die die rechtliche und tatsächliche Verantwortung für die Weiterbildungseinrichtung trägt und somit die Voraussetzung für die Weiterbildungsarbeit (Konzipieren und Durchführen von Veranstaltungen, Teilnehmerberatung, Gewinnen und Betreuen von Kursleitenden etc.) legt. Mit dieser Definition wird die rechtliche und wirtschaftliche Funktion des T. in den Vordergrund gerückt. Der T. einer Weiterbildungseinrichtung hat im Regelfall aber auch inhaltliche Interessen, er will, dass Bildungsarbeit organisiert und durchgeführt wird, die seinen Zielsetzungen entspricht bzw. seine eigentliche Arbeit unterstützt.

Im Vergleich zu den anderen Bereichen des Bildungswesens (z.B. Schule oder Hochschule) dominiert im Weiterbildungsbereich nicht die staatliche Trägerschaft. Konstituierend ist vielmehr eine T.vielfalt (plurale Struktur). Neben öffentlichen T. (Bund, Länder und Kommunen) haben sich vor allem die gesellschaftlichen Großgruppen (Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Berufsverbände und die Organisationen der Wohlfahrtspflege) im Weiterbildungsbereich engagiert. Hinzugekommen sind in den letzten Jahrzehnten, vor allem nach der Verabschiedung des Arbeitsförderungsgesetzes im Jahre 1969, verstärkt auch private T. (z.B. Betriebe und Einzelpersonen), die Weiterbildungseinrichtungen auch aus kommerziellen Motiven betreiben. Dieser Überblick zeigt, dass sich die einzelnen T. der Weiterbildungseinrichtungen sinnvoll zu T.gruppen bündeln lassen.

Erschwert wird die Zuordnung von Einrichtungen zu T.gruppen häufig dadurch, dass Mischträgerschaften vorliegen. Dann betreiben mehrere T. aus unterschiedlichen T.gruppen (z.B. eine Gewerkschaft und ein Land) eine Einrichtung. Relativ häufig ist die Trägerschaft einer Einrichtung durch mehrere T. der gleichen T.gruppe (z.B. mehrere Kommunen betreiben eine Volkshochschule).

Insb. die gesellschaftlichen Großverbände tragen jeweils mehrere Weiterbildungseinrichtungen. Dabei spielen andragogische Überlegungen eine Rolle (z.B. Zielgruppenarbeit), finanzielle (z.B. Ausschöpfen verschiedener Fördermöglichkeiten) und regionale (z.B. Schaffen eines wohnortnahen Angebots).

Die pluralistische T.struktur der WB ist historisch gewachsen. In der Vergangenheit war Lernen von Erwachsenen weitgehend Privatsache, so dass staatliche Angebote entbehrlich erschienen. Die staatliche bzw. öffentliche Weiterbildungsabstinenz stand erst infrage, als sozioökonomische Veränderungen und ein anderes Bildungsverständnis („Recht auf Bildung“, „Bildung für alle“) die gesellschaftliche Notwendigkeit von WB nahelegten. So entwickelte sich spätestens in den 1960er Jahren eine öffentliche Verantwortung für die WB, die sich in der Schaffung von gesetzlichen Rahmenbedingungen und in einem Ausbau des Weiterbildungssystems niederschlug.

Die damals bestehenden Weiterbildungseinrichtungen und ihre T. bestanden aber dezidiert auf der „Staatsfreiheit“ der EB und der Pluralität der T. Unterschieden werden freie und gebundene EB. Unter die „freie“ EB fielen die Volkshochschulen, die ihr Bildungsangebot weltanschaulich neutral gestalten. Die gebundene EB wurde von jenen Einrichtungen betrieben, die interessengeleitet oder weltanschaulich-religiös ausgerichtet sind (z.B. die konfessionelle EB).

Diese Begriffsverwendung kehrte sich in den 1960/70er Jahren um: Die Volkshochschulen werden als in die Kommunen „eingebunden“ wahrgenommen, während die übrigen Einrichtungen in freier Trägerschaft gesehen werden. Beide Gruppen von Einrichtungen sind im Regelfall in die staatliche Förderung über Ländergesetze einbezogen und unterliegen damit staatlicher Weichenstellung und finanzieller Förderung. Die finanzielle Förderung des Staates wird darüber begründet, dass die Einrichtungen im öffentlichen Interesse handeln, also z.B. Angebote für bildungsbenachteiligte Zielgruppen machen oder für eine flächendeckende Versorgung mit Weiterbildungsangeboten beitragen (Faulstich 1995).

Im Gegensatz zu dieser öffentlich verantworteten WB wird die WB in privater Trägerschaft gesehen, die der Gewinnerzielung dient oder Sonderinteressen verfolgt. Die privat getragenen Weiterbildungseinrichtungen erfahren dabei durchaus direkt oder indirekt öffentliche Förderung (z.B. aus Mitteln der BA oder des Europäischen Sozialfonds), sie nehmen dabei aber im Regelfall keine öffentlichen Daueraufgaben wahr.

Statistisch genaue Angaben zur T.struktur lassen sich nicht machen. Die vorhandenen Quellen verdeutlichen indes, dass neben den Betrieben vor allem privat und kommunal getragene Einrichtungen das Weiterbildungsgeschehen dominieren (v. Rosenbladt/Bilger 2008; Dietrich/Schade 2008).

Literatur

  • Dietrich, S./Schade, J.: Institutionelle Strukturen der Anbieter in der Weiterbildung. In: Gnahs, D./Kuwan, H./Seidel, S. (Hrsg.): Weiterbildungsverhalten in Deutschland, Bd. 2: Berichtskonzepte auf dem Prüfstand. Bielefeld 2008

  • Faulstich, P.: Öffentliche Verantwortung für die Weiterbildung. In: Dobischat, R./Husemann, R. (Hrsg.): Berufliche Weiterbildung als freier Markt? Berlin 1995

  • Nagel, B.: Das Rechtssystem in der Weiterbildung. In: Krug, P./Nuissl E. (Hrsg.): Praxishandbuch Weiterbildungsrecht. Loseblattwerk. Neuwied 2004 (Grundwerk)

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt