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Georg Krücken

Wissensmanagement

Die zunehmende Bedeutung von Wissen für die Gesellschaft, die unter dem Stichwort → „Wissensgesellschaft“ breit thematisiert wird, findet ihre Entsprechung auf der Ebene von → Organisationen. Hier wird, im Gegensatz zur Gesellschaftsebene, zumeist die Möglichkeit einer planvollen und zielorientierten Generierung und Nutzung des → Wissens angenommen, die darin zum Ausdruck kommt, dass Wissen als Managementaufgabe verstanden wird. Grundlage für die Entstehung von W. als einem sich seit den 1990er Jahren rasch entwickelnden Forschungs-, Beratungs- und Praxisfeld ist das 1995 erschienene Buch der Managementforscher Ikujiro Nonaka und Hirotaka Takeuchi, in dem sie die Innovativität und Leistungsfähigkeit japanischer Unternehmen auf den dort vorherrschenden Umgang mit Wissen zurückführen. Von besonderer Bedeutung ist ihnen zufolge das Verhältnis von implizitem zu explizitem Wissen. Hier schließen sie an eine einflussreiche Unterscheidung des britischen Chemikers und Wissenschaftsforschers Michael Polanyi an, dem zufolge selbst im Wissenschaftssystem, das wie vermutlich kein anderes System der Gesellschaft auf explizitem, d.h. verschriftlichtem, kodifiziertem und allgemein zugänglichem Wissen basiert, weite Teile des Wissens impliziten, d.h. stillschweigenden und personengebundenen Charakter haben und sich nur in der konkreten Tätigkeit erfahren lassen. Für Polanyi, der die wissenschaftliche Tätigkeit vor Augen hatte, ist die Grenze zwischen implizitem und explizitem Wissen unüberbrückbar. Demgegenüber beobachteten Nonaka und Takeuchi vielfältige Transformationsprozesse zwischen implizitem und explizitem Wissen in Unternehmen. In diesen Prozessen diffundiert Wissen, und andere Personen und Organisationsbereiche werden erreicht. Hinsichtlich des W. ist vor allem die als Externalisierung bezeichnete Transformation impliziten Wissens in explizites Wissen von Bedeutung. Dies geschieht vor allem in konkreten Interaktionen und mithilfe des Gebrauchs von Metaphern und Analogien.

Insbesondere im deutschsprachigen Raum entfernte sich die hieran anschließende Diskussion jedoch zunächst sehr weit von diesen interaktionistischen Grundlagen. Im Vordergrund standen vor allem der Einbau des W. in traditionelle betriebswirtschaftliche Managementmodelle sowie die Erfassung und Systematisierung unternehmensinterner Wissensbestände mithilfe von Datenbanken. Die rasante Entwicklung der EDV und der Aufbau entsprechender wissenschaftlicher Disziplinen, wie der Wirtschaftsinformatik, spielten hierbei eine Rolle. Später gab es vermehrt Kritik an dieser Ausrichtung, die vor allem auf Informationen abzielte und weniger auf Wissen, das im Gegensatz zu Informationen immer an einen spezifischen Kontext gebunden ist. Gegenüber der formalen und informationstechnologisch basierten Ausrichtung wurde auch aus Sicht der unternehmensbezogenen Betriebswirtschaftslehre in den letzten Jahren die Bedeutung von „communities of practice“ (Wenger 1998) betont. Derartige Praxisgemeinschaften fokussieren auf konkrete Probleme und ermöglichen informelles Lernen. Das hier generierte Wissen diffundiert über die Mitglieder, wobei die Mitgliedschaft offen und fluide ist. Dieses Verständnis von W. scheint zudem für Bildungsorganisationen angemessener zu sein, da gerade hier personenbezogene, Face-to-face-Interaktionen sowie Gruppenprozesse dominieren, an denen die Generierung und Nutzung von Wissen anzusetzen haben. Auch diese eher qualitative Ausrichtung wirft jedoch eine Reihe von Fragen auf, die Wissenschaft und Praxis gleichermaßen beschäftigen: von dem zugrunde liegenden Wissensverständnis über die Qualitätssicherung bis hin zur intentionalen Steuerbarkeit von Wissensprozessen generell.

Literatur

  • Nonaka, I./Takeuchi, H.: The Knowledge-Creating Company. How japanese companies create the dynamics of innovation. New York/Oxford 1995

  • Polanyi, M.: The Tacit Dimension. New York 1967 (dt. Übers.: Implizites Wissen. Frankfurt a.M. 1985)

  • Wenger, E.: Communities of Practice. Learning, meaning and identity. Cambridge 1998

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt