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Ekkehard Nuissl

Weiterbildungsstruktur

Die WB in Deutschland ist nicht staatlich geordnet. Sie ist in gesellschaftlichen Feldern entstanden und gewachsen, etwa im kirchlichen Bereich, bei den Gewerkschaften, als → Arbeiterbildung oder als Volksbildung. Sie unterliegt bislang nur dann einer staatlichen Ordnung, wenn sie an staatlichen Zuschüssen partizipieren will oder mehr oder weniger zu staatlichen Bereichen gehört (etwa bei der Lehrerfortbildung oder der WB an Hochschulen). Das einzige bundesweite Gesetz (zum → Fernunterricht) ist ein Verbraucherschutzgesetz, dies regelt aber nicht die Anbieterstruktur. Darüber hinaus liegt die politische Hoheit ( → Weiterbildungspolitik) für die Bildung allgemein (mit Ausnahmen in der → beruflichen Bildung) grundsätzlich bei den Ländern ( → Kultusministerkonferenz); entsprechend erfolgen auch direkte und indirekte Ordnungen im Bereich der öffentlich geförderten WB über die → Weiterbildungsgesetze der Länder. Ein wesentlicher Teil der Weiterbildungsaktivitäten findet jedoch jenseits von staatlichen Förderungsregelungen und Ordnungsgrundsätzen statt. In diesem Zusammenhang taucht auch häufig der Begriff des → Weiterbildungsmarktes (bzw. diverser Teilmärkte) auf.

Es ist, vor allem seit der Deklaration der „vierten Säule“ des Bildungsbereichs, immer wieder versucht worden, die Struktur des Weiterbildungsbereichs zu beschreiben. Dabei entstanden vielfältige Ansätze, die sich jeweils danach unterscheiden, welcher Aspekt als oberstes Ordnungsprinzip verwendet wurde:

  • Adressaten bzw. der Zugang: Hamacher führte auf Basis dieses Kriteriums die Unterscheidung zwischen offener und geschlossener WB ein. Danach sind Veranstalter der geschlossenen WB der öffentliche Dienst, Betriebe und Verbände; die der offenen WB vor allem die → Volkshochschulen.

  • Gesellschaftliche Stellung der Trägerorganisation: Hier wird zwischen öffentlicher und freier WB unterschieden (Müller 1982). Erstere ist dabei diejenige, die staatlich oder kommunal gefördert, letztere diejenige, die von gesellschaftlichen Organisationen und privaten Betrieben verantwortet wird.

  • Interesse der veranstaltenden Einrichtung: Unterschieden werden hier erwerbswirtschaftliche (z.B. Fernlehrinstitute), partikulare gesellschaftliche (z.B. Kirchen und Gewerkschaften), öffentliche (z.B. Volkshochschulen) sowie organisatorische Interessen (z.B. Betriebe) (Müller 1982).

  • Organisationszugehörigkeit einer Einrichtung: Danach wird unterschieden zwischen freien Einrichtungen und Trägern, die keiner gesellschaftlichen Großorganisation und vor allem keiner Bildungsideologie verpflichtet sind (z.B. Volkshochschulen und kommerzielle Einrichtungen), und den gebundenen Einrichtungen, für die dies zutrifft (z.B. Bildungswerke der Wirtschaft, der Gewerkschaften, der Kirchen oder auch Stiftungen von Parteien).

  • Rechtsnatur der → Träger: Hier wird unterschieden zwischen öffentlichen Einrichtungen in der Zuständigkeit von Bund und Ländern, Einrichtungen in der Zuständigkeit der Kommunen, öffentlich-rechtlichen Einrichtungen, nicht-öffentlichen Einrichtungen in privater Trägerschaft und kommerziellen Einrichtungen. Weiterbildungseinrichtungen sowie deren Träger und Verbände sind mittlerweile zudem durch eine Vielfalt von → Rechtsformen (z.B. GmbH, gGmbH, Verein, Genossenschaft etc.) gekennzeichnet, die auch die Frage von Zuständigkeiten immer verschwommener werden lässt.

  • Inhaltsbereich des → Angebots: Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich eine Gliederung verbreitet, die zwischen Einrichtungen der beruflichen und solchen der nicht-beruflichen WB unterscheidet (Klemm 1990); in beiden Angebotssegmenten finden sich zahlreiche Formen und Themen (z.B. betriebliche WB, Fortbildung, Umschulung, politische Bildung, Allgemeinbildung, kulturelle Bildung etc.).

Die teilweise identischen Begriffe für unterschiedliche Sachverhalte in unterschiedlichen Kontexten (z.B. „freie“ EB) sind in der Diskussion nicht nur verwirrend, sondern machen auch die Schwierigkeit deutlich, systematische Ordnungen in einem historisch plural gewachsenen Bereich zu suchen bzw. zu schaffen. Vielfach reduzieren sich daher Strukturierungsversuche auf die Auflistung derjenigen Weiterbildungsbereiche, die sich als bundesweit agierende Organisationsstrukturen etabliert haben, etwa die WB der Wirtschaft, die Volkshochschulen, die → katholische und die → evangelische EB, die gewerkschaftliche WB, die WB an Hochschulen, die politische Bildung in Stiftungen und Landeszentralen, die Heimvolkshochschulen und andere.

In der Diskussion um die Sicherung und Förderung einer Weiterbildungsstruktur in Deutschland, die gestalterische Ordnungsgrundsätze – wie Offenheit des Zugangs/Partizipation, Qualität des Angebots, Freiheit der Lehre und Professionalisierung des Personals in der EB/WB – gewährleisten soll, ist die finanzielle Absicherung ( → Finanzierung) von EB/WB ein wesentlicher Faktor (Expertenkommission 2004).

Literatur

  • DIE: Trends der Weiterbildung. DIE-Trendanalyse 2008. Bielefeld 2008

  • Expertenkommission Finanzierung Lebenslangen Lernens: Der Weg in die Zukunft. Schlussbericht der unabhängigen Expertenkommission Finanzierung Lebenslangen Lernens. Bonn 2004 (BMBF)

  • Hamacher, P.: Entwicklungsplanung für die Weiterbildung. Braunschweig 1976

  • Klemm, K. u.a.: Bildungsgesamtplan 1990. Stuttgart 1990

  • Knoll, J.: Einführung in die Erwachsenenbildung. Berlin/New York 1973

  • Müller, H.: Organisationen der Weiterbildung. In: Nuissl, E. (Hrsg.): Taschenbuch der Erwachsenenbildung. Baltmannsweiler 1982

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt