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Dieter Brinkmann

Zeitform

Der Begriff Z. bezeichnet die zeitliche Organisation einer Bildungsveranstaltung hinsichtlich Lage, Dauer und rhythmischer Gestalt im Kontext der Zeitdimensionen Tag, Woche und Jahr (z.B. Abendkurs, Vormittagskurs, Wochenseminar, Wochenendseminar, Kompaktseminar). Die Z. ist neben dem → Lernort ein zentrales Strukturmerkmal von → Angeboten der EB. Sie steht in Wechselwirkung mit anderen Planungsfaktoren wie den → Inhalten, der → Zielgruppe, den Lehr-/Lernformen und hängt auch mit den institutionellen Rahmenbedingungen zusammen (z.B. Ausstattung mit Räumlichkeiten).

An Bedeutung gewinnt die Z. (bzw. der ältere Begriff „Zeitorganisationsform“) im Zuge einer Ausdifferenzierung der Angebote der EB zu einer Vielfalt unterschiedlicher Typen und der Erschließung neuer Zeitbereiche vor dem Hintergrund der Freizeitentwicklung in Deutschland seit Mitte der 1970er Jahre. Für die ältere EB war noch die Kurszeit „am Abend“ typisch. Daneben spielte die Seminarorganisation in Blockform im Zusammenhang mit einer Internatsunterbringung eine Rolle. Tendenziell entwickelt sich die EB heute in Richtung einer zeitflexiblen Lernumgebung mit vielfältigen „Zeitfenstern“. Im Sinne einer bürgerorientierten Dienstleistungsinstitution wird so versucht, den zunehmend unterschiedlichen Zeitplänen der Weiterbildungsinteressierten gerecht zu werden.

Kennzeichnend für die nach wie vor bedeutende Z. des Abendkurses sind die Lage der Kurszeit zwischen 18.00 und 22.00 Uhr sowie eine Abfolge von mehreren Kursterminen in einem wöchentlichen Rhythmus. Varianten der Z. ergeben sich durch eine veränderte Lage der Kurszeit am Tag (z.B. am Vormittag) oder durch einen Wechsel der zeitlichen Gestalt. Bei einem Wochenkurs (Wochenseminar) folgen anders als bei einem rhythmischen Kurs über mehrere Wochen die einzelnen Kurstermine unmittelbar aufeinander und bilden so einen gemeinsamen kompakten Block. Blockangebote am Wochenende (Wochenendseminare) können einen oder mehrere Tage des Wochenendes (Freitag, Samstag, Sonntag) umfassen und ebenso wie Wochenkurse ganztags oder halbtags durchgeführt werden. Dabei ist die Z. heute unabhängig von der übrigen Seminarorganisation zu betrachten: Ein Wochenseminar, aber auch ein Wochenendseminar kann sowohl in Internatsform (z.B. in Heimvolkshochschulen) als auch „ambulant“ in lokalen → Einrichtungen der EB durchgeführt werden. Für diese Angebote, aber auch für kurze rhythmische Kurse finden sich heute noch wenig trennscharfe Bezeichnungen wie „Kompaktseminar“ oder „Intensivkurs“. Typisch erscheint, dass die Lernzeit pro Termin ausgedehnt wird. Gleichzeitig werden die Anzahl der Termine und auch die Laufzeit des gesamten Kurses reduziert. Besonders in der → beruflichen WB stoßen diese kompakten Z. auf wachsende Akzeptanz.

Derzeit am besten dokumentiert sind die Z. der Volkshochschul-Angebote ( → Volkshochschulen). Im Jahr 2006 wurden 48,7 % der Angebote in der Z. des Abendkurses durchgeführt, 35,9 % waren Tageskurse (vormittags, nachmittags). Die Wochenendkurse hatten insgesamt einen Anteil von 6 %, Wochenkurse kamen auf 3,5 %, und einmalige Tagesveranstaltungen umfassten 6 % der Angebote. Die Trendanalyse zeigt, dass der Abendkurs mit einem oder mehreren Terminen in der Woche seit Mitte der 1980er Jahre stark an Bedeutung verloren hat. Die kompakten Z. (Wochenendkurse, Wochenkurse und einmalige Tagesveranstaltungen) haben bis 2002 Anteile hinzugewonnen. Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren nicht weiter fortgesetzt, dagegen ist der Anteil der regelmäßig stattfindenden Tageskurse von 1996 bis 2006 um 12 Prozentpunkte angestiegen (vgl. Volkshochschul-Statistik).

Umbrüche in den Zeitmustern der → Gesellschaft, wie sie sich mit der Flexibilisierung der Arbeitszeit und veränderten Freizeitmustern von jüngeren und älteren Menschen abzeichnen, spielen eine wachsende Rolle für die Gestaltung von Z. in der EB. Stärker zu berücksichtigen ist außerdem die Sicht der Teilnehmenden. Folgende Aspekte erscheinen von herausragender Bedeutung für die Wahl von Z.: die Abstimmung der Kurszeiten mit anderen Zeitbindungen (z.B. Erwerbstätigkeit), die Realisierung von Aktivitäten im Einklang mit der subjektiven Bewertung von Zeiten (Freizeitqualität) und die Beurteilung von Z. mit Blick auf die Effektivität von Lernprozessen.

Literatur

  • Nahrstedt, W./Brinkmann, D./Kadel, V. (Hrsg.): Neue Zeitfenster für Weiterbildung? Arbeitszeitflexibilisierung und temporale Muster der Angebotsgestaltung. Bielefeld 1997

  • DIE (Hrsg.): Volkshochschul-Statistik. Frankfurt a.M./Bonn 1965-2008 (erscheint jährlich, seit 1997 als Online-Veröffentlichung). URL: www.die-bonn.de/service/statistik/ (Stand: 19.12.2009

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt