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Peter Faulstich

Weiterbildungssystem

Das W. umfasst alle → Institutionen, → Programme und Kurse sowie Lernprozesse, welche die Aneignung von Wissen durch Erwachsene vermitteln. Dabei ist angesichts der Segmentierung und Partialisierung durchaus strittig, ob insgesamt von einem System gesprochen werden kann. Um den gegenwärtigen Entwicklungsstand zu kennzeichnen, ist der Begriff „mittlere Systematisierung“ eingeführt worden. Dies gilt bezogen auf die Systemgrenzen, wo einerseits ein fortschreitender Prozess der Herausverlagerung von Lernaufgaben aus primären gesellschaftlichen Institutionen voranschreitet, gleichzeitig aber auch eine Ausbreitung, Zerstreuung und Entgrenzung stattfindet. Dies gilt auch bezogen auf die strukturierenden Regulationsmechanismen: Im Spannungsfeld von Politik und Ökonomie stellt es ein „gemischtwirtschaftliches“ System dar. Darüber hinaus sind die Bedarfe an WB „weich“, weil Interessen und Motive häufig latent bleiben und deshalb oft Ersatz- und Ausweichstrategien greifen.

Schließlich gibt es auch widerstreitende Prinzipien für die Gestaltung der internen Struktur bezogen auf die verschiedenen Systemaspekte. Dazu zählen:

  • Institutionalisierung: Betrachtet man die Trägerstrukturen ( → Träger), so stellt sich eine große Vielfalt dar. WB wird bereitgestellt von Betrieben, → Volkshochschulen, Privatinstitutionen, kirchlichen Stellen, Verbänden, Berufsverbänden, Hochschulen, Akademien, Wohlfahrtsverbänden, Kammern, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden, Fachschulen und vielen anderen.

  • Curricularisierung: Es gibt im Verhältnis von Planung und Offenheit des → Lernens Erwachsener immer schon Probleme bei der Festlegung von Lernzielen, der Auswahl von Lerninhalten und der Bestimmung angemessener → Methoden. Dies ist zum einen verursacht durch die Anforderung, Bildung sei Selbstbestimmung, zum anderen durch die hohe Flexibilität und Dynamik der Funktionen und Themen.

  • Zertifizierung: Ein Vorteil von Weiterbildungsangeboten ist sicherlich ihre hohe Beweglichkeit. Das System kann auf neue Probleme schnell reagieren. Nur für einen Teil der Angebote ist es möglich und sinnvoll, dies in Ordnungen, z.B. für Fortbildungsprüfungen, festzulegen. Gleichzeitig gibt es aber angesichts nicht geregelter Anrechenbarkeit Schwierigkeiten mit der Verwendbarkeit und Verwertbarkeit der Ansprüche, die aus dem Gelernten resultieren. Es steht aus, dass ein gemeinsames Zertifizierungssystem der Erstausbildung und der WB entwickelt wird, das Übertragbarkeit und Durchlässigkeit sichert.

  • Professionalisierung: Die statistischen Daten über die Personalstruktur ( → Personal) in der EB sind noch lückenhafter als diejenigen über Teilnahme und Finanzen. Nur wenige große Institutionen verfügen über einen breiten Personalstamm, gleichzeitig sind die Aufgaben von Leitung, Planung, Unterricht und Verwaltung oft wenig differenziert. Weil die Zahl der hauptberuflichen Stellen nach wie vor relativ gering ist, gibt es eine „marginale Professionalisierung“, bei der das Hauptgewicht der Arbeitstätigkeiten bei Honorarkräften bzw. nebenberuflichen oder ehrenamtlichen Personen liegt.

  • Finanzierung: Der Finanzmix der WB besteht aus einem Geflecht von internen Kosten, öffentlichen Ausgaben, Staatsfinanzen, direkten und indirekten Subventionen sowie von Gebühren, Beiträgen und Entgelten.

Vertreten wird vor diesem Hintergrund „mittlerer Systematisierung“ die Perspektive, dass WB sich im Zuge ihrer wachsenden Bedeutung weder auf dem Wege befindet, so strukturiert, koordiniert und einheitlich zu werden wie andere Teilbereiche des Bildungswesens – Schule und Hochschule –, noch dass sie ihre Aufgaben erfüllen kann, wenn sie allein den Initiativen der Anbieter und Nachfrager überlassen bleibt. Was sich herausbildet, ist ein Trend zu einer stärkeren Systematisierung, der allerdings immer wieder von Deinstitutionalisierungsprozessen und Zurückverlagerungen gebrochen wird.

Um Einschätzungen über die zukünftige Weiterbildungsentwicklung zu begründen, muss der Gesamtbereich betrachtet werden. Gleichzeitig mit der Neugewichtung und Umverteilung zwischen den Institutionen gibt es auch ein Ineinanderschieben zwischen trägerbezogenen und unternehmensbezogenen Aktivitäten. Die Unterscheidung zwischen betrieblicher und „externer“ WB ist schon lange nicht mehr trennscharf. Die Institutionensegmente überschneiden sich: „Öffentliche“ Träger kommerzialisieren sich; betriebliche Weiterbildungsabteilungen werden selbstständig, Weiterbildungsunternehmen diversifizieren ihre „Produktpalette“. Das wichtigste Spannungsfeld für die weitere Perspektive der EB entsteht durch das Verhältnis von unternehmensbezogener WB in den Betrieben und den Erwachsenenbildungsträgern.

Literatur

  • Faulstich, P./Haberzeth, E.: Recht und Politik. Bielefeld 2007

  • Faulstich, P./Teichler, U./Döring, O.: Bestand und Entwicklungsrichtungen der Weiterbildung in Schleswig-Holstein. Weinheim 1996

  • Faulstich, P./Zeuner, C:. Erwachsenenbildung. Eine handlungsorientierte Einführung in Theorie, Didaktik und Adressaten. 2. Aufl. Weinheim 2006

  • Faulstich, P. u.a.: Bestand und Perspektiven der Weiterbildung. Das Beispiel Hessen. Weinheim 1991

  • Krug, P./Nuissl E. (Hrsg.): Praxishandbuch Weiterbildungsrecht. Loseblattwerk. Neuwied 2004 (Grundwerk)

  • Nuissl, E.: Ordnungsgrundsätze der Erwachsenenbildung in Deutschland. Tippelt, R. (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. 3., überarb. und erw. Aufl. Opladen 2009

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt