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Martin Brüggemeier

Wirtschaftlichkeit

Der Begriff der W. beschreibt zunächst lediglich eine formale Relation zwischen eingesetzten Mitteln (Input) und dem erreichten Ergebnis (Output). Dabei können sowohl Mengen als auch Werte ins Verhältnis gesetzt werden. Das aus dem allgemeinen Rationalprinzip abgeleitete Wirtschaftlichkeitsprinzip besagt, dass ein Handeln dann rational ist, wenn eine möglichst günstige bzw. optimale Input-Output- bzw. Kosten-Nutzen-Relation erreicht wird. Indem entweder der Output oder der Input konstant bzw. variabel gesetzt werden, entstehen die zwei Varianten des Wirtschaftlichkeitsprinzips. Beim „Maximumprinzip“ soll mit vorgegebenen Mitteln möglichst viel erreicht werden, während es beim „Minimumprinzip“ darum geht, ein vorgegebenes Ergebnis mit möglichst geringem Mitteleinsatz zu realisieren. Da in Weiterbildungseinrichtungen unter Knappheitsbedingungen gehandelt und entschieden werden muss, gilt das Prinzip der W. grundsätzlich auch hier.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird die W. einer Weiterbildungseinrichtung ermittelt durch eine periodisierte (Monat, Quartal, Jahr) Gegenüberstellung der erbrachten Leistungen mit dem in Geld gemessenen Ressourcenverbrauch, der durch die Leistungserstellung verursacht wurde (Kosten). Im Zusammenhang mit WB können generell folgende Leistungsarten unterschieden werden: Kurse, Einzelveranstaltungen, Abschluss- und Zwischenprüfungen, Ausstellungen, Studienfahrten, Bildungsberatung und Bereitstellung terminunabhängiger, individueller Lernmöglichkeiten. Der überwiegende Teil des Leistungsvolumens (Kurse und Einzelveranstaltungen) kann in Unterrichtseinheiten (UE) gut gemessen werden. In Geldwerten wird der Weiterbildungsoutput in den Beträgen des Aufkommens aus Teilnahme-Entgelten und Auftrags- oder Sondermaßnahmen quantifiziert.

Zur Feststellung und Überprüfung der W. wird insb. die Kosten- und Leistungsrechnung herangezogen. Dabei hat sich als Instrument zur Kostenanalyse und zur Steuerung von Weiterbildungseinrichtungen die Deckungsbeitragsrechnung bewährt. Diese zeigt auf, in welchem Ausmaß die mit der Leistungserstellung verbundenen Einzelkosten in einer Rechnungsperiode durch betriebsbedingte Einnahmen (insb. Teilnahme-Entgelte) gedeckt werden.

W. erschöpft sich weder in bloßer „Sparsamkeit“ noch darf W. bei Weiterbildungseinrichtungen ohne erwerbswirtschaftliche Zielsetzung mit „Gewinn“ oder „Rentabilität“ gleichgesetzt werden. Für ein angemessenes konkretes Verständnis von W. ist entscheidend, welcher (Primär-)Zweck mit einer Weiterbildungseinrichtung verfolgt wird. Ist das Angebot auf dem → Weiterbildungsmarkt in erster Linie als Mittel zum Zweck der Erzielung von Einkünften zu betrachten, so handelt es sich bei Gewinn- bzw. Rentabilitätskennzahlen um adäquate Maßstäbe zur Beurteilung der W. Sind jedoch die Weiterbildungsangebote und die damit angestrebten pädagogischen bzw. bildungspolitischen Wirkungen als der eigentliche Zweck zu betrachten, so ist die Berücksichtigung des Wirtschaftlichkeitsprinzips kein Selbstzweck. W. stellt dann vielmehr eine wichtige Nebenbedingung dar. Beispielsweise wäre ein quantitativ und qualitativ klar definiertes Weiterbildungsangebot dann „wirtschaftlich“, wenn seine Realisierung als öffentliche Aufgabe unter Berücksichtigung des Minimumprinzips erfolgt (sog. Gemeinwirtschaftlichkeit). Den Grad an W. im normativen Sinne ausschließlich bzw. generell über den (möglichst hohen) Kostendeckungsgrad zu bestimmen (sog. Eigenwirtschaftlichkeit), greift hingegen zu kurz, da WB als meritorisches Gut ja oftmals gerade deshalb nicht zu kostendeckenden Entgelten in öffentlicher Verantwortung angeboten wird, weil die Nachfrage im Sinne bildungs- und gesellschaftspolitischer Ziele beeinflusst werden soll.

Anders als häufig unterstellt wird, gibt es keine W., die „an sich“ fest steht. Welche Input- bzw. Outputgrößen mit welchen Wertansätzen zu erfassen sind, ist von der Zielsetzung der zu beurteilenden Leistungsprozesse abhängig. Aus unterschiedlichen Zielsetzungen resultieren folglich auch unterschiedliche W. Angesichts des Umstands, dass bei Weiterbildungseinrichtungen die Inputs in der Regel besser quantifizierbar sind als die Outputs, besteht die Gefahr, dass zur Verbesserung der gemessenen W. fassbare Kosten zu Lasten von nicht-fassbarem pädagogischem Nutzen reduziert werden. Dies unterstreicht die Bedeutung von → Qualitätsmanagement in Weiterbildungseinrichtungen. Für das Verständnis von W. ist weiterhin wichtig, dass normative Aussagen über die W. von Weiterbildungseinrichtungen oder -angeboten nur möglich sind, wenn es Maßstäbe gibt. Insbesondere dort, wo aufgrund eingeschränkter Wettbewerbsbedingungen und öffentlicher Finanzierung eine Evaluation der W. einer Weiterbildungseinrichtung durch den → Weiterbildungsmarkt selbst nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, lässt sich W. beispielsweise nur auf der Basis von Zeit- und/oder Institutionen- bzw. Prozessvergleichen (Benchmarking) konkret beurteilen. Sich darum zu kümmern, ist eine der Aufgaben des → Controllings von Weiterbildungseinrichtungen. Mit diesen Hinweisen wird zugleich die politische Komponente von W. deutlich. Es geht angesichts eines wachsenden ökonomischen Legitimationsdrucks auf bzw. in Weiterbildungseinrichtungen letztlich auch darum, wie die Definitionsmacht für Wirtschaftlichkeitskriterien und Wirtschaftlichkeitsmaßstäbe verteilt ist.

Neben dem Denken in zu optimierenden Input-Output-Relationen zeigt sich wirtschaftliches Denken auch darin, dass

  • als eigentlich auslösendes Moment ökonomischen Handelns Mängel bewusst wahrgenommen werden und zugleich nicht ignoriert wird, dass in der Regel nicht alle Bedürfnisse befriedigt werden können,

  • in Restriktionen gedacht wird und zu Kenntnis genommen wird, dass unter Knappheitsbedingungen Prioritäten und Posterioritäten gesetzt werden und Ausgaben und Einnahmen im Gleichgewicht gehalten werden müssen,

  • in Alternativen und in Investitionskategorien gedacht und daher erwogen wird, welche Chancen, Risiken und (ggf. entgehende) Nutzenpotenziale sich mit den Handlungs- bzw. Entscheidungsalternativen verbinden,

  • dynamisch über (nicht) erfolgte und künftig anzustrebende Änderungen nachgedacht wird.

Obwohl offensichtlich ist, dass sich die genannten allgemeinen Wirtschaftlichkeitsmaximen nicht nur im Denken und Handeln von Ökonomen widerspiegeln, sondern u.a. auch von Pädagogen angewandt werden, stößt W. im Kontext der WB auch heute noch auf viele grundsätzliche Vorbehalte. Dabei wird übersehen, worauf F. Edding als Nestor der Bildungsökonomie bereits zu Beginn der 1960er Jahre eindrucksvoll aufmerksam gemacht hat. Kein verantwortlich handelnder Bereich der Gesellschaft kann sich ökonomischen Zwängen entziehen. Wirtschaftliches Denken und Handeln ist insofern kein „Tribut an den neoliberalen Zeitgeist“, sondern vielmehr zu begreifen als „eine Grundkategorie des schöpferischen menschlichen Lebens, eine unlöslich mit allen Bereichen menschlichen Tuns verbundene Seite des geistigen Seins“ (Edding 1963).

Literatur

  • Budäus, D.: Wirtschaftlichkeit. In: Naschold, F. u.a.: Leistungstiefe im öffentlichen Sektor. Berlin 1996

  • Edding, F.: Ökonomische Forschung im Dienste des Bildungswesens. Zur Wirtschaftlichkeit und Rentabilität des Bildungsaufwands. In: Lemberg, E. (Hrsg.): Das Bildungswesen als Gegenstand der Forschung. Heidelberg 1963

  • Friedrich, K./Meisel, K./Schuldt, H.J.: Wirtschaftlichkeit in Weiterbildungseinrichtungen. 3., überarb. Aufl. Bielefeld 2005

  • Rohlmann, R.: Kostenrechnung und Kostenanalyse für Volkshochschulen. 3. Aufl. Frankfurt a.M. 1995

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt