Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Horst Siebert

Unterricht

Der Begriff U. stammt aus der Schulpädagogik und beinhaltet die Gestaltung von institutionalisierten Lehr-/Lernsituationen. U. ist in der Literatur der EB ein relativ unbeliebter Begriff. Andererseits ist der Begriff bei Lehrenden und Teilnehmenden in qualifizierenden Kursen ( → zweiter Bildungsweg, → Fremdsprachen, → Umschulung etc.) weit verbreitet. Im Unterschied zu Gesprächskreisen, Arbeitsgemeinschaften u.ä. überwiegt im U. die sachlogische, fachliche, lernzielorientierte Didaktik. Deshalb sind Fremdsteuerungen durch Lehrpläne, Prüfungsordnungen und curriculare Vorstrukturierungen hier ausgeprägter als in erfahrungsorientierten Seminaren. U. ist somit stärker an einem Begriff des Lernens durch Wissensvermittlung und Übung orientiert.

U. ist eine Form des didaktischen Handelns ( → Didaktik – Methodik, → didaktische Handlungsebenen) und schließt Planung und Auswertung ( → Evaluation) ein. In der EB findet U. vor allem in Kursen, Lehrgängen und Seminaren statt. U. lässt sich abgrenzen z.B. von Training, → Coaching, → Beratung, Therapie, Vortrag. U. erfordert didaktisch-methodische Entscheidungen, z.B. über Lernziele (Auswahl, Begründung, Stufung, Anspruchsniveau, Überprüfung), Lerninhalte (wissenschaftliches → Wissen oder Erfahrungswissen, berufliche und allgemeine Bildung), → Methoden (Sozial- und Aktionsformen), → Medien in Lehr-Lernprozessen (audiovisuelle Hilfsmittel, Metaplan, Sprache), Veranstaltungsformen (inkl. → Lernorte, Lernzeiten).

Besondere Bedeutung kommt der didaktischen Reduktion und Rekonstruktion zu. Ein weiteres Prinzip ist die Artikulation des U. Damit sind der Aufbau, die Gliederung, die Dramaturgie einer Unterrichtseinheit gemeint. Zur Artikulation gehört auch ein Wechsel von rezeptiven und aktivierenden, intensiven und „entspannenden“ Phasen.

Diese Entscheidungen müssen in Relation zu Bedingungen getroffen werden, z.B. Teilnehmervoraussetzungen ( → Zielgruppen, → Motivation, Schlüsselprobleme), sozialer Wandel, Risikogesellschaft, ( → Gesellschaft), institutionelle Faktoren (inkl. Finanzhilfen).

Diese Faktoren sind so vielfältig, dass jede Unterrichtssituation einmalig ist. Außerdem ist U. „emergent“ und „kontingent“ und entwickelt eine Eigendynamik ( → Konstruktivismus). Die quantitative Unterrichtsforschung hat deshalb kaum verallgemeinerbare Ergebnisse über die Wirkungen von Unterrichtsmethoden erbracht. Es gibt jedoch in der EB bestimmte Schlüsselsituationen, die sorgfältig zu planen sind, z.B. Anfangs- und Schlusssituationen, metakommunikative Phasen oder Wirkungskontrollen.

Es empfiehlt sich, U. nicht nur nach dem Sender-Empfänger-Modell zu beobachten. U. ist ein vielschichtiger Prozess, der aus Erwartungshaltungen, anschlussfähigen Kommunikationen, aus kognitiven Lerninhalten, aber auch aus (lernfördernden oder lernhemmenden) Emotionen und aus körperlichen Empfindungen besteht. U. sollte zwar didaktisch geplant werden, er ist aber dennoch „unberechenbar“ und wirkungsoffen. Der traditionelle U. findet überwiegend in „Klassenräumen“ statt. Der U. der Zukunft wird zunehmend multimedial konzipiert sein und z.B. computergestützte Lernsequenzen „zu Hause“ einschließen.

Lehrende sollten darauf achten, ob sich ein „heimlicher Lehrplan“ in einem Kurs entwickelt, d.h. Themen, die nicht unbedingt zu dem → Curriculum gehören, die aber den Teilnehmenden wichtig sind und die oft in den Pausen diskutiert werden. Es kann sinnvoll sein, diese „verborgenen“ Inhalte aufzugreifen und auch im U. zu behandeln.

Literatur

  • Arnold, R./Krämer-Stürzl, A./Siebert, H.: Dozentenleitfaden. Planung und Unterrichtsvorbereitung in Fortbildung und Erwachsenenbildung. Berlin 1999

  • Geißler, K.A.: Lernprozesse steuern. Weinheim 1996

  • Knoll, J.: Kurs- und Seminarmethoden. Weinheim 1995

  • Müller, K.G. (Hrsg.): Kurs- und Seminargestaltung. Weinheim 1992

  • Siebert, H.: Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung. Augsburg 2009

  • Weidenmann, B.: Erfolgreiche Kurse und Seminare. Weinheim 1995

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt