Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Sibylle Peters

Umschulung

Die U. ist als Fortsetzung, Wieder- und Erstaufnahme organisierten arbeits- und berufsbezogenen Lernens für Erwachsene über 25 Jahre, die eine nicht mehr nachgefragte oder eine bisher nicht abgeschlossene Berufsausbildung haben, als ein bildungs-, sozial- und arbeitsmarktpolitisches Instrument aufzufassen. Sie ermöglicht den (erneuten) Zugang zum ersten Arbeitsmarkt. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG 1971), Fortbildungsordnungen in Ergänzung des Arbeitsförderungsgesetzes (AFG 1969), aktualisiert im SGB III (1998), regeln die U.; d.h., die BA fördert über die Arbeitsämter die U. in öffentlicher/privater Trägerschaft und finanziert (teilweise) die Teilnahme daran. Sie dient vorwiegend der strukturellen Anpassung an Arbeitsmarktentwicklungen. Ebenso dient die U. Umstrukturierungen in Betrieben/Branchen, um Personalkonversionen zu begleiten. Dieses unterstützt in beiden Fällen unter individueller Perspektive die Aufrechterhaltung von Erwerbsfähigkeit.

Im Bereich der beruflichen WB wird somit die Erstausbildung zu einem Beruf gefördert. Die Idee der U. greift arbeitsmarktpolitisch Phänomene struktureller Engpässe bei der Zuführung von Berufsqualifikationen und Arbeitsmarktentwicklungen auf, um die berufliche Beweglichkeit der Erwerbstätigen infolge von Strukturveränderungen (z.B. durch Informations- und Kommunikationstechnologien) zu sichern bzw. zu verbessern; im weiteren Sinne unterstützt sie zunehmend Bemühungen einzelner Personen, um einer U. als Berufsveränderung vorzugreifen.

Die „Qualifizierungsoffensive“ bot z.B. in den 1980er Jahren über die U. als (Erst-)Qualifizierung eine Chance der Reintegration in den Arbeitsmarkt, die sich insb. an Arbeitslose richtete. Seitdem schränkt das AFG (und seit 1998 stärker das SGB III) die Leistungsbemessungen sowie Teilnahmevoraussetzungen für spezifische Zielgruppen des Arbeitsmarktes ein. Dies betrifft Arbeitslose oder unmittelbar von Arbeitslosigkeit bedrohte Erwerbstätige und zunehmend Jugendliche mit Migrationshintergrund. Damit wird die Förderung des Erhalts von Erwerbsfähigkeit im öffentlichen Weiterbildungsbereich gemindert und Zusammenhänge von WB und (Berufs-)Karrieren, wie sie im privaten Sektor hergestellt werden, bleiben offen. Die fortschreitende Dezentralisierung und Flexibilisierung von beruflicher Aus- und Weiterbildung sowie der Umstand, dass die Zahl derjenigen, die bis zum 25. Lebensjahr keinen Berufsausbildungsplatz bekommen haben, relativ konstant ist, weitet das Instrument U. im Kontext von arbeitsmarktpolitischen Sonderfinanzierungsprogrammen des Bundes und der EU aus und wird zur Erhaltung der Erwerbsfähigkeit bis hin zu Personalkonversionen nachgefragt. Dieser betriebsinterne wie -externe Bedarf entsteht häufig durch Outsourcing-Prozesse in Kooperation mit anderen Betrieben. Unternehmen nutzen U. in modularen, branchenspezifischen Verbundsystemen regional und mit Europa vernetzt als arbeitsmarkt- und personalpolitisches Instrument, wobei das Berufswahlrecht der Erstausbildung dem angelsächsischen Verständnis des Erwerbs einer lebenslangen Erwerbsorientierung weicht.

Der Zugang zum Weiterbildungssegment U. eröffnet keine Laufbahn, er ist Bestandteil schon gegebener Lebenslagen, an die die U. anschließt und eine Korrektur der Lebenslagen über WB optional für eine begrenzte Zeit (18 bis 24 Monate) anbietet. Sie umfasst desweiteren den Wiedereintritt bzw. Wechsel für solche Personen in das Erwerbsleben, die ihre Berufstätigkeit für längere Zeit unterbrechen (mussten): Frauen nach der Familienphase, Arbeitslose, Migrant/inn/en, Behinderte oder Personen, die ihre Berufstätigkeit wegen struktureller Umwandlungen (Bergbau, Stahl, Schiffbau etc.) verlieren bzw. verloren haben. War die U. bisher eine Domäne von Weiterbildungsträgern, wird sie zunehmend in der Personalpolitik genutzt, um Beschäftigung, Qualifizierung und Vermittlung in strukturellen Reorganisationsstrategien miteinander zu verbinden, d.h. Personalkonversionen für die Entwicklung neuer Berufsfelder und Berufsbilder vorzunehmen, die als Kombi-Maßnahmen (Misch- und Mehrfachfinanzierung) in derzeit folgenden, strukturell gegebenen Typen von U. mit wechselnder Präsenz auf dem Markt anzutreffen sind:

  • Qualifizierung und Beschäftigung im zweiten Arbeitsmarkt, in Non-Profit-Organisationen,

  • Qualifizierung und Beschäftigung im Verbundsystem branchenspezifischer Betriebe,

  • Qualifizierung und Beschäftigung als Vorbereitung auf neue Arbeitsplätze des betriebsinternen/externen Arbeitsmarktes.

Literatur

  • Kraus, K.: Vom Beruf zur Employability – Zur Theorie einer Pädagogik des Erwerbs. Wiesbaden 2006

  • Malvacje, J.-L./Schuler, M.: Strukturwandel im Ruhrgebiet: Sozialverträgliche Beschäftigungssicherung und -förderung durch konzerninterne und -externe Vernetzungen im Montansektor. In: Forschungsinstitut für Arbeiterbildung (Hrsg.): Jahrbuch Arbeit, Bildung, Kultur, Bd. 15/16. Recklinghausen 1998

  • Markert, W. u.a.: Berufliche Weiterbildung von Arbeitslosen im Betrieb. Weinheim 1992

  • Peters, S.: Arbeitslose und ihr Selbstbild in einer betrieblichen Umschulung. Weinheim 1991

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt