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Heino Apel

Umweltbildung

Die U. ist eine junge Disziplin innerhalb der Pädagogik, die im Gefolge eines allgemeinen Umweltkrisenbewusstseins Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre entstanden ist. Im schulischen Bereich wurde auf internationalen Konferenzen (Tiflis, Stockholm) die Einrichtung eines Fachs Umwelterziehung gefordert, für das auch eine Lehrerfortbildung notwendig wurde. Von Anfang an wurde als Lernziel nicht nur abstrakter Erkenntniszuwachs oder reine Orientierungshilfe gefordert, sondern neben dem Verständnis von Umweltzusammenhängen und dem → Wissen zu Umweltphänomenen sollte auch ein umweltgerechteres Verhalten bzw. ein umwelteinsichtiges Handeln der Schüler erreicht werden.

Unabhängig von diesem institutionell induzierten, eher curricular orientierten Ansatz ( → Curriculum) entwickelte sich in der EB im Kontext der Aktivitäten von Bürgerinitiativen in den 1970er Jahren in Deutschland eine stärker politisch orientierte U. Umweltpolitisch engagierte Pädagoginnen und Pädagogen unterstützten mit Bildungsangeboten den umweltpolitischen Kampf der Initiativen.

Ein weiteres Standbein stellen die aus dem Naturschutz stammenden Ansätze der außerschulischen U. dar, die insb. Jugendlichen Kenntnisse über die Natur und einen naturschonenden Umgang beizubringen versuchten. Zu den Geburtswehen gehörte ein Richtungsstreit zwischen Schulrichtungen, wie z.B. die Auseinandersetzung der sich sehr politisch und antiinstitutionell verstehenden Fraktion der „Ökopädagogik“, die mit der als technokratisch empfundenen Richtung der „Umwelterziehung“ und den als unpolitisch kritisierten Naturerfahrungsansätzen kollidierte.

Mitte der 1980er Jahre entstanden ersten Lehrbücher zur „Umwelterziehung“ und zum „ökologischen Lernen“. Es folgte eine Phase der Konsolidierung und Befriedung dieser Ansätze, die sich unter den allgemein akzeptierten Begriff U. vereinten. Man kann danach zwischen umwelttechnisch-ökologischen, umweltpolitischen und naturerfahrungsorientierten ( → Erfahrungsorientierung) Ansätzen unterscheiden, wobei Ökologie, Technik und Politik eher Felder der Schul- und EB sind, während Naturerfahrungsansätze insb. in Umweltzentren mit der → Zielgruppe Jugendliche praktiziert werden. Berufliche U. spielt bei den meisten → Trägern eine sehr untergeordnete Rolle. Daran konnte auch der Beschluss der BLK gegen Ende der 1980er Jahre, U. als integratives Konzept in die berufliche Ausbildung einzuführen, nur wenig ändern. Das Gemeinsame dieser Ansätze liegt in der Forderung nach Handlungsorientierung, im umwelt-ethischen Impetus sowie im Bezug auf reformpädagogische Elemente.

De facto wurde aber insb. in der Anfangszeit meist in lehrerzentrierten Techniken kognitives Wissen vermittelt, weil die Bürgerinitiativbewegung darauf angewiesen war, sich „Gegenwissen“ gegen den herrschenden Sachverstand zu beschaffen, und weil die praktizierenden → Kursleitenden und Vortragenden in der Regel naturwissenschaftlich und nicht pädagogisch ausgebildet waren. Die theoretischen Lehrbuchforderungen nach vernetztem Denken, interdisziplinärer Projektarbeit ( → Projektlernen), ganzheitlicher Vorgehensweise etc. wurden in der Schule und in der EB nur selten eingelöst.

Während der Bürgerinitiativbewegungen der 1970er und 1980er Jahre wuchs das Interesse an Umweltthemen und damit die Nachfrage nach U. stetig an. In den 1990er Jahren zeichnet sich in der EB ein Rückgang der Nachfrage nach Unterrichtsstunden ab. Mit den Anfang der 1990er Jahre sich verschärfenden Wirtschaftsproblemen fällt in Umfragen die Bedeutung der Umwelt bei Bewusstseinsbefragungen etwas zurück, wodurch „klassische“ Umweltbildungsangebote weniger Nachfrager finden. In der außerschulischen U. erfreuen sich die Angebote der Umweltzentren weiterhin stetiger Beliebtheit. Zu Beginn der 1990er Jahre erscheinen mehr bilanzierende Lehrbücher bzw. Bildungstexte. Provozierend wirkt die Untersuchung von J. Kahlert (1990), die der U. „Gesinnungspädagogik“ vorwarf. Mitte der 1990er Jahre beginnt in Deutschland mit Bezug auf die Entwicklungskonferenz in Rio (1992) die Debatte um eine „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE). Mit ihr soll die U. und die entwicklungsorientierte Bildung zusammengeführt werden, um ökonomische, gesellschaftliche und ökologische Gesichtspunkte gleichrangig zu behandeln, damit diese Bildung den Entwicklungsprozess zu einer nachhaltigen Gesellschaft unterstützen kann. Das BNE-Konzept wird im BLK-Programm „21“ (1999-2004) entwickelt, wobei als oberstes Lernziel die Erreichung einer mehrdimensionalen „Gestaltungskomptenz“ gilt. Mit dem BLK-Programm „Transfer 21“ wird für weitere fünf Jahre eine Verbreitung des Konzepts in den Schulen angestrebt. Parallel dazu setzen insb. die entwicklungsorientierten Einrichtungen auf das Konzept des „globalen Lernens“, das stärker auf den Nord-Süd-Konflikt ausgerichtet ist und vornehmlich gesellschaftspolitische Akzente aufweist. In der Bildungspraxis sind viele Angebote der BNE umweltlastig, und Angebote des globalen Lernens sind an den Interessen der „Dritten Welt“ orientiert.

Um den Prozess des Übergangs zur BNE zu beschleunigen, wurde weltweit eine UN-Dekade zur BNE (2005-2014) etabliert, in der über Nationalkommitees Programme verabschiedet, nationale Berichte verfasst und Fördermaßnahmen angestrebt sind. Bereits seit Ende des 20. Jh. fördern Bund, Länder und die finanzstarke Bundesumweltstiftung in der Regel nur BNE-orientierte Vorhaben. Seit 1979 werden im Zweijahresabstand Umweltbildungsberichte der Bundesregierung erstellt, die seit 2001 als „Bericht Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ benannt werden. Diese Dokumente beschreiben den BNE-Status in allen Bildungsbereichen der Republik. Gegen Ende der ersten Dekade des 21. Jh. zeigt ein Blick in die Programmhefte, dass der Begriff BNE in den Leitbildern der Einrichtungen angekommen ist, dass aber die meisten Angebote durchaus noch als Umweltbildungsangebote im klassischen Sinn kategorisiert werden können. Eine theoretische Würdigung und eine klare Zuordnung von U. zu BNE stehen bislang noch aus.

Literatur

  • Apel, H. u.a.: Orientierungen zur Umweltbildung. Bad Heilbrunn 1993

  • Beyersdorf, M./Michelsen, G./Siebert, H. (Hrsg.): Umweltbildung. Neuwied 1998

  • BLK: Materialien zur Bildungsplanung und zur Forschungsförderung: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung – Orientierungsrahmen, H. 69, 1998

  • Kahlert, J.: Alltagstheorien in der Umweltpädagogik. Eine sozialwissenschaftliche Analyse. Weinheim 1990

  • Schüßler, I.: Nachhaltigkeit in der Weiterbildung. In: Empirische Forschung und Theoriebildung in der Erwachsenenbildung. Hohengehren 2006

  • URL: www.bne-portal.de

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt