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Horst Siebert

Bezugswissenschaften

Wenn → „Bildung“ als lebenslange Lernbemühung und als gesellschaftliches Teilsystem verstanden wird, leisten alle Human-, Sozial- und Kulturwissenschaften einen Beitrag zur Erforschung der EB. Aber auch Naturwissenschaften – insb. die Neurowissenschaften – tragen dazu bei. Welche Bedeutung diese Disziplinen für die Theorie und Praxis der EB haben, hängt von den gesellschaftlichen Kontexten und Funktionen der EB, den institutionellen Selbst- und Aufgabenverständnissen sowie von den Selbstbeschreibungen der B. und ihrem Interesse an Bildungsfragen ab.

Gelegentlich wird die → Erwachsenenbildungswissenschaft als interdisziplinäre Querschnittdisziplin bezeichnet. Eine wirksame Verschränkung der disziplinären Logiken und Methoden ist bisher theoretisch und empirisch nur selten gelungen. Eine Ausnahme war die „Göttinger Studie“ von Strzelewicz/Raapke/Schulenberg ( → Leitstudien). Neuerdings zeichnet sich in der Konstruktivismusdiskussion ( → Konstruktivismus) eine produktive interdisziplinäre Verknüpfung ab. Für eine sinnvolle Kooperation muss die EB jedoch ihre eigene Problemsicht präzisieren. Außerdem muss sie der Versuchung widerstehen, Erkenntnisse von Bezugswissenschaften zu schnell bildungspraktisch zu verwerten. Wünschenswert sind Perspektivverschränkungen zu zentralen Schlüsselproblemen.

Für eine EB, die sich als Bestandteil gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse versteht, sind soziologische Theorien unverzichtbar, so z.B. Ulrich Becks Theorie der Risikogesellschaft, Jürgen Habermas^' Theorie des kommunikativen Handelns, Niklas Luhmanns Systemtheorie ( → System). Angesichts der beschleunigten Individualisierung hat die Bedeutung der Psychologie in den 1990er Jahren wieder zugenommen, man denke z.B. an die Biographieforschung und die Kognitionswissenschaft. Da sich Bildungsarbeit vor allem im Medium der → Sprache vollzieht, sind auch die Sprach- und Kommunikationswissenschaften unentbehrlich. Hinzu kommt neuerdings das Interesse an globalen Kommunikationen via Internet.

WB ist seit einigen Jahren zu einem Wachstums- und Wettbewerbsfaktor geworden. Bedarfsanalysen und Finanzierungsmodelle erfordern ökonomische Kosten-Nutzen-Berechnungen. Aber auch Qualitätsmanagement, Organisationsentwicklung (lernende Organisation) und Regionalentwicklung sind nicht ohne ökonomisches Wissen denkbar.

Die meistdiskutierte aktuelle B. ist die Gehirnforschung. Jeder Lern- und Erkenntnisprozess basiert auf biochemischen und neurophysiologischen Aktivitäten des Gehirns. Kenntnisse des neuronalen Systems sind didaktisch anregend, auch wenn von den Neurowissenschaften keine pädagogisch-psychologischen Antworten erwartet werden können.

Aber auch andere Disziplinen sind für die EB von Bedeutung, z.B. die Ethik und die Erkenntnistheorie, die Chaostheorie (zur Selbststeuerung komplexer Systeme), aber mit dem Blick auf die Fachdidaktiken auch fast alle anderen Wissenschaften.

Literatur

  • Herrmann, U. (Hrsg.): Neurodidaktik. Weinheim 2006

  • Nolda, S. (Hrsg.): Sprachwissenschaft als Bezugswissenschaft der Erwachsenenbildung. Bad Heilbrunn/Obb. 1989

  • Nuissl, E. (Hrsg.): Vom Lernen zum Lehren. Bielefeld 2006

  • Strzelewicz, W./Raapke, H.-D./Schulenberg, W.: Bildung und gesellschaftliches Bewußtsein. Eine mehrstufige soziologische Untersuchung in Westdeutschland. Stuttgart 1966

  • Weinert, F./Mandl, H. (Hrsg.): Psychologie der Erwachsenenbildung. Göttingen 1997

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt