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Klaus Pehl

Weiterbildungsstatistik

Die Mehrdeutigkeit des Begriffs „Statistik“ findet sich ebenso in der Begriffsbildung W. für die Verknüpfung mit dem Anwendungsfeld WB wieder: Unter W. werden einerseits alle weiterbildungsrelevanten Zusammenstellungen von zahlenmäßigen Ergebnissen der Beobachtung des Weiterbildungsgeschehens subsumiert (z.B. Volkshochschul-Statistik 2007). Andererseit werden unter W. alle wissenschaftlichen, konzeptionellen Verfahren zur Beschaffung solcher Daten zusammengefasst, ungeachtet ihrer Ziele, des methodischen Designs und anderer prozessbestimmender Momente (z.B. Feststellung der Weiterbildungsbeteiligung im Rahmen des Mikrozensus; AES; Verbund Weiterbildungsstatistik des → Deutschen Institut für Erwachsenenbildung).

Das Spektrum der mit Verfahren der W. verbundenen Ziele und Methoden spiegelt die Vielfalt didaktischer Handlungen auf unterschiedlichen Ebenen wieder. Der Wissensbedarf richtet sich auf die Adressaten von WB, d.h. die potenziellen Lernenden. Wie hoch ist deren Beteiligung an WB? Wieviel Zeit wenden sie auf? Wieviel Kosten tragen sie? Was ist ihre Lernmotiovation? Welche Lerninteressen haben sie? Welche Lernarrangements bevorzugen sie? Welche Kompetenzen haben/benötigen sie?

Andere Verfahren bemühen sich um statistische Informationen über das in der WB tätige Lehrpersonal.

Weitere Ansätze eruieren den Umfang und die Struktur von Weiterbildungsveranstaltungen im Programm von Weiterbildungseinrichtungen oder Betrieben sowohl unter dem Gesichtspunkt, Leistungen transparent zu machen, als auch, das Angebot verbessert dem Bedarf anzupassen. Hierzu gehört die Schlüsselfrage, ob das Weiterbildungsangebot den Weiterbildungsbedarf aus individueller wie auch aus Sicht der Industrie als Qualifikationsabnehmer deckt.

Auf der institutionell-organisatorischen Ebene spielen Fragen der Finanzierung von Weiterbildungsangeboten ebenso eine Rolle wie die das Weiterbildungsmanagement berührenden Aspekte Qualitätsentwicklung und Controlling. Im bildungspolitischen Handlungsfeld stehen Fragestellungen im Vordergrund, wie die Randbedingungen für WB günstig zu gestalten sind. Welchen Effekt haben bzw. hatten Modelle, Maßnahmen, Anreize, ordnungspolitische und gesetzgeberische Ansätze? Tragen bzw. trugen sie dazu bei, Ziele des lebenslangen Lernens besser zu erreichen? Wo liegen Forschungsdefizite und wie könnten Kosten-/Zeitpläne aussehen, sie zu beseitigen?

Die Vielfalt wird noch erweitert durch die Spezifikation, wer die im Auftrag oder aus „freien Stücken“ handelnden Akteure und die Nutzenden von W. sind (z.B. freie Dienstleister, wie Infratest im Auftrag von Ressorts bei Ländern und Bund; Statistische Ämter bei Ländern und Bund auf gesetzlicher Grundlage; Weiterbildungsorganisationen/-verbände für ihre Weiterbildungseinrichtungen; regionale Zusammenschlüsse; Einrichtungen außeruniversitärer Forschung, wie DIE, BIBB, IAB oder DIW im Auftrag, selbstständig oder in Kooperation; Hochschulen im Auftrag, selbstständig oder in Kooperation; Interessenverbände und parteinahe Stiftungen).

Die föderale Struktur in Deutschland wie auch die im Vergleich zu anderen Bildungssektoren weitgehend ungeregelte Weiterbildungsanbieterlandschaft sind Randbedingungen, die eine breit nutzbare, trägerumfassende, standardisierte, regelmäßige, sowohl flächendeckende als auch regionalisierbare, EU-verträgliche transparente W. mit Daten von Weiterbildungsanbietern (Angebotsstatistik) erheblich erschweren.

Seit Beginn des 21. Jh. zeichnen sich jedoch europäische und nationale Entwicklungen ab, die zumindest bereits große Teilbereiche, wie die von Betrieben durchgeführte WB (Continuing and Vocational Training Survey, CVTS, koordiniert von EUROSTAT, dem statistischen Amt der EU) und WB in öffentlicher Verantwortung (für Deutschland „Verbund Weiterbildungsstatistik“ des DIE, kirchliche EB und WB in Volkshochschulen einschließend), ausbaufähig abdecken. Eine W. wie die bundesweite Repräsentativbefragung (bis 2003 im Rahmen des Berichtssystems Weiterbildung des BMBF, ab 2006 im Rahmen der deutschen Variante des europäischen AES), die Informationen von Individuen auswertet („Nachfragestatistik“), steht zwar methodisch-organisatorisch vor geringeren Problemen, ihr Nutzen ist aber durch den bundesweiten Charakter der Fragestellungen (auch für einen Vergleich in Europa) auf relativ hoher politischer Ebene angesiedelt.

Einerseits im Zuge der anhaltenden Diskussion um outputorientierte Steuerung und zur Qualitätssicherung in den Einrichtungen und andererseits anlässlich der weiter offenen Fragen zum Aufbau einer für → lebenslanges Lernen geeigneten Infrastruktur zur Vernetzung von einrichtungsgebundenem und selbstgesteuertem Lernen durch Staat und Gesellschaft bleibt der Bedarf nach verlässlichen Planungsdaten offensichtlich. Trotz der immer noch unbefriedigenden Gesamtsituation der W. steht für Forschung und Praxis eine Vielfalt von Einzeldaten aus regelmäßigen Statistiken zur Verfügung.

Literatur

  • Gnahs, D.: Weiterbildungsstatistik. In: Tippelt, R. (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Opladen 2005

  • Kuwan, H. u.a.: Berichtssystem Weiterbildung IX. Integrierter Gesamtbericht zur Weiterbildungssituation in Deutschland. Durchgeführt im Auftrag des BMBF. Berlin/Bonn 2006

  • Pehl, K.: Strategische Nutzung statistischer Weiterbildungsdaten. Leitfaden für Einrichtungen und Verbände. Bielefeld 2007

  • Reichart, E./Huntemann, H.: Volkshochschul-Statistik 2007. Bonn 2008. URL: www.die-bonn.de/doks/reichart0802.pdf (Stand: 19.12.2009)

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt