Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

Das Wörterbuch Erwachsenenbildung bündelt das gegenwärtige Wissen über Erwachsenenbildung. Es enthält über 300 Stichworte zu den Themenfeldern Didaktik und Methodik, Forschung und Wissenschaft, Geschichte und Entwicklung, Lernen und Erfahrung, Organisation und Profession, Politik und Recht sowie Theorien und Konzepte. Alle Artikel wurden von ausgewiesenen Fachleuten nach dem neuesten Stand der Diskussion verfasst. Sie sind urheberrechtlich geschützt.

Mehr über das Wörterbuch erfahren

Suchvorschläge:

Aufklapper schließen

Carola Schelle-Wolff

Bibliotheken

B. sind als in der Regel nicht-kommerzielle Dienstleistungsorganisationen in der Wissensgesellschaft von herausragender Bedeutung für Ausbildung, Forschung, Lehre und WB. B. sichern den Zugang zu Bildungsquellen und wissenschaftlichen Informationen, indem sie gedruckte oder digitale Werke planvoll sammeln, bewahren, erschließen, präsentieren und vermitteln. Durch vernetzte Medienangebote und im Internet zugängliche Kataloge sichern B. die lokale und überregionale Literaturversorgung. In Verbünden zusammengeschlossen bieten B. heute Zugang zu Datenbanken und elektronischen Dokumenten. Verbundkataloge ermöglichen die bibliotheksübergreifende Suche nach Literatur und Dokumenten.

Neben den öffentlichen Trägern (Bund, Ländern, Städten und Gemeinden) unterhalten die Katholische und die Evangelische Kirche sowie private Träger B. Der Bund trägt außer der Deutschen Nationalbibliothek mit Standorten in Frankfurt a.M., Leipzig und Berlin vor allem B. in seinen Behörden und finanziert über die Forschungsförderung zahlreiche Spezialb. mit. Die Länder sind Träger der Hochschulb., Staats- und Landesb. sowie der B. ihrer Behörden. Städte und Gemeinde unterhalten öffentliche B., die Medien für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen zur Bildung und Unterhaltung anbieten.

Die EB braucht ein gut funktionierendes Bibliothekswesen, das allen Bevölkerungsteilen Zugang zu Wissen und Informationen ermöglicht und Bildungsprozesse unterstützt. Besonders die kommunalen öffentlichen B. sind Anlaufstellen für → lebenslanges Lernen. Von ihrer Geschichte her ist die öffentliche B. eng mit der Bildungsbewegung verbunden. Ende des 18. Jh. bildeten sich bürgerliche → Lesegesellschaften mit eigenen B. als Orte der Kommunikation. Seit Mitte des 19. Jh. entstanden durch Initiative liberaler Vereine, der Kirchen und der Arbeiterbewegung B. Die Idee allgemein zugänglicher B. entwickelte sich unter dem Einfluss der amerikanischen Public Libraries. Oft entstanden in den Städten durch Zusammenlegung von wissenschaftlicher Stadtbibliothek und Volksbücherei weltanschaulich neutrale, für jedermann zugängliche Einheitsb., die ein breites Sortiment an Büchern, Zeitungen und Zeitschriften zur Bildung und Unterhaltung boten. Im Kontext der Bestrebungen zur Wissenspopularisierung und der Einrichtung von → Volkshochschulen in der ersten Hälfte des 20. Jh. fiel auch den B. eine wichtige Rolle zu, jedoch entwickelten sich beide Volksbildungseinrichtungen unabhängig voneinander. Im seit vor Beginn des Ersten Weltkriegs schwelenden Richtungsstreit stritten die volkspädagogische Richtung, die den Bibliothekar als pädagogischen Lenker der Leser sah, und die Vertreter der Bücherhallenbewegung, die die Public Library als Modell sahen. Erstere Richtung bereitete der völkischen Bibliothekspolitik im „Dritten Reich“ den Boden. „Säuberung“ und Gleichschaltung der B., die Vereinnahmung der öffentlichen B. für die Ziele der nationalsozialistischen Diktatur machte die B. zu einseitig ausgerichteten, staatlich gelenkten Institutionen.

Während in der DDR das Bibliothekssystem eine wichtige Rolle beim Aufbau des Sozialismus erhielt, lösten sich die öffentlichen B. im Westen allmählich von der pädagogisch geprägten Thekenbibliothek und knüpften mit systematisch aufgestellten, frei zugänglichen Buchbeständen als Einrichtungen der demokratischen Willensbildung an das amerikanische Vorbild an. Öffentliche B. verstehen sich heute als Bildungseinrichtungen, die kulturelle Jugendbildung, Leseförderung und die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz betreiben sowie ein breites Angebot unterschiedlicher Medien zur Verfügung stellen. Als → Lernorte unterstützen B. sowohl das selbstgesteuerte als auch das institutionalisierte Lernen.

Aktuell gibt es in vielen Kommunen Bestrebungen zur stärkeren Vernetzung der B. mit anderen Bildungseinrichtungen, v.a. mit Schulen und Volkshochschulen. In Kooperationen entstehen den englischen Learning Centres und Idea Stores ähnliche Lernzentren, die traditionelle Bibliotheksangebote mit Selbstlernangeboten und Seminarräumen verbinden und neue Lernformen, wie z.B. → E-Learning, unterstützen.

Literatur

  • Jochum, U.: Kleine Bibliotheksgeschichte. Stuttgart 1999

  • Plassmann, E./Seefeldt, J.: Das Bibliothekswesen der Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden 1999

  • Plassmann, E. u.a.: Bibliotheken und Informationsgesellschaft in Deutschland. Wiesbaden 2006

  • Seefeldt, J./Syré, L.: Portale zu Vergangenheit und Zukunft. Bibliotheken in Deutschland. 3. Aufl. Hildesheim 2007

  • Stang, R. (Hrsg.): Bibliotheken und lebenslanges Lernen. Bielefeld 2001

Zurück zur Startseite

Das Buch zur Site

Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

» Buch online bestellen

Sie erhalten das Buch auch in Ihrer Buchhandlung!

Die Anbieter

Diese Seite ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, des Klinkhardt-Verlags und der UTB GmbH.

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist die zentrale Einrichtung für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung in Deutschland. Aus dem Institut stammen die Herausgeber des Wörterbuchs.

Der Klinkhardt-Verlag ist ein pädagogischer Fachverlag. Er hat die Entwicklung des Wörterbuchs verlegerisch betreut.

UTB ist ein Verlag für Lehr- und Studienbücher. Bei UTB ist die Druckausgabe des Wörterbuchs erschienen.

Zum Weiterlesen


Lade Daten...
Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Mehr im UTB-Shop!
 

utb GmbH

Industriestraße 2
D-70565 Stuttgart, Germany

Fon: +49 711 7 82 95 55-0
Fax: +49 711 7 80 13 76
utb(at)utb-stuttgart.de

Impressum
Datenschutzhinweise
Widerrufsbelehrung

Pfeil nach links Zurück zur Website

utb-Homepage

Zum UTB-Online-Shop

Vom Uni-Taschenbuch bis zur e-Learning-Umgebung: Das komplette utb-Angebot für Studierende, Dozenten, Bibliotheken und Buchhandel.

[Zur utb-Homepage]

utb-Online-Shop

Zum UTB-Online-Shop

Ob gedrucktes Buch oder digitale Ausgabe – im utb-Shop finden Sie alle utb-Titel übersichtlich sortiert.

[Zum utb-Shop]

utb bei Facebook

Zur UTB-Facebook-Seite

Gefällt mir! Die Facebook Seite von utb informiert Sie über unsere Aktivitäten. 

 [zur Facebook-Seite von utb]

utb auf Twitter

UTB-Tweed bei Twitter

Aktuelles für Studierende und Dozenten – hier melden wir, was es in der Hochschulwelt Neues gibt.

[Zum utb-Twitter-Tweed]

Eine Übersicht der Websites zu einzelnen utb-Titeln finden Sie auf der Links-Seite.

 

Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt