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Heide von Felden

Bildungsmanagement

Seit einigen Jahren hat der Begriff B. in der EB und WB einen bedeutenden Platz eingenommen. In der gesellschaftlichen Situation zunehmender Globalisierung, Flexibilisierung und → Individualisierung und der Entwicklung zur Wissensgesellschaft wird die Entwicklung von sozialen und mentalen Fähigkeiten zur Lösung von Problemen zu einer zentralen gesellschaftlichen Bezugsgröße. Diese „Humanressourcen“ gilt es bestmöglich zu fördern und einzusetzen. Nicht nur in Unternehmen ist man sich im Rahmen beruflicher Bildung der Reichweite dieser gesellschaftlichen Entwicklung bewusst. Auch in Einrichtungen der allgemeinen EB, in Schulen und Hochschulen tritt an die Stelle der Planung und Durchführung von Lern- und Bildungsprozessen zunehmend die Notwendigkeit, Lernen und Bildung zu managen. Hinzu kommt, dass sich insb. im Weiterbildungsbereich statt der öffentlichen Verantwortung, die auf das bildungspolitische Leitziel der 1970er Jahre zurückgeht, spätestens seit den 1990er Jahren die Strukturen des Weiterbildungsmarktes durchgesetzt haben, die sich zunehmend ausdifferenzieren und Managementkompetenzen erfordern. Management in einer kurzen Definition heißt, „durch Unternehmens- und Personalführung einen organisationalen Ordnungsrahmen zu schaffen, in dem Ziele, Mittel und Verfahren so zusammenwirken, dass Handlungen geplant, organisiert, durchgesetzt und kontrolliert werden können“ (Behrmann 2006).

Was bedeutet nun Management im Bildungsbereich? Bildung wird zu einem Gut, dass den Gesetzen von Angebot und Nachfrage ausgesetzt ist. Systematische Bedarfsermittlung, → Programmplanung und Bildungsmarketing sind gefragt. Hinzu kommt, dass dem zunehmenden Lern- und Weiterbildungsbedarf oft knappe personale und finanzielle Ressourcen gegenüberstehen, so dass die Bildungsarbeit unter Effektivitätsgesichtspunkten stattfinden muss. Teilnehmende bzw. Kunden haben ein Anrecht auf eine gute Qualität von Bildungsveranstaltungen und professionell ausgebildetes Personal. Somit geht es um → Qualitätsmanagement und → Personalentwicklung. Das Ganze muss in einem Organisationsrahmen stattfinden, der den sich schnell wandelnden Anforderungen des Marktes entspricht, womit die → Organisationsentwicklung angesprochen ist. Um B. handelt es sich, kurz gesagt, wenn Lern- und Bildungsangebote in einem Organisationsrahmen durch effektiven Mitteleinsatz in guter Qualität geplant, organisiert, durchgeführt und erfolgreich umgesetzt werden können.

Kritische Stimmen aus pädagogischer Sicht bezweifeln allerdings, ob Lern- und Bildungsprozesse in diesem Sinne wirklich planbar sind, denn sie setzen immer die aktive Mitwirkung der Lernenden voraus. Managementkonzepte dieser Art werden mit dem Hinweis auf die Gefahr der vollständigen Ökonomisierung und Instrumentalisierung von Bildung abgelehnt. Dagegen wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, bildungsorientierte Managementkonzepte in der erziehungswissenschaftlichen Disziplin zu verankern (Meisel 2009). Für letzteres gibt es inzwischen Vorschläge: Detlef Behrmann hat ein „Reflexives Bildungsmanagement“ entworfen, das Management an pädagogische Professionalität und die Struktur pädagogischer Organisationen knüpft. „Reflexives Bildungsmanagement kennzeichnet ein organisations- und managementtheoretisch fundiertes, an rationalen und ethischen Standards pädagogisch professionellen Handelns ausgerichtetes, entwicklungsorientiertes Gestalten pädagogischer Organisationen, die sich über strategische Orientierungen konfigurieren und sich im Zuge des sozioökonomischen Wandels positionieren (…), um ihre auf individuelles Lernen sowie auf gesellschaftliche Reproduktion und Innovation bezogene Förder- und Reflexionsfunktion organisatorisch angemessen und ethisch verantwortlich wahrzunehmen“ (Behrmann 2006).

Und Steffi Robak hat auf empirischer Ebene mithilfe eines arbeitsplatzanalytischen Zugangs Aufgaben des B. identifiziert und dabei ebenfalls die Spezifik pädagogischer Organisationen und Arbeitsabläufe zugrunde gelegt (Robak 2004). B. entwickelt sich somit zunehmend zu einem Begriff, der betriebswirtschaftliche und erziehungswissenschaftliche Grundsätze zusammendenkt.

Literatur

  • Behrmann, D.: Reflexives Bildungsmanagement. Frankfurt a.M. u.a. 2006

  • Meisel, K.: Weiterbildungsmanagement. In: Tippelt, R./Hippel, A. v. (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. 3., überarb. und erw. Aufl. Opladen 2009

  • Robak, S.: Bildungsmanagement als Konstellieren von Handlungswaben. In: Report. Zeitschrift für Weiterbildungsforschung, H. 1, 2004

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt